Borussia Dortmund

Trotz durchwachsener Vorbereitung beim BVB: Warum die Kritik an Julian Brandt nicht gerechtfertigt ist

Es ist ein schmaler Grat zwischen Genialität und Leichtsinn, den Julian Brandt walten lässt. Der Spieler von Borussia Dortmund stößt deshalb oft auf Kritik. Zu Unrecht.

  • Julian Brandt steht nach durchwachsener Vorbereitung beim BVB in der Kritik.
  • Einen Stammplatz bei Borussia Dortmund hat er sich noch nicht erarbeitet.
  • Brandt steckt in einem Dilemma. Das ist allerdings nicht allein seine Schuld.

Dortmund - Genialität oder Leichtsinn, Spektakel oder Risiko. Es ist der schmale Grat zwischen zwei Gegensätzen, der das Spiel von Julian Brandt auszeichnet. Eben deshalb wurde der 24-Jährige von seinem Nationalmannschaftskollegen Ilkay Gündogan scharf kritisiert. Und auch beim Anhang von Borussia Dortmund spalten sich die Geister über Julian Brandt.

NameJulian Brandt
Geboren2. Mai 1996 in Bremen
Größe1,85 m
Gewicht83 kg

Wieder einmal ging die deutsche Nationalmannschaft in der Nations League lediglich mit einem Remis vom Feld. Wieder einmal lag es nicht an überstarken Schweizern, sondern vielmehr am eigenen Versäumnis trotz spielerischer Überlegenheit, den berühmten Sack zu zu machen. Weil Julian Brandts riskanter finaler Pass auf den durchgestarteten Timo Werner nicht ankam. Gut gedacht, aber schlecht in die Praxis umgesetzt.

BVB: Warum die Kritik an Borussia Dortmunds Julian Brandt nicht gerechtfertigt ist

Eben jene Szene trieb Mitspieler Gündogan zur Weißglut. „Wenn du den Ball vorne hast, dann musst du ihn auch behaupten“, sagte er nach dem Abpfiff. Sicherlich: allein spielentscheidend war Brandts Fehlpass nicht. Doch spiegelt er genau das wider, weshalb Borussia Dortmunds Kreativspieler des Öfteren in der Kritik steht - nicht immer aus gutem Grund.

Denn: Julian Brandt ist eben nicht dieser Arbeiter auf dem Rasen, der den selben risikofreien Pass immer und immer wieder spielt. In der deutschen Nationalmannschaft gibt es genug davon. Und auch bei Borussia Dortmund zeichnen sich Emre Can, Axel Witsel, Thomas Delaney und nun auch Jude Bellingham als jene aus. Eben die, die dank vorhandener Körperlichkeit den Ball gewinnen und nach vorne treiben. Eben dort, wo Julian Brandt die Kugel übernehmen sollte - wenn er denn spielt. Oder dort eingesetzt wird.

Julian Brandt (BVB): Bei Borussia Dortmund und DFB den eigenen Stärken beraubt

Und darin liegt das Dilemma des Julian Brandt. Spielerische Freiheiten sind unter Lucien Favre und Joachim Löw begrenzt. Zu groß ist der Wunsch der Trainer nach totaler Kontrolle auf dem Rasen. Kreativität ist zwar erlaubt, diese allerdings erhält lediglich ein Jadon Sancho beim BVB oder ein Serge Gnabry in der Nationalmannschaft. Julian Brandt hingegen muss sich unterordnen. Er ist das kleine Zahnrad in einem Getriebe, seiner eigenen Stärke beraubt.

Zwischen Genialität und Wahnsinn: Julian Brandt und seine spielerischen Finessen.

„Ich war nie der Typ, der im Mittelfeld den Ball annimmt und ihn wenige Meter quer zum Mitspieler schiebt. Klar, das könnte ich auch so spielen, aber das wäre dann nicht ich“, sagte Brandt in einem Interview mit dem Kicker.

Schnelle Dribblings, überraschende Ballaktionen, Finten im Eins-gegen-Eins. Das Spiel des Julian Brandt wird (noch) nicht gerne gesehen. „Ich liebe es seit meiner Kindheit, ins Risiko zu gehen, den Ball durch enge Korridore zu spielen oder mich im Eins-gegen-eins durchzusetzen“, so Brandt.

Julian Brandt (BVB): Offensivspieler kann langfristig den Unterschied ausmachen

Viel zu oft musste der Offensivmann, der im vergangenen Sommer für 25 Millionen Euro aus Leverkusen nach Dortmund kam, in einer defensiveren Rolle bei Borussia Dortmund aushelfen. Auch, weil die Konkurrenz in der BVB-Offensive immens ist. Marco Reus, Giovanni Reyna, Thorgan Hazard und nicht zuletzt Jadon Sancho streiten sich mit ihm um die begehrten Plätze hinter und neben Stürmer Erling Haaland.

Es liegt nun an Julian Brandt, an seinen Schwächen zu arbeiten. Körperlichkeit dazu zu gewinnen, zwischen Risiko und Vernunft abzuwägen, bessere Entscheidungen zu treffen. Gelingt ihm das, könnte er beim BVB Woche für Woche zum Unterschiedsspieler reifen.

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Eins ist klar: Der Fußball lebt von der Unberechenbarkeit, von Momenten, die die Zuschauer auf den Rängen zum Staunen bringen. Julian Brandt ist einer dieser Spieler, dem das gelingt. Es wäre ein Fiasko, würde sich der 24-Jährige von der Kritik vieler unterbuttern lassen und zu einem Akteur werden, der wöchentlich Routine statt Spektakel auf dem Rasen walten lässt. Denn davon gibt es mittlerweile zu viele.

Rubriklistenbild: © picture alliance/David Inderlied/dpa

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