Einblicke aus Tokio

Deutscher Handball-Boss schildert Zustände bei Olympia: „Wie im Gefängnis“

Am kommenden Freitag beginnt Olympia 2020 in Tokio offiziell. Wegen der Corona-Pandemie mit einem Jahr Verspätung. Handball-Boss Bob Hanning schildert die Zustände vor Ort.

München/Tokushima - Am Freitag* geht es endlich los! Mit einem Jahr Verspätung starten die Olympischen Spiele 2020* in Tokio - Zuschauer sind nach mehr als über einem Jahr Corona-Pandemie aber noch immer nicht erlaubt. Zwar kehrten bei der Fußball-EM kürzlich die Fans zum großen Teil wieder zurück in die Stadien, bei Olympia gibt‘s das aber nicht.

Das ist für die Akteure und für die Veranstalter gleichermaßen bitter. Aber anders war es offenbar nicht umsetzbar. Trotz allem: „Die Sportler freuen sich sehr auf die Olympischen Spiele*“, sagt der Vize-Präsident des Deutschen Handball-Bundes Bob Hanning im Interview mit dem SID: „Es ist ganz wichtig für sie, dass die Wettkämpfe stattfinden. Natürlich sind es besondere Bedingungen, und es ist schöner, 15.000 Zuschauer in der Halle zu haben, statt bei den Spielen auf Betonklötze zu schauen.“

Die DHB-Stars* seien trotz der fehlenden Anhänger motiviert. „Auf der anderen Seite sind Olympische Spiele trotzdem Olympische Spiele, und wenn die Mannschaft am Donnerstag ins Dorf einzieht, dann wird es für jeden Einzelnen etwas Besonderes sein“, sagt Hanning.

Olympia 2021: Deutscher Handball-Boss Hanning schildert Corona-Zustände - „Wie im Gefängnis“

Allerdings dürfte es für die Sportler nicht einfach werden. „Damit alles gut über die Bühne geht, gibt es starke Restriktionen“, verrät der DHB-Vize: „Man muss sich das wirklich wie in einem großen Gefängnis vorstellen. In Tokushima kommen sie nicht mal an den Strand, und es ist alles sehr eng. Da mache ich mir große Sorgen, dass in den Köpfen eine gewisse Müdigkeit auftreten wird. Bei all dem muss aber auch erwähnt werden, dass die Japaner perfekte, weil überaus freundliche Gastgeber sind.“

Für Hanning war es richtig, Olympia trotz aller Hindernisse durchzuziehen, wie er weiter erklärt. „Ich halte es auf jeden Fall für die richtige Entscheidung im Sinne der Sportler“, so der 53-jährige langjährige Handball-Funktionär: „Auch wenn es nicht die Olympischen Spiele sind, wie wir sie kennen und lieben, ist es trotzdem etwas Besonderes. Vor allem für die vielen Einzelsportler, die nur alle vier Jahre im Mittelpunkt stehen.“

Das DHB-Team will nach der enttäuschenden WM Anfang des Jahres (Platz 12) Wiedergutmachung betreiben. Olympia-Gold, das Hanning bei seinem Amtsantritt 2013 als Ziel ausrufen hatte, scheint aber sehr ambitioniert. Oder doch nicht?

Olympia 2021: Traum vom Handball-Gold lebt! Hanning bleibt optimistisch

„Der Traum von Olympiagold lebt!“, sagt Hanning und nennt die Gründe für seinen Optimismus: „Die WM dürfen wir nicht als Maßstab heranziehen. Das waren völlig andere Bedingungen, viele Spieler haben nicht gespielt, sodass wir nicht die nötige Stabilität hatten. Jetzt treten wir fast in Bestbesetzung an, mit Ausnahme von Fabian Wiede und Patrick Wiencek. Von daher glaube ich, dass wir eine starke deutsche Mannschaft bei Olympia sehen werden, für die eine Medaille absolut möglich ist.“

Deutschland trifft in der Vorrunde auf Spanien, Frankreich, Argentinien, Brasilien und Norwegen - und hat damit eine Hammer-Gruppe erwischt. Zum Auftakt geht es für das DHB-Team am 24. Juli gleich gegen Europameister Spanien. (smk/sid) *tz.de ist ein Angebot von IPPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Imago-Images/wolf-sportfoto

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare