Kerstin Greb und Frank Pachura

Ausdauerläufer aus Welver absolvieren Marathon in der Westfalenhalle

Kerstin Greb und Frank Pachura auf ihrer einsamen Runde in der Westfalenhalle.
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Kerstin Greb und Frank Pachura auf ihrer einsamen Runde in der Westfalenhalle.

Am Ort, an dem bei Rock- oder Popkonzerten vor Corona bis zu 15 400 Menschen ihren Stars zujubeln, ist seit März vergangenen Jahres gespenstische Ruhe eingekehrt. Veranstaltungen fanden seitdem kaum hier statt, zuletzt Wettkämpfe im Rahmen der „Finals“ bei verschiedenen Deutschen Meisterschaften. So trat eine Situation ein, mit der sich die Welveraner Ausdauerläufer Kerstin Greb und Frank Pachura einen Traum erfüllt haben – einen ganz privaten Marathon in der Westfalenhalle zu laufen.

Dortmund – „Für mich ist das was ganz Besonderes“, sagt der Ausdauerläufer mit dem Faible für besondere Strecken: „Denn als ich als Kind hier beim Sechs-Tage-Rennen war, hat mein Vater mir gezeigt, wo er bei Bau des Hallendachs gearbeitet hat.“

Bevor die Beiden am Donnerstag um 9 Uhr im Innenraum des markanten Kuppelbaus ihren Lauf über 42,195 Kilometer (und ein bisschen mehr) starten, geben sie vor einer Fernsehkamera ein Interview und der lokale Radiosender begleitet den Lauf mit Live-Schaltungen. In einer entspannten Gesprächs-Atmosphäre verrät der Ausbildungsmeister im Hammer Ausbildungszentrum, dass er aufgeregter als sonst vor einem Marathon war.

Pachura hat zwar schon vorher 275 (Ultra-)Marathons absolviert, aber alleine nur gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Kerstin Greb in dem riesigen Kuppelgebäude laufen zu dürfen, wird wohl für den gebürtigen Dortmunder unvergesslich bleiben. „„Wir laufen bis zu 40 Marathons pro Jahr, also fast an jedem Wochenende“, sagt der Matathonsammler: „Aber hier geht es um die Strecke. Ich hatte das die ganze Zeit im Kopf.“

Unser Traum war, dass wir außen rum oder durch die Gänge in den Rängen laufen. Das wir sogar hier in die Halle rein dürfen, war noch viel besser, als wir es uns erträumt haben.

Frank Pachura

So fragte Pachura bei den Hallenbetreibern nach, ob aufgrund der Corona-Pandemie so eine Veranstaltung möglich sei. „Und ich habe auf Anhieb die richtige Person am Telefon gehabt. Denn wir haben sofort eine Zusage bekommen mit dem Zusatz: Coole Idee“, berichtet der Welveraner. „Unser Traum war, dass wir außen rum oder durch die Gänge in den Rängen laufen. Das wir sogar hier in die Halle rein dürfen, war noch viel besser, als wir es uns erträumt haben.“

Ehrfürchtig und alleine in dem Kuppelbau

Beim offiziellen Vermessen der Strecke ist in Pachura schon „Ehrfurcht“ aufgestiegen, „als ich ganz alleine in der riesigen Halle bei einer einzigartigen Atmosphäre“ war. „Ich habe das erst einmal zehn Minuten auf mich wirken lassen“, beschreibt er seine Eindrücke. Nun haben an dieser Stelle Greb ihren 52. und Pachura seinen 276. (Ultra-)Marathon absolviert. 213 Meter ist die Runde am Hallenrand lang. „Hoffentlich kriegen wir keinen Drehwurm“, sagt Greb, die in Dortmund beim TÜV Nord in der Verwaltung arbeitet.

Um den Marathon erfolgreich abzuschließen, müssen die Sportler über 198,1 Runden – die Strecke ist bereits offiziell vermessen – im Innenraum der 1952 eröffneten Westfalenhalle meistern.

Immer im Kreis - 213 Meter lang war eine der 200 Runden.

Sie liefen aber der Einfachheit halber 200 Runden durch das riesige Rund, in dem sonst als sportliche Aktivitäten früher Handball-Spiele des VfL Gummersbach oder der Nationalmannschaft, Eishockey- oder Basketball-Länderspiele im Rahmen von Weltmeisterschaften stattfanden. Die bislang letzte große sportliche Veranstaltung war Ende des Jahres 2019 das ausverkaufte Zweitliga-Spiel der Handballer des ASV Hamm gegen Gummersbach.

Große Stille als größtmöglicher Kontrast zu Anfeuerungsrufen

Am Donnerstag herrscht große Stille und die zwei einsamen Läufer bieten den dazu größtmöglichen Kontrast zu Jubel- und Anfeuerungsrufen oder auch zum sonstigen bunten Treiben eben bei Konzerten. Die einzigen Geräusche, die an diesem Donnerstag zu hören sind, sind die gedämpften Stimmen von Greb und Pachura. Dabei genossen sie den Lauf trotz der drückenden Luft und hohen Temperatur – die Zielzeit ist ihnen egal.

Vor ihrem Marathon gaben die beiden noch ein Fersehinterview.

Nach 5:32 Stunden liefen Greb und Pachura über die Ziellinie, die die Mitarbeiter der Westfalenhalle mit einem Flatterband improvisiert hatten. 18 bis 20 Runden vor Schluss hatte Pachura Probleme: „Wir haben viel mehr geschwitzt, als vermutet. Da kam der Salzhaushalt anscheinend durcheinander und ich musste mehrfach Krämpfen vorbeugen. Aber das gehört dazu, Widrigkeiten zu überwinden. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, lautete sein Fazit. Die Zeit war auch dadurch begründet, dass die beiden unterwegs gefilmt und auch noch Mediengespräche geführt hatten.

Zusammen mit Kerstin Greb, die gebürtig aus Bochum kommt, ist Pachura immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Orten und besonderen Herausforderungen, um die Distanz von 42,195 Kilometern zu meistern. So sind sie zum Beispiel im alten Hamburger Elbtunnel oder in einem Fledermaustunnel im Sauerland die 42,195 Kilometer gelaufen. Auch ein Maisfeldlabyrinth in Soest und die Strecke zwischen zwei Eisdielen in der Soester Innenstadt – inklusive Eisessen – waren schon Marathonstrecken genau wie eine Baustelle in Hamm.

Selbstorganisierter Marathon in Hamm am 29. August

Der nächste von Frank Pachura und Kirsten Greb organisierte Marathonlauf soll am Sonntag, 29. August. im Lippepark in Hamm-Herringen stattfinden – immer wieder zwischen den beiden orangenen Stahlspiralen hin und her. Sie hoffen auf 80 bis 90 Aktive dafür.

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