Zorc reagiert empört

Mentalitätsdebatte beim BVB: Streich springt Reus zur Seite

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Freiburgs Trainer Christian Streich springt Dortmunds Kapitän Marco Reus zur Seite.

In der Mentalitätsdebatte bei Borussia Dortmund bekommt BVB-Kapitän Marco Reus prominenten Zuspruchs: von Freiburg-Coach Christian Streich.

  • BVB-Kapitän Marco Reus ist nach dem Remis in Frankfurt in einem Interview ausgerastet
  • Grund dafür war der Vorwurf, dass Borussia Dortmund ein Mentalitätsproblem hätte
  • Zuletzt kamen sogar Zweifel auf, ob Reus noch der richtige für das Kapitänsamt wäre beim BVB

Update 27. September, 16.24 Uhr: Christian Streich, der Trainer des BVB-Liga-Konkurrenten SC, Freiburg hat im Zuge der Mentalitäts-Debatte Verständnis für Borussia Dortmunds Kapitän Marco Reus.

"Dass der Marco sagt, er kann den Scheiß nicht mehr hören, das kann ich verstehen", sagte Streich während der Pressekonferenz am Freitag. Nach dem 2:2 in Frankfurt hatte Reus vor laufender Sky-Kamera seinen Unmut über die Frage nach fehlender Mentalität im BVB-Team geäußert.

"Immer, wenn irgendetwas nicht funktioniert, heißt es: "'Ihr habt keine Mentalität gehabt.' Und wenn einer in der 93. Minute irgendwo steht und auf die Kiste haut, und der Ball wird noch ein bisschen abgefälscht, dann ist wahrscheinlich die zweite Frage im Interview: 'Woher haben Sie diese Mentalität?'", meinte Streich. "Es gab aber keine Mentalität, es hat einfach jemand aufs Tor geschossen. Und das hat Marco gemeint, und da muss ich ihm hundertprozentig zustimmen."

Ärger bei Borussia Dortmund: Sportdirektor Zorc reagiert empört auf Reus-Frage

Update vom 26. September, 13.55 Uhr: Borussia Dortmund sieht sich weiter der Mentalitätsdebatte ausgesetzt, weiterhin werden Zweifel an BVB-Kapitän Marco Reus geäußert. Das ruft Sportdirektor Michael Zorc auf den Plan – der bläst zum Gegenangriff.

Bei der Pressekonferenz vor dem Heimspiel des BVB gegen den SV Werder Bremen (Samstag, 18.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker sowie live im TV) reagierte Zorc ziemlich empört auf die Nachfrage, ob Reus nicht mehr als Kapitän geeignet sei. Schon Trainer Lucien Favre stellte sich vor Reus und sagte: "Er hat das letzte Saison schon sehr gut gemacht als Kapitän, er macht es diese Saison gut." Zorc wurde da noch eine Spur deutlicher.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

"Ihre nassforsche Art, die mag ja durchaus herausfordernd sein", so Zorc zum Journalisten, der die Frage nach Reus gestellt hatte. "Aber wir müssen nicht ihre Berichterstattung im Nachhinein legitimieren! Marco Reus ist unser Kapitän, bleibt unser Kapitän", sagte Zorc. Auch die Hierarchie beim BVB sei weiterhin klar.

"Mit Lukasz Piszczek als erfahrenen Spieler dazu, Axel Witsel, der sehr erfahren ist, und natürlich Mats Hummels – das sind die Führungsspieler bei Borussia Dortmund. Es gibt überhaupt keinen Grund, daran etwas zu ändern", sagte Zorc sichtlich genervt. "Wir habe da eine ganz klare Position", ergänzte er.

Die Diskussion sollte damit vorerst beendet sein – falls der BVB und Marco Reus denn auch am Samstag eine starke Leistung gegen den SV Werder Bremen abliefern, der auf den Ex-Dortmunder verzichten muss, wie deichstube.de* berichtet. Dafür können die Hanseaten wohl mit Milot Rashica antreten.

