„Gefährliche Entwicklung“

Rassistische Anfeindungen: Ex-Bayern-Star lehnte Angebot ab, „weil ich nicht im Osten spielen wollte"

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Pablo Thiam sorgt sich über zunehmenden Rassismus in Deutschland.

Pablo Thiam spielte in den 80er- und 90er-Jahren in der Bundesliga. Wegen rassistischer Anfeindungen im Osten lehnte er einen Wechsel nach Berlin ab.

München - Der ehemalige Fußball-Bundesligaprofi Pablo Thiam sieht eine "gefährliche Entwicklung" durch zunehmenden Rassismus in Deutschland. Die Gründe hierfür lägen unter anderem im Einzug der AfD ins Parlament, sagte der 45-Jährige im Interview mit der Welt: "Manche Bürger denken sich inzwischen doch: 'Wenn die Politiker so etwas sagen dürfen, dann dürfen wir das auch'", sagte Thiam.

Thiam sieht Entwicklung als Rückschritt

Thiam, der guineische Wurzeln hat und als Integrationsbeauftragter und Nachwuchs-Chef beim Bundesligisten VfL Wolfsburg arbeitet, sieht die Entwicklung als Rückschritt. "In den 80er- und 90er-Jahren war ich als schwarzer Fußballer ein absoluter Exot. Dann kamen Leute wie Anthony Yeboah, Souleymane Sane und andere, und irgendwann war es einfach normal. Dann kam die erste große Flüchtlingsbewegung 2015 - und plötzlich änderte sich die Stimmung", sagte Thiam.

Zu seiner aktiven Karriere habe Thiam, der in der Bundesliga für den 1. FC Köln, den VfB Stuttgart, Wolfsburg und Bayern München spielte, besonders in Ostdeutschland negative Erfahrungen in Bezug auf seine Hautfarbe gemacht. "Ich habe dort des Öfteren schon rassistische Anfeindungen erlebt und unschöne Begegnungen gehabt", berichtete Thiam. Als aktiver Spieler habe er auch mal ein Angebot aus Berlin abgelehnt, "weil ich nicht im Osten Fußball spielen wollte".

„Geh doch nach Hause, du Neger“: Üble Beleidigungen gegen Thiam

Das schlimmste Erlebnis in Sachen Rassismus habe er aber woanders gehabt. "Das war vor anderthalb Jahren, allerdings im Raum Oldenburg, am Rande eines Pflichtspiels unserer U23-Mannschaft. Da beschimpfte mich ein Fan aufs Übelste", sagte Thiam. Den genauen Wortlaut habe er nicht vergessen: "'Geh doch nach Hause, du Neger'", erinnerte sich Thiam.

SID

Er betont selbst gerne seine deutsche Herkunft - und hat nun zu einem eher plumpen Schlag gegen politische Gegnerinnen ausgeholt: Donald Trump wünscht Demokratinnen „dahin zurück, wo sie herkamen“.

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