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Massenpanik bei Fußballspiel in Indonesien: Über 100 Tote – Ex-Bundesliga-Trainer mittendrin

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Von: Andreas Schmid

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Massenpanik im Stadion: Nach Abpfiff eines Fußballspiels in Indonesien eskaliert die Situation völlig. Die Polizei setzt Tränengas ein, mehr als 100 Menschen sterben. Der im Land arbeitende Thomas Doll ist tief bewegt.

Update vom 2. Oktober, 16.55 Uhr: Die Zahl der Todesopfer infolge der Stadion-Katastrophe in Indonesien wurde auf 125 nach unten korrigiert. Die Folgen der verheerenden Massenpanik bekam auch Thomas Doll zu spüren. Der frühere DFB-Nationalspieler trainiert seit April den Erstligisten Persija Jakarta, ein Ligakonkurrent der betroffenen Vereine Arema FC und Persebaya Surabaya. In der Bild sagte der 56-Jährige: „Ich bin unsagbar traurig über die Vorfälle. Die Verarbeitung wird sicherlich lange brauchen.“

Weiter betonte Doll hinsichtlich der Vorkommnisse, die offenbar in einem Platzsturm vieler Fans ihren Ausgang nahm: „Das hat nichts mehr mit Fußball zu tun. Das alles macht schon sehr, sehr nachdenklich.“ Er selbst habe im Mannschaftshotel davon erfahren, wo sich das Team vor seinem eigenen Spiel aufgehalten habe: „Sofort wurden wir aus Sicherheitsgründen in gepanzerten Polizeiwagen zu unserem in 40 Kilometer abgestellten Team-Bus gefahren und sind unter Polizeischutz nach Jakarta zurückgekehrt.“

Bei Sport1 zeigte sich Hanno Behrens, der unter Doll bei Persija Jakarta spielt, war erschüttert: „Das ist eine ganz traurige Sache für den gesamten Fußball auf der ganzen Welt. Wir sollten nicht vergessen, dass es am Ende nur ein Spiel ist.“

Menschen tragen einen Verletzten weg
Dutzende Opfer nach Stadionkatastrophe: In Indonesien sind Auseinandersetzungen zwischen Zuschauern eines Fußballspiels und den Sicherheitskräften eskaliert. © afp

Erstmeldung vom 2. Oktober:

Malang - Bei einem Fußballspiel in Indonesien sind mindestens 174 Menschen gestorben und noch einmal so viele (180) verletzt worden. Gewaltsame Ausschreitungen sorgten für eine Massenpanik, bei der auch zwei Polizisten getötet wurden. Die Tragödie in Malang in der indonesischen Provinz Ostjava stellt eine der schwersten Sportstadion-Katastrophen der Welt dar.

Indonesien: Fans stürmen Spiel - Polizei reagiert mit Tränengas

Nach dem Spiel hatten nach Polizeiangaben wütende Fans das Fußballfeld gestürmt, nachdem ihr Verein, Arema FC, das Spiel gegen den Erzrivalen Persebaya Surabaya 2:3 verloren hatte - die erste Niederlage seit mehr als zwei Jahrzehnten. Die Polizei versuchte daraufhin eigenen Angaben zufolge, die Fans zur Rückkehr auf die Ränge zu bewegen und feuerte schließlich Tränengas in die Menge, nachdem zwei Polizisten getötet worden waren. Dies löste Polizeiangaben zufolge eine Massenpanik aus.

Die Polizei habe das Tränengas eingesetzt, um randalierende Fans zu zerstreuen, sagte der Polizeichef der Provinz, Nico Afinta. 34 Menschen seien auf dem Spielfeld des Kanjuruhan-Stadions ums Leben gekommen, alle weiteren in Krankenhäusern, sagte Afinta laut dem Radiosender Elshinta und dem Sender tvOne weiter.

Fußballfans stürmen das Spielfeld während Zusammenstößen zwischen Fans im Kanjuruhan-Stadion nach dem Erstliga-Spiel zwischen Arema FC und Persebaya FC.
Rund 3000 Fußballfans stürmen das Spielfeld im Kanjuruhan-Stadion. © Yudha Prabowo/AP/dpa

Indonesien: 3000 Fans stürmen Spielfeld

Das Kanjuruhan Stadion in Malang fasst insgesamt 42.000 Zuschauer und war nach Angaben der Behörden ausverkauft. Laut Polizei stürmten 3000 Menschen den Platz. „Wir möchten darauf hinweisen, dass nicht alle anarchisch waren, es waren nur etwa 3000, die das Spielfeld betraten“, sagte Afinta.

Auf Fotos, die auf der Seite von tvOne veröffentlicht wurden, ist unter anderem ein völlig zerstörtes Auto im Stadion zu sehen. Weitere Bilder zeigen den Platzsturm sowie Rauchschwaden auf dem Platz und den Tribünen.

Tote bei Ausschreitungen nach Fußball-Spiel in Indonesien
Polizisten stehen neben den Trümmern von Polizeifahrzeugen, die bei den Zusammenstößen zerstört wurden © Yudha Prabowo/picture alliance

Der indonesische Präsident Joko Widodo ordnete eine Sicherheitsüberprüfung der Fußballspiele des Landes an. Der Sport- und Jugendminister des Landes, der nationale Polizeichef und der Chef des indonesischen Fußballverbandes wurden angewiesen, „eine gründliche Bewertung der Fußballspiele und der Sicherheitsverfahren vorzunehmen“, sagte Widodo in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung.

Tragödie in Indonesien: Die größten Katastrophen im Fußball

Weltweit gilt das Unglück im britischen Hillsborough-Stadion im Jahr 1989 als eines der verheerendsten, als beim Zusammenbruch der Tribünen 97 Fans des FC Liverpool ums Leben kamen. 2012 starben in Port Said in Ägypten bei Stadion-Ausschreitungen nach einem Fußballspiel 74 Menschen. 1964 wurden bei einer Massenpanik während eines Olympia-Qualifikationsspiels zwischen Peru und Argentinien im Nationalstadion von Lima 320 Menschen getötet und mehr als 1000 Personen verletzt. (as/SID)

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