Militäroffensive abgewendet?

Türkei und USA einigen sich auf "Friedenszone" in Nordsyrien

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Ein Panzer der türkischen Armee steht im Norden Syriens. Die USA seien bereit, einen "einseitigen Einmarsch" der Türkei zu verhindern. Foto: XinHua

Drei Tage haben die Türkei und die USA über die Lage im Norden Syriens beraten. Jetzt gibt es eine Einigung - die auch die Rückkehr von Flüchtlingen umfasst.

Istanbul (dpa) - Nach drei Tagen sind Verhandlungen zwischen türkischen und US-Militärs über die Einrichtung einer sogenannten Sicherheitszone in Nordsyrien mit einer vage gehaltenen Einigung zu Ende gegangen.

In einem sowohl vom Verteidigungsministerium in Ankara als auch von der US-Botschaft veröffentlichten kurzen Dokument hieß es am frühen Mittwochabend, man werde so bald wie möglich in der Türkei gemeinsam ein "Operationszentrum" für die Einrichtung der Zone aufbauen. Die wird in dem Dokument "Friedenszone" genannt. Syrische Flüchtlinge sollen dorthin zurückkehren können.

Mit der Einigung dürfte vorerst eine von Präsident Recep Tayyip Erdogan jüngst mehrfach angedrohte weitere Militäroffensive in Nordsyrien abgewendet sein.

Man habe sich außerdem auf schnelle erste Maßnahmen zur Befriedigung der "türkischen Sicherheitsbedenken" geeinigt, hieß es weiter. Wie genau die aussehen sollen, blieb unklar.

Die Türkei wünscht sich entlang der türkisch-syrischen Grenze ein Gebiet unter ihrer alleinigen Kontrolle, aus dem sich kurdische Truppen zurückziehen sollen. Die Gegend wird bisher von der Kurdenmiliz YPG kontrolliert. Ankara sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Für die USA ist die YPG dagegen ein wichtiger Partner im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Sie wollen einen Angriff auf die Verbündeten verhindern.

Nach türkischen Wünschen sollte die Zone um die 30 Kilometer tief sein und sich ab dem Euphrat gen Osten die gesamte Grenzlinie entlangziehen. US-Medienberichten zufolge hatten die USA eine schmalere Zone vorgeschlagen. Details über die Größe der zukünftigen Zone oder ihre Kontrolle gab es am Mittwoch nicht. Auch zur von der Türkei geforderten Entwaffnung der YPG gab es keine Ergebnisse.

Die Türkei ist schon zweimal auf syrisches Gebiet vorgerückt, beide Male westlich des Euphrat. 2016 hatte sie mit der Offensive "Schutzschild Euphrat" beim syrischen Ort Dscharabulus den IS von der Grenze vertrieben, aber auch die YPG bekämpft. Anfang 2018 hatten von der türkischen Armee unterstützte Rebellen in einer Offensive gegen die YPG die kurdisch geprägte Grenzregion Afrin eingenommen.

Video mit Akars Bemerkungen auf Seite des Verteidigungsministeriums

Stellungnahme US-Botschaft

Stellungnahme türkisches Verteidigungsministerium

Unter dem Vorwurf der Verbindungen zu Terroristen hat die Regierung um Präsident Erdogan nun drei pro-kurdische Bürgermeister abgesetzt. Derweil eskaliert der Konflikt in Syrien.

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