Reaktionen der Staatschefs auf Barcelona

Wut auf „Feiglinge“ - und der Ruf nach einer weltweiten Allianz

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Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy bei einer Besprechung nach dem verheerenden Anschlag

Nach dem Terroranschlag von Barcelona teilen Staatschefs aus aller Welt ihr Mitgefühl - aus Teheran und Moskau wurde auch der Ruf nach einer weltweiten Anti-Terror-Allianz laut.

Berlin/Paris - Mitgefühl, Solidaritätsbekundungen - und, von mehreren Seiten, das Angebot von weltweiten Allianzen gegen den Terror: So haben die Staatschefs und Regierungen am Donnerstagabend und Freitagmorgen auf den Terror von Barcelona reagiert. Für Irritationen sorgte allerdings einmal mehr die Reaktion von US-Präsident Donald Trump.

Deutschland reagierte nach dem Anschlag noch am Donnerstag. Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelte der spanischen Regierung ihr Beileid. Deutschland sei „dem spanischen Volk in dieser schweren Stunde eng verbunden“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstagabend im Namen Merkels auf Twitter.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy beriet sich unterdessen vor Ort mit hochrangigen Vertretern des Sicherheitsapparats. Er kündigte bei einer Pressekonferenz einen Pakt gegen den Terrorismus an. „Es ist eine globale Bedrohung und die Antwort muss global sein“, sagte er laut der Zeitung „La Vanguardia“. Die Regierung rief drei Trauertage aus.

Frankreich bezeichnete den Anschlag von Barcelona als „neuen und entsetzlichen Angriff gegen unsere freien Gesellschaften“. Er habe das „Herz eines Ortes voller Leben und Jugend“ getroffen, teilte der Élyséepalast am Donnerstagabend auf Spanisch mit. Präsident Emmanuel Macron drücke allen Opfern und ihren Angehörigen sein Bedauern aus. „Frankreich bekundet sein ehrliches Mitleid und seine volle Solidarität mit Barcelona und ganz Spanien“, hieß es weiter. Frankreich beteilige sich an der Seite Spaniens mit absoluter Entschlossenheit am Kampf gegen den Terrorismus.

Trump vergreift sich im Ton - Pence findet angemessene Worte

US-Präsident Donald Trump sorgte hingegen für einige Empörung - er legte nahe, für den Kampf gegen Terrorismus die Methoden von General John Pershing zu studieren. Der - unbewiesenen und falschen - Legende nach soll Pershing auf den Philippinen 50 muslimische Gefangene mit Projektilen exekutiert haben, die er zuvor in Schweineblut getaucht hatte. Mit dem Blut der für gläubige Moslems unreinen Tiere sei ihnen der Weg ins Paradies versperrt gewesen. Trump: „Danach gab es 35 Jahre keinen islamistischen Terror mehr!“

In zahlreichen Reaktionen auf Trumps Tweet hieß es in US-Medien am Donnerstag, während die Welt noch um die Toten trauere, verweise der Präsident der Vereinigten Staaten auf eine Lüge, in der die Exekution Gefangener glorifiziert werde.

Staatsmännischere Worte fand Trumps Stellvertreter. „Die Vereinigten Staaten sind bereit, dem spanischen Volk dabei zu helfen, die Verantwortlichen zu finden und zu bestrafen“, sagte US-Vizepräsident Mike Pence am Donnerstag bei einem Besuch in Panama. „Unsere Gebete gelten den Opfern, ihren Familien und dem guten Volk von Spanien.“

Russland und Iran für weltweite Zusammenarbeit

Kremlchef Wladimir Putin bekräftigte die Bereitschaft zum gemeinsamen Kampf gegen den Terror. „Der Vorfall bestätigt einmal mehr die Notwenigkeit, dass die gesamten Weltengemeinschaft sich im kompromisslosen Kampf gegen die Kräfte des Terrors vereinigen muss“, schrieb der russische Präsident an den spanischen König Felipe VI. „Wir verurteilen entschieden dieses brutale und zynische Verbrechen gegen friedliche Bürger.“

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Der Iran sprach von einem „entsetzliches Verbrechen“. Der Terror kenne schon lange keine Grenzen mehr und müsse daher auch global gelöst werden, sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi am Freitag. Dementsprechend sollten laut Ghassemi alle Länder ihre politischen Differenzen beiseitelassen und ihre Priorität auf den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fokussieren. Als eines der Opfer des IS-Terrors sei der Iran bereit, bei solch einer globalen Initiative mitzuwirken, so der Sprecher in einer Presseerklärung.

Polen nennt Täter „Feiglinge“

Polens Regierung hat die Angriffe von Terroristen in den spanischen Städten Barcelona und Cambrils scharf verurteilt. „Wir verurteilen entschieden Angriffe, die bewusst gegen wehrlose Menschen, darunter Kinder, gerichtet sind“, teilte das Außenministerium in Warschau am Freitag mit und sprach dem spanischen Volk sein Beileid aus. Die Täter nannte das Ministerium „Feiglinge, die sich falsche höhere Ziele zuschreiben“ würden.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau zeigte sich bestürzt. „Spanien, wir trauern mit dir und verurteilen Hass und Gewalt in all ihren Formen“, teilte Trudeau nach der Attacke auf der Flaniermeile Las Ramblas mit mindestens 13 Toten am Donnerstag mit. „Obwohl wir unsere Empörung nicht ignorieren können, müssen wir den Frieden in Gesellschaften, die Einheit, Offenheit und Inklusion fördern, gemeinsam mit neuem Einsatz schützen.“

Papst und EU-Kommission übermitteln Solidarität

Papst Franziskus drückte den Opfern seine Anteilnahme aus. Franziskus verfolge mit „großer Sorge“, was in Barcelona passiere, erklärte Vatikan-Sprecher Greg Burke am Donnerstagabend. „Der Papst betet für die Opfer dieses Attentates und möchte dem ganzen spanischen Volk seine Nähe ausdrücken, besonders den Verletzten und den Familien der Opfer.“

Vor dem Sitz der EU-Kommission in Brüssel sind am Freitag die Fahnen auf halbmast gesetzt worden. „Wir stehen an der Seite der Menschen in Barcelona und Spanien“, schrieb das Team von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Freitagmorgen in einer Twitter-Nachricht.

dpa/AFP/fn

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