Adama Kebe hat seine neue Heimat auf den Dächern rund um Sönnern gefunden

Auf den Dächern rund um Sönnern arbeitet Adama Kebe im Betrieb von Dachdeckermeister und Vereinskamerad Frank Vollenberg

Sönnern – „Ich habe nur wenige Menschen kennen gelernt, die so positiv eingestellt sind!“ Dennis Hohn, Spielertrainer der zweiten Mannschaft des SC Sönnern ist in Sachen Fußball schon viel herumgekommen. Doch auf einen Spieler wie Adama Kebe ist er noch nicht getroffen.

 „Ich wünsche mir, dass er immer bleiben kann“, hofft Hohn darauf, dass sein Schützling dauerhaft in hiesigen Gefilden leben und damit lange Zeit für den SC Sönnern die Fußballschuhe schnüren darf. Der 21-Jährige gilt in dem Werler Ortsteil als Musterbeispiel in Sachen Integration. Das bestätigt auch Frank Vollenberg, in dessen Firma der Flüchtling eine Ausbildung zum Dachdecker macht. 

"Ein Musterknabe, der richtig malichen kann" 

„Er ist ein Musterknabe, der richtig malochen kann“, lobt er seinen Azubi und Sönneraner Fußballkameraden. „Wenn es nach mir ginge, würde ich ihm einen lebenslangen Vertrag geben“, weiß der Dachdecker-Meister, was er an Adama Kebe hat. Doch die Zukunft des jungen Mannes aus Mali ist ungewiss. Er kam 2017 über die Türkei nach Deutschland, hat Verwandschaft in Düsseldorf. 

Flucht aus Mali vor den Dschihadisten

Er war vor der Verfolgung durch islamistische Terror-Organisationen aus seiner Heimat geflohen, weil er auch als Moslem nicht vor den radikalen Dschihadisten sicher war. Sie hätten ihm womöglich einen Waffe in die Hand gedrückt, damit er sich an ihren Attentaten beteiligen muss. „Das hätte Adama niemals gekonnt“, weiß Frank Vollenberg um das sensible Wesen des 21-Jährigen. Nach seinem Asylantrag wurde Adama Kebe durch die Verbindung zu einem in Unna lebenden Onkel in eine Wohngruppe nach Werl geschickt. 

Von dort ging es ins Börde-Berufskolleg nach Soest, um in einer internationalen Klasse erst einmal Deutsch zu lernen. Dort spielte er auch Fußball und wurde von seiner Sportlehrerin entdeckt. Über einen Schulkameraden, der in Büderich spielte, wurde er dem Blau-Weiß-Spielertrainer Simon Koch vorgestellt, der ihn zum Training einlud. Prompt trug Adama Kebe in der Folge das DJK-Trikot. Ein Praktikum als Elektriker fand er derweil nicht so toll, folgte dem Vorschlag seines Büdericher Teamkameraden Fabian Wengler, der als Dachdecker bei Vollenberg arbeitet. 

Nach zwei Wochen Praktikum stand für den Afrikaner fest: „Das gefällt mir, das will ich machen!“ Er wechselte nicht nur den Job, sondern auch den Verein, schloss sich mit Wengler dem SCS an. Bei den „Türken“ fand er vor zwei Jahren rasch Anschluss und wurde auch im Schützenverein aufgenommen. „Ich bin überall dabei im Dorf“, freut sich Adama Kebe, dass er nicht ansatzweise auf Fremdenfeindlichkeit gestoßen ist.

 „Wenn ihm einer komisch kommt, würde ich das nicht tolerieren“, zeigt auch Frank Vollenberg klare Kante, das rassistische Anfeindungen dem Afrikaner gegenüber ein absolutes Unding sind. So fühlt sich Adama Kebe in Sönnern pudelwohl, wenn ihn auch manchmal Heimweh zu seiner Familie plagt. Über die sozialen Medien hält er Kontakt nach Mali, konzentriert sich voll und ganz darauf, seine Ausbildung abzuschließen. 

"Wir helfen ihm, wo wir können"

In knapp einem Jahr stehen die Prüfungen an. Von der praktischen Arbeit her läuft alles prima. Jetzt gilt es, das sprachliche Rüstzeug zu erarbeiten, um die schriftlichen Aufgaben lösen zu können. „Wir helfen ihm, wo wir können“, erläutert Vollenberg, dass seinem Auszubildenden auch eine Nachhilfe auf Französisch vermittelt wurde, um die schwierigen Begriffe aus der Fachsprache verstehen zu können. Ein Bestehen der Prüfung ist Voraussetzung dafür, dass Adama Kebe anschließend einen Arbeitsvertrag als Dachdecker-Geselle bekommen kann. 

Adama Kebe im Trikot des SC Sönnern.

Und der ist wiederum Voraussetzung dafür, dass er eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis für Deutschland erhält. Darüber würde sich auch Dennis Hohn freuen, damit er auf den flinken Außenspieler auch über die Saison 20/21 hinaus setzen kann. „Er ist mit Abstand der schnellste Spieler“, beobachtet er, wie Adama Kebe die rechte Seite rauf und runter läuft, ohne Ermüdungserscheinungen zu zeigen. 

Aktuell ist der Flügelflitzer aber außer Gefecht gesetzt. Bei einem Arbeitsunfall hat er sich den Daumen der linken Hand gebrochen, eine Operation war unumgänglich. Alsbald will Adama Kebe aber wieder das runde Leder jagen und an der Seite von Frank Vollenberg und seinen Arbeitskollegen die Dächer rund um Sönnern decken; und das möglichst auch über den Sommer 2021 hinaus.

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