Flüchtlingsjunge Aylan

Vater des toten Jungen: "Meine Kinder rutschten mir aus den Händen"

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Einige Medien zeigten das Bild des toten Jungen, andere entschieden sich dagegen.

Bodrum - Der Vater des tot am Strand von Bodrum aufgefundenen syrischen Flüchtlingsjungen hat sich zu der Tragödie geäußert. Auch die Fotografin spricht: "Mir gefror das Blut in den Adern".

Am Freitag, 18. September, kam es an der Küste der Türkei erneut zu einer tragischen Entdeckung: Das Meer hat in der Nähe des Ortes Cesme die Leiche eines vierjährigen Mädchens angespült.

Es ist der verzweifelte Bericht eines Vaters, der seine zwei Kinder und seine Frau verloren hat. Das Foto des kleinen Aylan angespült am Strand hat am Donnertag in Europa für tiefes Entsetzen gesorgt. "Meine Kinder rutschten mir aus den Händen", berichtete Vater Abdallah Schenu der türkischen Nachrichtenagentur Dogan von dem nächtlichen Drama auf dem Mittelmeer. Das von seiner Familie genutzte Flüchtlingsboot sei am Mittwoch auf dem Weg nach Griechenland vor der türkischen Küste plötzlich umgestürzt, weil einige Insassen aufgestanden seien. "Es war dunkel, und alle schrien. Deshalb haben meine Frau und meine Kinder meine Stimme nicht gehört", sagte Schenu.

Dem aus der nordsyrischen Kurdenstadt Kobane stammenden Mann gelang es nach eigenen Angaben, an die Küste nahe dem Ferienort Bodrum zu schwimmen. Sein dreijähriger Sohn Aylan, dessen Foto am Donnerstag die Welt erschütterte, kam ebenso ums Leben wie dessen fünfjähriger Bruder Galip und ihre 27-jährige Mutter Rihanna.

Das Foto von Aylan zeigt die Leiche des Jungen, die mit dem Gesicht im Sand an einem Strand nahe dem Ferienort Bodrum gefunden wurde. Ein junger Polizist nahm den toten Jungen in die Arme und trug ihn davon. Auf einem Foto ist zu sehen, wie der Beamte den Kopf zur Seite dreht, als könne er den Anblick der Kinderleiche nicht ertragen.

Fotografin: "Ich konnte nichts für ihn tun"

Die türkische Fotografin Nilüfer Demir hat die Bilder des toten Jungen geschossen. "Als ich den dreijährigen Aylan Kurdi gesehen habe, gefror mir wirklich das Blut in den Adern", sagte sie am Donnerstag. "In dem Moment war nichts mehr zu machen. Er lag mit seinem roten T-Shirt und seinen blauen Shorts, halb bis zum Bauch hochgerutscht, leblos am Boden. Ich konnte nichts für ihn tun. Das einzige, was ich tun konnte, war, seinem Schrei - dem Schrei seines am Boden liegenden Körpers - Gehör zu verschaffen. Ich dachte, das könnte ich nur schaffen, indem ich den Abzug betätigte. Und in diesem Moment habe ich das Foto geschossen. Hundert Meter weiter lag sein Bruder Galip am Boden. Ich bin danach zu ihm gegangen. Auch sein T-Shirt war hochgerutscht. Bei keinem von beiden, auch nicht bei der 150 Meter weiter von Galip entfernt liegenden (Mutter) Rehan konnte man Schwimmwesten, Schwimmflügel oder etwas, was sie über Wasser hätte halten können, vorfinden."

AFP/dpa

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