Kabinen-Problem und Reus als BVB-Kapitän angezweifelt – Spieler stellen sich hinter ihn

Update vom 25. September, 11.17 Uhr: Marco Reus bekommt nach seinem Interview-Ausraster unterstützung aus  Bremen. Werder-Profi Maximilian Eggestein zeigte großes Verständnis.

"Ich kann seinen Ärger nachvollziehen. Mentalität – das ist immer so leicht dahergesagt. Dabei sind die Probleme immer tiefer gehend", wird Eggestein von deichstube.de* zitiert.

Update, 16.35 Uhr: Nach dem Remis in Frankfurt und dem Ausraster von Marco Reus im Interview zum Thema Mentalität, gab es erste Zweifel am BVB-Kapitän. Erst schaltete sich Sportdirektor Michael Zorc ein, mittlerweile stellen sich auch Spieler von Borussia Dortmund hinter Reus.

"Captain!!!", schrieb Julian Weigl, der aktuell seinen Stammplatz in der BVB-Startelf eingebüßt hat, in seiner Instagram-Story, postete ein Herz dazu und ein Foto von sich mit Marco Reus. Andere BVB-Star zogen nach, so etwa auch Neuzugang Julian Brandt. Aber auch Marius Wolf, mittlerweile im Trikot von Hertha BSC unterwegs, zeigte seine Unterstützung für Marco Reus.

Kabinen-Problem beim BVB und fehlende Mentalität bei Reus? Zorc schützt seinen Kapitän

Update vom 24. September, 11.28 Uhr: Marco Reus wurde mit dem Thema Mentalität konfrontiert und rastete aus. Das lässt die Vermutung zu, dass der BVB ein Kabinen-Problem haben könnte. Oder noch schlimmer: Marco Reus erreicht als Kapitän nicht mehr die Mannschaft von Borussia Dortmund.

Sportdirektor Michael Zorc äußerte sich zu diesem Vorwurf gegenüber der Bild. "Marco Reus ist und bleibt selbstverständlich unser Mannschaftskapitän! Er muss in dieser Situation genau wie die anderen erfahrenen Spieler im Team Führungsstärke zeigen. Und ich bin sicher: Das wird er tun", sagte der BVB-Sportdirektor demnach mit Blick auf ein mögliches Kabinen-Problem.

Borussia Dortmund gerät derweil in eine endlose Mühle. Starke Leistung – Einbruch – geforderte Reaktion. Immer wieder von vorn. Der BVB muss daher jetzt schleunigst zusehen, dass er Konstanz reinbekommt. Sonst dürfte es bald tatsächlich zu einem Kabinen-Problem kommen. Die erste Möglichkeit dazu besteht am Samstag gegen den SV Werder Bremen (18.30 Uhr). Ömer Toprak will dabei sein Comeback gegen seinen Ex-Verein BVB feiern.

BVB in Frankfurt: Reus rastet im Interview aus – Sportpsychologe sieht Mentalitätsproblem

Update vom 23. September, 11.38 Uhr: Marco Reus ist in einem Interview nach dem Remis des BVB gegen Eintracht Frankfurt ausgerastet. Zugegeben, die Frage des Sky-Reporters war provokant, es ging um Mentalität. Aber Reus offenbarte damit auch etwas: Es brodelt bei Borussia Dortmund. Das ist gut, meint der Sportpsychologe und Mentaltrainer Matthias Herzog.

"Er ist einfach generell einer, der zu ruhig ist. Das sind alles Schön-Wetter-Spieler. Da kommt dann eine Lethargie rein, wenn keiner den Mund aufmacht und dazwischenhaut", sagt Mentaltrainer Herzog. Der Ausraster von Reus im Interview nach dem Frankfurt-Spiel sei daher als eine Art Weckruf zu verstehen. "Er ist Kapitän und es ist gut, dass er reagiert", so Herzog im Gespräch mit dieser Redaktion.

