Messi-Beben schockt FC Barcelona

Wer im Glashaus sitzt: Messi nimmt sich Barças Streik-Strategie zum Vorbild

Lionel Messi möchte den FC Barcelona umgehend verlassen - notfalls per Streik?
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Lionel Messi möchte den FC Barcelona umgehend verlassen - notfalls per Streik?

Lionel Messi hat den FC Barcelona mit seiner Wechselabsicht geschockt. Weil Messi offenbar um jeden Preis gehen möchte, droht ein Streik. Als Vorbild dient: Barça.

  • Die Wechselabsicht von Lionel Messi hat den FC Barcelona kalt erwischt.
  • Messi möchte Barça trotz noch gültigen Vertrags ablösefrei verlassen – notfalls per Streik.
  • Als Streik-Vorbild dient Messi: eben der FC Barcelona.

Barcelona – Streiks gehören zur Arbeitswelt dazu. Ein Streik ist eine „gemeinsame, meist gewerkschaftlich organisierte Arbeitsniederlegung von Arbeitnehmern zur Durchsetzung bestimmter wirtschaftlicher, sozialer, die Arbeit betreffender Forderungen“. So steht's jedenfalls im Duden geschrieben. Meist geht es bei Streiks um mehr Geld oder bessere Arbeitsbedingungen. Nun, Lionel Messi geht es weder finanziell schlecht, noch dürften die Arbeitsbedingungen beim FC Barcelona unausstehlich sein. Zumindest für Messi.

Messi will die Katalanen trotzdem verlassen – jetzt, sofort und umgehend. Pep Guardiolas Manchester City soll bereits „hier“ gerufen haben. Weil „La Pulga“ aber eigentlich noch bis Sommer 2021 vertraglich an Barça, seinen Herzensklub, gebunden ist, müsste ein potenzieller Abnehmer die kolportierte Ausstiegsklausel von 700 Millionen Euro zahlen. Messi pocht auf eine Vertragsklausel, die ihm schon jetzt einen ablösefreien Wechsel ermöglichen soll. Der FC Barcelona und die spanische Liga sehen das anders. Womit wir wieder beim Streik wären. Was Barça erzürnt, ist im Kontext der katalanischen Transfer-Strategie der vergangenen Jahre nur logisch. Messi nimmt sich seinen Klub zum Vorbild.

Der Fall Messi und die Streik-Historie beim FC Barcelona

Was gemeint ist? Anno 2017 streikten sich Ousmane Dembélé und Philippe Coutinho gen Katalonien. Unvergessen die Polter-Rede von Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer bei Borussia Dortmund, als er im Sommer 2017 seinem Ärger keinen Einhalt gebot: „Ous tanzt uns ja nicht auf der Nase herum, er hat einfach seine Arbeit verweigert. Das ist eine neue Qualität. Da muss man sich auch mal über die Rolle des ruhmreichen FC Barcelona unterhalten.“

Der seit Jahren nicht mehr ganz so ruhmreiche FC Barcelona ist übrigens auch der Klub, der sich mit Atlético Madrid einst vor Gericht um die Ablösesumme von Antoine Griezmann fetzte, am Ende irgendwie verlor, aber eigentlich auch doch nicht. 300 Euro musste Barça an Strafe zahlen. Oder um es im Jura-Sprech des Verbandes zu verbalisieren: „Verhängung einer Geldstrafe von 300 Euro gegen den FC Barcelona, wegen der Begehung eines leichten Verstoßes gegen Artikel 126 des Disziplinargesetzes.“ „Sport Bild“ titelte umgehend von einer „Witz-Strafe“. Bei Atlético dürfte allerdings keiner gelacht haben.

Messi-Streik beim FC Barcelona erinnert an Neymar

Ebenfalls kein gut lachen hatte Neymar, Barças verlorener Sohn und katarischer Neu-Prinz in Diensten Paris Saint-Germains. Nach seinem Pauken-und-Trompeten-Wechsel im Sommer 2017 für 222 Millionen Euro Ablöse zu PSG brauchte es offenbar nur zwei Jahre, ehe sich Neymar zurück in den Schoß von Messi sehnte. Barça wollte Neymar, Neymar wollte Barça. Weil PSG aber nicht wollte, streikte, bockte, zickte Neymar – und musste dennoch bleiben.

Während des Rosenkrieges lief ein Gerichtsverfahren zwischen Neymar und dem FC Barcelona. Ersterer forderte Geld wegen Vertragsbruchs, letzterer Geld wegen ausstehender Prämien. Wäre es in jenem Sommer zu einer Reunion gekommen, hätte sich das Verfahren angeblich in Luft aufgelöst. Kam es aber nicht. Stattdessen verlor Neymar vor wenigen Monaten vor Gericht und muss jetzt rund sieben Millionen Euro gen Barcelona überweisen. Dumm gelaufen.

Dass sich nun ausgerechnet Messi, der König von Barcelona, ach was, der Kaiser von Barcelona, die Streik-Strategie zunutze macht, passt da perfekt ins Bild.

Messi nimmt sich Streik-Strategie des FC Barcelona zum Vorbild

Laut La Liga darf Messi in diesem Transferfenster nicht ablösefrei gehen. Laut „Onda Cero“, „L‘Equipe“ und „TyC Sports“ existiert im Vertrag des sechsfachen Weltfußballers aber sehr wohl eine Passage, die die horrende 700-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel nichtig macht. So soll es laut den spanischen Medienberichten in Messis Vertrag heißen: „Diese Entschädigung gilt nicht, wenn die Kündigung des Vertrags durch einseitige Entscheidung des Spielers zum Ende der Saison 2019/20 wirksam wird.“ Auf eben diese Passage pocht Messi. Dass der Rosenkrieg beim FC Barcelona durch ein aufgrund der Corona-Pandemie verzerrtes Ende der Saison noch verkompliziert wird – geschenkt.

Messi jedenfalls glaubt laut übereinstimmenden Medienberichten weiterhin an einen Abschied nach 20 Jahren bei der „Blaugrana“ - notfalls per Streik. Den Corona-Test vor dem Trainings-Auftakt hatte der 33-Jährige geschwänzt, was es ihm leicht machte, auch montags das erste Training zu boykottieren. Denn wer sich nicht testen lässt, darf aufgrund der Corona-Auflagen nicht trainieren. Wie passend.

Dass Messi zeitnah das Training unter Neu-Coach Ronald Koeman mit seiner Anwesenheit beehrt, ist so wahrscheinlich wie ein 2:8 in einem Champions-League-Viertelfinale. Am Mittwoch wollen sich beide Fraktionen, die Messi-Seite und die Barça-Bosse, an einen Tisch setzen, berichtet die spanische „Marca“. Ausgang offen. Die moralische Verwerflichkeit des Streikens wird der FC Barcelona Messi in jedem Fall nicht vorwerfen können. Stichwort: wer im Glashaus sitzt.

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