Trump vs. Biden

US-Wahl 2020: Iran spottet - „So sehen Wahlen und die Demokratie in den USA aus“

Die US-Wahl 2020 am 3. November wird weltweit mit Spannung verfolgt: Wie reagieren Mitteleuropa, Russland, Lateinamerika & Co. auf das Ergebnis und die Folgen?

Update vom 5. November, 15.20 Uhr: Die noch immer anhaltende Unsicherheit über den Ausgang der US-Wahlen und die Aussicht auf eine dauerhaft gespaltene USA entwickeln sich aktuell zu einem Weckruf für Europa. Die Stimmen nach mehr europäischer Souveränität werden lauter. Für Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian sei die Rückkehr „zu den guten alten Zeiten der transatlantischen Beziehungen“ vor Donald Trump nicht mehr möglich - auch, wenn Joe Biden das Duell um das Weiße Haus für sich entscheidet.

Markus Kaim von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) führt zwar an, dass es unter Biden wieder „eine stärkere Hinwendung zu Allianzen und Bündnissen gibt“ - wie das Pariser Klimaabkommen oder ein Wiedereinstieg in das Atomabkommen mit dem Iran. Doch gleichzeitig wächst in Deutschland die Erkenntnis, dass sich das Verhältnis zu den USA im Wandel befindet. „Gerade im Hinblick auf die Entwicklungen der Vereinigten Staaten in der internationalen Politik“ gebe es „allen Grund darauf zu bestehen, dass Europa seine eigene Kraft entfaltet“, sagt Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz.

Iran reagiert auf US-Wahl: Oberster Geistlicher spottet auf Twitter über Vereinigte Staaten

Update vom 5. November, 14.30 Uhr: Das geistliche Oberhaupt des Irans hat sich spöttisch über die US-Wahl geäußert. Ayatollah Ali Chamenei schrieb in der Nacht zu Donnerstag auf Twitter: „Was für ein Spektakel!“. „So sehen Wahlen und die Demokratie in den USA aus“, sagte Chamenei.

Die Vorgeschichte ist, dass die USA im Februar den Ablauf der Parlamentswahlen im Iran kritisiert hatten. Nachdem zahlreiche gemäßigte Kandidaten bei der Wahl ausgeschlossen wurden, kündigte die US-Regierung Sanktionen gegen die Verantwortlichen an. Washington werde eine „Manipulation“ der Wahl im Iran nicht akzeptieren, betonte Finanzminister Steven Mnuchin. Seit Jahrzehnten stehen sich die USA und der Iran feindselig gegenüber - unter Trump haben sich die Spannungen verstärkt.

Internationale Reaktionen zur US-Wahl: Manfred Weber fordert mehr Souveränität

Update vom 5. November, 10.10 Uhr: Der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament, Manfred Weber, wirbt angesichts des weiterhin ungewissen Wahlausgangs in den USA für Geschlossenheit in Europa. Weber (CSU) sagte am Donnerstag im ZDF-“Morgenmagazin“:  „Wir müssen selbstbewusst sein und nicht immer nur nach Amerika blicken, sondern unser eigenes Schicksal selbst in die Hand nehmen.“ Europa müsse Souveränität und Autonomie entwickeln.

Weiterhin sprach Weber von „schweren Stunden für die Demokratie“, angesichts der Ankündigung des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, die laufenden Stimmauszählungen durch den Gang bis vor den Supreme Court unterbinden lassen zu wollen. Er hoffe auf das Funktionieren der US-amerikanischen Institutionen und „dass am Schluss jede Stimme zählt und das Ergebnis respektiert und anerkannt wird“.

Europa wünsche sich „einen Partner“, berichtet die Nachrichtenagentur AP weiter. „Wir brauchen jemanden im Weißen Haus, mit dem wir einfach schlicht reden können über Klimaschutz, über die Frage, wie wir mit Russland und dem Iran umgehen, über die Fragestellung, wie wir in der Welt von morgen unsere Handelsbeziehungen organisieren“, sagte Weber.

Reaktionen aus Europa zur US-Wahl: Grünen-Politiker und Weber fordern mehr Eigenverantwortung

Unabhängig des Wahlausgangs werde Europa weiterhin mit den USA zusammenarbeiten müsse. Europa müsse allerdings Geschlossenheit zeigen. „Wir werden in der Welt von morgen mehr Verantwortung übernehmen müssen“, sagte Weber. Nötig sei unter anderem, eine „eigenständige militärische Komponente“ aufzubauen. Zudem müsse Europa in der digitalen Welt seine gemeinsamen Werte durchsetzen.

Auch die Grünen fordern mehr Eigenverantwortung in Europa. „Diese Wahl sollte der letzte Weckruf sein, nicht nur für uns in Deutschland, sondern für uns in Europa, dass wir auf eigenen Beinen stehen müssen“, sagte Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour am Donnerstag gegenüber RTL und n-tv. Das gelte auch bei einem Wahlsieg des demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden.

