Judoka aus Werl ist in den Männerbereich gewechselt

Alessio Murrone hat Olympia 2024 in Paris als großes Ziel

„Paris 2024“ steht an der Wand im Olympia-Zentrum Köln und erinnert Alessio Murrone permanent an sein großes Ziel.
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„Paris 2024“ steht an der Wand im Olympia-Zentrum Köln und erinnert Alessio Murrone permanent an sein großes Ziel.

Werl – Sein Blick ist fest auf die Wand im Kölner Olympiazentrum mit der Aufschrift „Paris 2024“ gerichtet – es ist eine persönliche Motivationshilfe für Alessio Murrone. Dort trainiert der Werler Judoka hart und intensiv für sein großes Ziel „Olympia-Teilnahme“ und er bezieht eigentlich auch die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles dabei mit ein. „Jetzt geht es los“, sagt Murrone. Denn seit Beginn diesen Jahres tritt der 20-Jährige in der offenen Männerkategorie in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm an.

Das letzte Jahr in der Altersklasse U21 schätzt er Corona-bedingt als „mäßig gut“ ein. Beim ersten Bundesleistungsturnier, Murrone vergleicht diesen Wettkampf von der Qualität der Kämpfe her mit einer Deutschen Meisterschaft, in Mannheim im November 2019 siegte der Werler noch. Beim zweiten im thüringischen Sondershausen-Straußberg kam Murrone auf den 3. Platz – hier ging es in einem intensiven Wettkampfwochenende in vielen Kämpfen immer wieder an die Leistungsgrenze. Bei seiner letzten Deutschen Meisterschaft in der Altersklasse U21 kurz vor dem Lockdown im Frühjahr belegte der Architektur-Student den 4. Platz nach einer Halbfinal-Niederlage und dem verlorenen Duell um den 3. Platz.

„Das war richtig bitter, weil ich wahnsinnig gut drauf war“, sagt der Judoka mit Wurzeln beim JC Welver. So endete die Zeit in dieser Altersklasse ohne Top-Platzierung bei der „Deutschen“, denn in den Jahren zuvor verpasste der Werler „Sportler des Jahres“ für 2019 diese Titelkämpfe aufgrund von Verletzungen und Erkrankungen zweimal.

Den Übergang in den Männerbereich unter Corona-Bedingungen sieht der 20-Jährige für sich und seine Altersgenossen erschwert. „Es ist vom Sportlichen her der falsche Zeitpunkt. Normalerweise entscheidet sich im U21-Bereich vieles, aber wir hatten das Pech, dass wir keine Turniere mehr hatten“, sagt der Kampfsportler. Den Gewinn der Deutschen Vizemeisterschaft mit seinem Wittener Team der Sport-Union Annen von Ende Oktober sah der Deutsch-Italiener aufgrund des Turniercharakters mit sieben Vereinen an einem Wochenende „eher als Geste. Der Titel ist zwar da, aber es ging eher darum zu zeigen, der Sport lebt noch“, berichtet Murrone über diese speziellen Corona-Meisterschaften. „Es wurde viel daran kritisiert, was ich auch nachvollziehen konnte“, hatten einige bedenken, dass dieser Wettkampf zu einem Spreader-Event werden könnte. „Die Bundesliga ist wichtig und gut. Aber im Fokus steht der Einzelwettkampf“, erklärt der Student, der vor einem Jahr am Sportinternat in Köln sein Abitur gemacht hat.

Zudem fielen im vergangenen Jahr auch alle internationalen Vergleiche aus. Umso mehr hatte sich Murrone gefreut, als er im Oktober 2020 vom Männer-Bundestrainer zu einem Turnier mit fünf weiteren Kaderathleten eingeladen worden war – und mit einem zweiten Platz zu überzeugen wusste. „Das war für mich eine Chance, um mich zu zeigen“, erklärt der Werler.

Es ist besser, eine Sache tausendfach wiederholt zu haben, als tausend Sachen nur einmal gemacht zu haben.

