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Sie kann hinter Hügel fliegen: Neue US-Waffe könnte Russland-Offensive in der Ukraine stoppen

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Von: Patrick Mayer

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Ein Mehrfachraketenwerfer vom Typ HIMARS bei einer Übung der US-Streitkräfte in Alaska. (Symbolfoto)
Ein Mehrfachraketenwerfer vom Typ HIMARS bei einer Übung der US-Streitkräfte in Alaska. (Symbolfoto) © IMAGO/U.S. Air Force

Die USA liefern der Ukraine im Kampf gegen die russische Armee ein neuartiges Raketensystem. Dieses könnte für das Moskau-Regime zum Problem werden.

München/Washington/Kiew - Angeblich steht im Ukraine-Krieg noch im Februar eine russische Großoffensive bevor. Das erklärte der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow zuletzt.

Ukraine-Krieg: Russische Großoffensive wird im Frühjahr erwartet

Angesichts des näher rückenden Jahrestags (24. Februar) des russischen Einmarschs in die Ukraine hatte auch Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einer „symbolhaften Aktion“ der Besatzer gewarnt. Dazu gebe es zahlreiche Hinweise, erklärte Selenskyj am Sonntagabend (5. Februar) in seiner täglichen Videoansprache. Russland wolle sich für die Niederlagen des vergangenen Jahres rächen, meinte der Regierungschef: „Wir stellen fest, dass der Druck auf verschiedene Frontbereiche und auch im Informationsbereich zugenommen hat.“

Gleichzeitig erwarten namentlich nicht genannte US-Insider laut dem Magazin Bloomberg eine „entscheidende Donbass-Offensive“. Wie kann die ukrainische Armee dem standhalten? Indem sie die russischen Truppen kurzerhand zu einem Strategiewechsel zwingt? Weil sie die Versorgungslinien mittels Artillerie unterbricht?

Im Video: Kompakt - Die wichtigsten News zum Russland-Ukraine-Krieg

Liefern die USA der ukrainischen Armee GLSDB-Raketen?

Indiz dafür könnte eine angebliche Waffenlieferung der USA an Kiew sein, von der Reuters berichtet. Konkret: Laut dem Nachrichtenmagazin wollen die Vereinigten Staaten den ukrainischen Streitkräften jetzt auch die Ground Launched Small Diameter Bomb (GLSDB) zur Verfügung stellen.

Dies würde es dem ukrainischen Militär ermöglichen, Ziele in doppelter Entfernung zu treffen als mit den konventionellen Raketen des High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS). Diese Raketen fliegen bis zu 80 Kilometer weit. Im Donbass tobt ein erbarmungsloser Kampf mit Artillerie-Bombardements beider Seiten, was - ebenfalls auf beiden Seiten - vielen Soldaten das Leben kostet.

Im Video: Wie die Ground Launched Small Diameter Bomb (GLSDB) funktioniert

Laut dem Nachrichtensender Al Jazeera English wären die GLSDB-Raketen dagegen in der Lage, auch in einer Entfernung von 94 Meilen (151 Kilometer) sogenannte „schwer erreichbare Ziele“ wie Bunkeranlagen und Kommandostände zu treffen. Dies würde es der ukrainischen Armee ermöglichen, Versorgungs- und Kommunikationswege der russischen Armee im Osten der Ukraine gezielt zu kappen sowie selbst potenzielle Ziele auf der besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim anzugreifen. Russland müsste Waffendepots und Flugfelder dann weiter von der Front wegbringen.

HIMARS und MARS: Ukrainische Armee setzt russischen Truppen mit Raketenwerfern zu

„Dies könnte (eine russische Offensive, d. Red.) erheblich verlangsamen“, erklärte laut dem Sender Andriy Zagorodnyuk, der ehemalige Verteidigungsminister der Ukraine: „So wie HIMARS den Lauf der Ereignisse maßgeblich beeinflusst hat, könnten diese Raketen den Lauf der Ereignisse noch mehr beeinflussen.“

Was er meint: Die ukrainische Armee hatte im Sommer mithilfe von Mehrfachraketenwerfern HIMARS aus den USA und MARS-Systemen aus Deutschland (fünf Exemplare) die Städte Sjewjerodonezk sowie Lyssytschansk in der Oblast Luhansk sowie die Großstadt Cherson im Süden des Landes zurückerobert. Gerade der weitläufige Donbass mit seinen flachen Ebenen macht den Einsatz der Raketenwerfer über große Distanzen bedeutend. Ein Effekt, der sich durch die neuartige Rakete nochmals steigern würde? Die GLSDB wird seit 2015 vom amerikanischen Unternehmen Boeing in Kooperation mit der schwedischen Saab Group getestet und mittlerweile produziert. Laut Reuters sei eine Auslieferung noch im Frühjahr möglich.

Die GLSDB ist eine GPS-gesteuerte Gleitbombe, die nach dem Abschuss manövrieren kann, um noch unmittelbar in verwinkelte Ziele wie Höhleneingänge oder Schützengräben gelenkt zu werden. Die Rakete kombiniert die GBU-39 Small Diameter Bomb (SDB) mit dem M26-Raketenmotor, beides sind übliche amerikanische Waffensysteme, die in US-Inventaren bereitliegen. Laut Website von Saab kann die Bombe/Rakete elektronische Störungen überwinden, ist bei allen Wetterbedingungen einsetzbar und kann auch gegen gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt werden. Die GBU-39, der Gefechtskopf der GLSDB, hat kleine, faltbare Flügel, die es der Rakete laut Reuters ermöglichen, bei der Zielsuche mehr als 100 Kilometer weit zu gleiten.

GLSDB: Neue Rakete ist wohl vom High-Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) einsetzbar

Laut dem Nachrichtenmagazin Forbes kann die GLSDB vom bodengestützten Raketensystem High-Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) des US-amerikanischen Rüstungsherstellers Lockheed Martin abgeschossen werden. Die abgefeuerte Rakete könne sogar hinter Hügel fliegen, schreibt Forbes.

Die Vereinigten Staaten hatten der Ukraine dem Bericht zufolge in den vergangenen Monaten bis zu 38 HIMARS-Raketenwerfer geliefert, hinzukamen 13 Multiple-Launch Rocket Systems (MARS) aus Großbritannien und Deutschland, die die dieselben Raketen abfeuern können wie HIMARS. (pm)

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