Allerdings erklärt das noch nicht, ob man Reus und dem BVB auch tatsächlich ein Mentalitätsproblem vorwerfen kann. EX-BVB-Coach Peter Bosz sagte unlängst dem Magazin 11Freunde, dass Mentalität immer dann einer Mannschaft abgesprochen werde, wenn man keine spielerische Erklärung für einen Punktverlust hätte. Sein Nachfolger bei Borussia Dortmund, Lucien Favre, zeigte eine ähnliche Reaktion im Interview nach dem Spiel in Frankfurt.

Reus rastet im Interview aus – Sportpsychologe erkennt Mentalitätsproblem beim BVB

Herzog sieht das anders. Er unterstellt Borussia Dortmund tatsächlich ein Problem mit der Mentalität in dieser Hinsicht. "Viele Spieler verstehen vielleicht nicht, dass man immer sein Bestes geben muss. Manche sind sich zu sicher, dass die drei Punkte auch sicher sind. Da muss man es aber durchziehen und den Gegner pulverisieren, damit der nächste Gegner Angst hat", erklärt der 42-Jährige. Reus zeigte mit seinem Interview-Ausraster in Frankfurt, dass er dazu in der Lage ist, seine Mannschaft wach zu rütteln. Das muss er aber auch auf dem Platz tun.

"Nach dem Spiel gegen Barcelona dachte man vielleicht, es reichen 60 oder 70 Prozent. Da darf man aber nicht wie ein angeschossenes Reh ängstlich über den Platz laufen", lautet das Urteil von Herzog. Die Reaktion von Reus kam zu spät. Im Interview ließ der seinen Emotionen freien Lauf – nicht aber auf dem Feld. "Wenn nicht mal ein Reus als Kapitän bereit ist, sich das einzugestehen, warum sollte es dann ein anderer Spieler machen?", fragt Herzog. 

Zudem könne Borussia Dortmund (noch) nicht mit dem Druck umgehen, meint der Mentaltrainer. Auch das würde der Ausraster von Reus im Interview offenbaren. "Beim BVB sind alle überragende Fußballer, aber es fehlt an Typen", meint Herzog. Mats Hummels – der gegen Frankfurt verletzt ausgewechselt werden musste – ist so ein Typ. "Aber nur für hinten. Der BVB bräuchte noch einen dominanten Anführer, der vorne vorangeht. Da muss man sich ja nur mal den Robert Lewandowski angucken beim FC Bayern München", sagte der Sportpsychologe. Der BVB wird sich also noch weiter mit der Mentalitätsdebatte beschäftigen müssen.

Heftige Kritik: Hat der BVB ein Mentalitätsproblem? Reus rastet aus, Favre winkt ab

Bericht vom 22. September, 21.26 Uhr: Frankfurt/Dortmund – Borussia Dortmund hat bei der SG Eintracht Frankfurt eine 2:1-Führung verspielt und am Ende nur einen Punkt aus der Main-Metropole mitgenommen. Nach dem Spiel musste sich BVB-Kapitän Marco Reus die Mentalitätsfrage stellen lassen und rastete aus im Interview.

"Das geht mir so auf die Eier mit euch. Mit eurer Mentalität-Scheiße", sagte Reus dem Sky-Reporter nach Abpfiff im Interview und stellte klar, was er von Mentalität hält. "Das 2:2 war ein Mentalität-Problem? Jede Woche immer dieselbe Kacke. Wir ziehen es einfach nicht durch. Das hat nichts mit Mentalität zu tun", so Reus. Kurz vor Schluss hatte Thomas Delaney einen Schuss unhaltbar abgefälscht bei einem missglückten Klärungsversuch (bei uns im Ticker zum Nachlesen). Für Reus war klar: "Da müssen wir einfach in den letzten fünf Minuten besser dagegen halten."

