Komasaufen bei jungen Menschen nimmt zu

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Bei den 12-17-Jährigen ist der Alkoholkonsum zurück gegangen.

Berlin - Saufen, bis der Arzt kommt! Der Anteil der unter 25-Jährigen, die sich regelmäßig maßlos betrinken, ist weiter gestiegen. Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer, was den Drogenkonsum Jugendlicher angeht.

Studie der BZgA als Download

Erstmals seit Jahren besaufen sich junge Erwachsene wieder häufiger bis zum Umfallen. Mindestens viermal im Monat tranken sich vergangenes Jahr rund 13 Prozent der 18- bis 25-Jährigen in einen Rausch - nach 12 Prozent im Jahr 2010. Mindestens einmal im Monat betranken sich in dieser Altersgruppe 42 Prozent - ein Plus von drei Punkten. “Wir müssen sehr darauf achten, dass es nicht zu einer Trendwende kommt“, sagte die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans bei der Vorstellung der jüngsten Zahlen in Berlin. Positiv: Immer weniger junge Leute rauchen.

Besonders problematisch ist riskanter Alkoholkonsum bei jungen Männern: Mehr als die Hälfte zwischen 18 und 25 besäuft sich einmal im Monat oder häufiger bis zum Umfallen - es gab ein Plus von fünf Punkten auf 55 Prozent. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hatte 5001 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt.

Auch der regelmäßige, darunter auch mäßige Alkoholkonsum nahm zu - bei den 12- bis 17-Jährigen um mehr als einen Punkt auf 14 Prozent, bei den jungen Erwachsenen sogar um mehr als fünf Punkte auf knapp 40 Prozent. Bei den Jugendlichen sank aber der Anteil derer, die sich mindestens einmal im Monat betrinken, auf 15 Prozent.

"Wir haben insgesamt eine positive Entwicklung zu weniger Suchtmittelkonsum“, stellte Dyckmans heraus. Damit beschrieb sie die überwiegenden langjährigen Trends. So ist die Raucherquote unter den Jugendlichen bis 17 Jahren auf einen neuen Tiefstand gesunken: auf 12 Prozent von 28 Prozent zehn Jahre zuvor. Auch die Raucherquote unter Erwachsenen bis 25 ging in dieser Zeit von 45 auf 37 Prozent zurück.

Eigentlich ist der Verkauf von Schnaps an Minderjährige und der Verkauf von Bier und Wein an junge Leute unter 16 verboten. Ein generelles nächtliches Verkaufsverbot etwa in Tankstellen, wo sich junge Leute oft eindecken, gibt es bisher nur in Baden-Württemberg. Dyckmans wollte sich nicht festlegen, ob sie für oder gegen solche Verbote auch in anderen Ländern ist. Die FDP-Politikerin sagte, sie sei gespannt, was bei der derzeitig laufenden Auswertung des seit März 2010 geltenden Verbots im Südwesten herauskomme.

Pott fordert weitere Mittel

Beim Kiffen gibt es ein gemischtes Bild. 2011 gaben 7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen an, schon einmal Cannabis konsumiert zu haben. Das sind weniger als halb so viele wie 2004, als es einen Spitzenwert gab. Unter jungen Erwachsenen ging der Wert nur schwach zurück: Zwei von fünf haben schon einmal Hasch oder Marihuana genommen.

BZgA-Chefin Elisabeth Pott und Dyckmans führten die Rückgänge auf erfolgreiche Prävention zurück. Pott forderte aber mehr Geld für verstärkte Vorbeugung bei jungen Erwachsenen: “Wenn wir weitere Schwerpunkte bilden wollen, brauchen wir auch weitere Mittel.“

Der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann, forderte schärfere Gesetze gegen Alkoholwerbung, eine höhere Besteuerung sowie stärkere Sanktionen, wenn an Jugendliche Alkohol verkauft wird. “An der Zigarettenpolitik der vergangenen Jahre sehen wir, wie man wirkliche Effekte erzielt“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Pott kündigte verstärkte Aufklärung junger Erwachsener in der Party-Szene an. Man müsse die alterstypische Ansprache der Betroffenen weiter verstärken, forderte Dyckmans.

dpa

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