Nouripour sagte in der Sendung „Frühstart, dass Europa zusammenstehen müsste, „um im Zweifelsfall auch ohne die Amerikaner Außen- und Sicherheitspolitik zu machen.“ Auch wenn Biden den Sieg erringe, sei davon auszugehen, dass „nach diesem knappen Rennen und nach dieser massiven Polarisierung in den Vereinigten Staaten sich Biden massiv um die sozialen Verwerfungen im eigenen Land kümmern muss“.

Europa zur US-Wahl 2020: Dennoch „ein schwacher Sieg“

Ebenfalls zu Wort meldete sich der Grünen-Europapolitiker Reinhard Bütikofer. „Das wäre ein lang erhoffter, aber insgesamt betrachtet ein schwacher Sieg,“ sagte er zu dem sich andeutenden Erfolg von Joe Biden. „Ich glaube wir müssen uns von einer Haltung freimachen, die so tut, als läge die Entwicklung des transatlantischen Verhältnisses nur daran, was in den USA passiert. Es ist schon auch unsere Aufgabe dieses Verhältnis zu gestalten“, äußerte er sich in dem Sendern RTL und n-tv.

„Wenn Biden gewinnen würde, kann sich Europa nicht zurücklehnen und sagen: Jetzt sollen die Amis mal kommen und vernünftige Vorschläge machen“, sagte Bütikofer. Sollte sich Trump doch durchsetzen, sei nicht auszuschließen, dass er in einer zweiten Amtszeit in den Bereichen Wirtschafts-, Verteidigungs- oder Klimapolitik sogar „noch irrationaler“ handeln würde.

US-Wahl 2020: Reaktionen aus Europa: Rechtsnationaler Politiker gratuliert Trump

Update vom 4. November, 11.12 Uhr: Der slowenische Ministerpräsident Janez Jansa hat US-Präsident Donald Trump schon jetzt zum möglichen Sieg bei der Präsidentschaftswahl gratuliert. „Es ist ziemlich klar, dass das amerikanische Volk Donald Trump und (Vize-Präsident) Mike Pence für weitere vier Jahre gewählt hat“, schrieb der rechtsnationale Politiker auf Twitter. Verzögerungen und „Faktenleugnungen“ aufseiten der Mainstream-Medien würden den Triumph des US-Präsidenten nur verstärken. Ein Ergebnis steht allerdings offiziell noch lange nicht fest.

Jansa, der seit März in der Heimat von Trumps Ehefrau Melania regiert, ist ein enger Verbündeter des EU-kritischen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Beide Politiker haben sich in der Vergangenheit stets positiv über Trump und seine Präsidentschaft geäußert.

US-Wahl 2020: Noch steht kein Ergebnis fest

Update vom 4. November, 5.50 Uhr: In fast alles US-Bundesstaaten sind nun die Wahllokale geschlossen. Hier die drei wichtigsten Nachrichten aus der Wahlnacht.

Update vom 4. November, 5.14 Uhr: Florida* ist einer der Staaten, bei denen im Vorfeld der Wahl nicht klar war, wer die Wahlleute aus diesem US-Bundesstaat gewinnen wird. Mittlerweile sind 94 Prozent der Stimmen ausgezählt und Donald Trump liegt mit 51 Prozent zu 48 Prozent vorn. Einige Republikaner und auch Trumps Pressesprecherin Kayleigh McEnany fordern, dass Florida offiziell an den derzeitigen Präsidenten geht und er dort als Sieger ausgerufen wird.

Für den Demokraten Joe Biden ist die mögliche Niederlage ein herber Rückschlag. Zuletzt trat auch Ex-Präsident Barack Obama mehrfach in dem US-Bundesstaat auf, um möglichst viele Wähler zu motivieren. Alle weiteren entscheidenden Entwicklungen zu den Wahlergebnissen finden Sie hier auf Merkur.de.

US-Wahl 2020: Empfehlung an Jair Bolsonaro, einem Sieger nicht zu früh zu gratulieren

Update vom 4. November, 3.16 Uhr: Wann werden die Regierungschefs der Welt auf ein Ergebnis der US-Wahl reagieren? Manche Wahlbeobachter befürchten, dass Donald Trump sich unter Umständen zum Sieger ausrufen könnte, noch bevor es ein offizielles Wahlergebnis gibt, da die vielen Briefwahl-Ergebnisse nicht so schnell ausgezählt werden können. Berater des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro haben ihm geraten, nicht auf persönliche Ausrufe von Joe Biden oder Donald Trump zu reagieren, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei anonyme Quellen. „Die Empfehlung ist, nichts zu sagen, bis wir ein endgültiges Ergebnis haben“, heißt es da. Halten sich alle an diese Empfehlung, könnte es also noch dauern, bis sich die Staatschefs offiziell äußern.