Alessio Murrone Judoka aus Werl

Gerade die Kämpfe, im Judo Randori genannt, sind für den 20-Jährigen immens wichtig. „Es gibt nichts Besseres als ein Randori-Training. Nirgendwo trainiert man Judo besser als mit Judo-Kämpfen. Es ist wichtig, so viele Partner als Kampfgegner wie möglich zu haben. Da ist es egal, ob die kräftiger und auch schwerer sind. Und es ist auch wichtig, sich mit den Besten zu messen“, sagt Murrone. So geht er etwa auch regelmäßig gegen den früheren Deutschen Meister und EM-Teilnehmer Moritz Plofky (JC Hennef) auf die Matte.

Murrone hat das Glück, dass er in Köln als Kaderathlet auch während des Lockdowns – zwar unter Einschränkungen – regelmäßig trainieren kann. „Wir sind schon privilegiert“, sagt der 20-Jährige, auch wenn er wegen einer festgelegten Trainingsgruppe aktuell eben nicht so viele wechselnde Wettkampfpartner hat.

Kräftig zupacken gehört elementar zum Judo dazu. Hier Alessio Murrone im Training.

Eine typische Trainingswoche mit den Abend-Einheiten beinhaltet folgende Elemente: montags Technik und Randori (Kämpfe), dienstags nur Randori, mittwochs verstärkt Übungen auf dem Boden, donnerstags Randori und freitags individuelles Techniktraining. Dazu werden zusätzlich und individuell vormittags Kraft, Technik, Zirkel, Intervalle mit Bergsprints und die Ausdauer mit Läufen geschult.

Auch wenn er sich derzeit im „Off-Season-Modus“ ohne Wettkämpfe befindet, sei Judo durch seine Komplexität im Training ein Sport, bei dem man schnell wieder in den Rhythmus komme und so schnell wieder in die sportlichen Duelle finden würde.

Sein Ende November an der Technischen Hochschule in Köln begonnenes Studium kommt ihm bei der Zeiteinteilung für das Judo-Training zu Gute, zumal die TH „Spitzensportförderer“ ist. Auch dass er nach seinem Grundpraktikum für das Studium als Werkstudent im Architekturbüro HKR+ in Köln weiter arbeiten darf, passt gut in seinen Tages- und Wochenablauf. „Ich bin flexibel. Ich kann morgens erst noch trainieren und um 9 Uhr anfangen. Das kommt mir sehr gelegen“, sagt Murrone. In dem Büro arbeitet er mit verschiedenen Materialien für den Gebäudebau und nutzt die speziellen Computerprogramme in Zeiten, in der auch die Vorlesungen virtuell als Zoom-Konferenzen abgehalten werden und das studentische Leben komplett brachliegt. „Da habe ich meine zwei Leidenschaften. Das passt ganz gut“, ist Murrone zufrieden als Architekturstudent und Spitzensportler.

Seine sportlichen Stärken sieht Murrone in den auf maximal vier Minuten angelegten Kämpfen – er bezeichnet Judo als „aufgetuntes Ringen“ – in „guten Schulterwürfen. Dazu haben ich ein gutes Gefühl mit den Füßen und die Schenkelwürfe sind zu meiner zweiten Spezialtechnik geworden“, verrät der 20-Jährige. Da Judo als Individualsport aber auch eine Gefühlssache sei, sagt er: „Die Basis und das Verständnis von vielen Sachen ist gut. Es ist aber besser, eine Sache tausendfach wiederholt zu haben, als tausend Sachen nur einmal gemacht zu haben.“ Er sei eher ein Techniker, als dass er über die Kraft komme, sagt Murrone. Aber mit Anfang 20 lege der Körper eben auch an Kraft zu – deswegen sprach Murrone davon, dass es für ihn im Männerbereich nun losgehe.

Und immer wieder erinnert dabei ein Blick an die Wand an sein großes Ziel „Paris 2024“.

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