Live im TV: Marco Reus rastet im Interview nach Eintracht Frankfurt – Borussia Dortmund aus

"Natürlich sind wir enttäuscht. Wir hatten große Möglichkeiten, mehr Tore zu machen – vorallem in der ersten Halbzeit", sagte Coach Lucien Favre im Anschluss der Partie Eintracht Frankfurt – Borussia Dortmund auf der Pressekonferenz. Reus hatte zuvor bereits im Interview gesagt: "Wir müssen die Chancen nutzen und dann das 3:1 machen. Das Problem war halt ansonsten nur, dass wir das 2:1 nicht über die Bühne gebracht haben." Also doch kein Mentalitätsproblem beim BVB?

BVB wird mangelnde Mentalität vorgeworfen – Coach Favre winkt ab

Ein großes Wort ist es in der Tat. Für Favre bedeutet es auch etwas anderes, er winkte ab. "Das hat nichts mit Mentalität zu tun", sagte der Trainer von Borussia Dortmund ebenfalls bei Sky. Andere Dinge, "viele Details", hätten letztendlich zum Unentschieden und dem doppelten Punktverlust geführt.

Harschere Kritik gab es da hingegen von BVB-Sportdirektor Michael Zorc. "So keine Spitzenmannschaft", zitiert ihn die Funke Mediengruppe. "Seiner Ansicht nach hat die Mannschaft die Punkte in der ersten Halbzeit liegen lassen, weil sie gegen einen Gegner, der am Boden lag, nicht konsequent auf ein zweites Tor spielte", heißt es dort. Das wiederum zieht zumindest in Richtung Sieger-Mentalität aber. Der Wille, unbedingt zu gewinnen, scheint den Dortmundern zu fehlen.

Borussia Dortmund lässt Punkte bei Eintracht Frankfurt liegen – mehrere Gründe waren ausschlaggebend

Und ja: Borussia Dortmund hat gegen Eintracht Frankfurt Punkte liegengelassen. Nach einem ärgerlichen Eigentor von Thomas Delaney, der eigentlich eine gute Partie mit Axel Witsel auf der Doppelsechs abgeliefert hatte, in der Schlussphase. Das war aber nicht ausschlaggebend.

Der BVB legte sich zu Beginn der Partie die Dreierkette der SGE clever zurecht, kam über den Flügel und wollte dann hufeisenförmig durch die Mitte brechen – oder suchte direkt die Flanke.

Das funktionierte auch ganz gut. Aber Fußball ist eben nicht nur Angriff. Und hinten hatte der BVB zwischenzeitlich Schwierigkeiten. Ballverluste in der eigenen Hälfte, ungewohnte Unsicherheiten stellenweise. Das gab den hoch attackierenden Frankfurtern Möglichkeiten. Frech, wie man mit den SGE-Fans im Rücken eben auftreten sollte.

Nach Unentschieden bei Eintracht Frankfurt: Borussia Dortmund sieht sich Mentalitätsdebatte ausgesetzt

Zudem hatte der BVB Probleme im Mittelfeld, eine Schnittstelle fehlten. Die Lösung: Favre hätte eher Mario Götze in die Partie schmeißen können. Der holt sich als falsche Neun gerne den Ball in den Schnittstellen der Ketten ab, schafft so Räume – und ist technisch stark genug, um einen Ball zu halten unter Druck.

Am Ende fasste Favre allerdings das Spiel auch gut zusammen bei Sky. „Es waren viele Details“, sagte der akribische Schweizer. Und was man nicht vergessen darf: Der BVB holte einen Punkt. In Frankfurt. Es gab schon schlechtere Leistungen. Zumal in Mats Hummels auch noch der Abwehrchef verletzt ausgewechselt werden musste. Dennoch kommen jetzt schwierige Tage auf den Vizemeister zu. Man wird sich erneut mit dem Thema Mentalität und Titelrennen konfrontiert sehen – da macht es die Wahl von Jürgen Klopp zum Welttrainer nicht gerade einfacher. maho

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*deichtstube.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Quelle: wa.de

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