Update vom 3. November, 22.26 Uhr: Beobachter vermuten, dass der Iran auf einen Sieg Joe Bidens setzt. Denn immerhin hatte Donald Trump mit dem Ausstieg aus dem Atomabkommen und der Verhängung von Sanktionen den Iran in eine schlimme Wirtschaftskrise gestürzt. Doch Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, gibt an, dass der Ausgang der Wahl für den Iran gleichgültig sei: „Die Politik des Irans im Zusammenhang mit den USA ist vorkalkuliert und klar ... wer auch immer in den USA Präsident werden sollte, wird diese Politik nicht beeinflussen“, sagte er am Dienstag im iranischen Staatsfernsehen.

US-Wahl 2020: Befürworter für Biden in Europa und Südamerika

Update vom 3. November, 13.34 Uhr: Die US-Präsidentschaftswahl wird auf der ganzen Welt mit großem Interesse verfolgt. Der Ausgang der Wahl wird auch einen großen Einfluss auf die internationalen Beziehungen haben. Wir versorgen Sie hier mit den neusten Reaktionen der wichtigsten Staatsoberhäupter. Vor allem in Südamerika und Europa hat Joe Biden viele Befürworter, Russland scheint wohl auf eine weitere Amtszeit von Donald Trump zu setzten.

US-Wahl 2020: Was macht Putin? Die weltweiten Reaktionen auf den Wahltag

Erstmeldung vom 30. Oktober 2020:

Washington - Schon jetzt ist klar: Der Ausgang der US-Wahl wird hohe Wellen schlagen. Egal, ob Joe Biden oder doch Donald Trump gewinnt. Die politische Bedeutung des Präsidentensamtes* ist enorm, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits vor vier Jahren deutlich machte: „Wer dieses große Land regiert, mit seiner gewaltigen wirtschaftlichen Stärke, seinem militärischen Potenzial, seiner kulturellen Prägekraft, der trägt Verantwortung, die beinahe überall auf der Welt zu spüren ist.“

US-Wahl 2020: Lateinamerika im Fokus - Mexiko und Kuba pro Biden?

In puncto Wahlausgang scheinen viele Länder einen klaren Favoriten zu haben. Lateinamerika beispielsweise kann es eigentlich nur recht sein, wenn Trump als Präsident abgelöst wird. Für die Bevölkerung vor Ort interessierte sich der Republikaner* in den vergangenen Jahren nämlich kaum. Im Gegenteil, er verschärfte sogar die Restriktionen. Das Verhältnis von Kuba und den USA beispielsweise hatte sich unter der Amtszeit Barack Obamas deutlich verbessert, ehe Trump die Zügel wieder anzog. Biden würde sich in seiner Kuba-Politik gewiss eher an Obama orientieren.

Auch Mexiko kann eigentlich nur an einem Wahlsieg Bidens interessiert sein. Beobachter erwarten zwar, dass sich in den entscheidenden Bereichen wie der strengen Migrationspolitik wenig ändert, doch zumindest der politische Ton sollte anders werden. „Die Mexikaner bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger, und einige, nehme ich an, sind auch nette Leute.“ Solche Aussagen wie diese (Trump im Wahlkampf 2016) würde man von Biden eher nicht hören.

Joe Biden tritt 2020 bereits zum dritten Mal als Präsidentschaftskandidat an. Wie verändern sich die USA unter seiner Führung?

US-Wahl 2020: Kanada in Sorge - „wenn die Lage weniger klar ist, könnte es gewisse Störungen geben“

Ebenso prägend könnte der Wahlausgang für den zweiten Nachbarn sein. Kanada erkennt „potenzielle Auswirkungen auf die kanadische Wirtschaft und die Kanadier“, wie Premierminister Justin Trudeau gut zwei Wochen vor dem Wahltermin erklärte. Daher hofften alle auf ein eindeutiges Ergebnis sowie einen ruhigen Verlauf. „Wenn die Lage weniger klar ist, könnte es gewisse Störungen geben. Und wir müssen darauf vorbereitet sein, egal welches Ergebnis herauskommt“, sagte Trudeau.

Zumindest angespannt ist im Moment auch das Verhältnis der USA zu Frankreich. Trump sagte 2019 zwar: „Die Amerikaner umarmen das französische Volk. Unsere Beziehungen werden nie zerbrechen.“ Doch angesichts des Handelsstreits bröckelt das Verhältnis. Es wird interessant, wie Präsident Emmanuel Macron auf den Wahlausgang reagieren wird. An anderer Stelle beleuchten wir auch, wie sich Deutschland nach der US-Wahl 2020 verhält. So oder so die Hochrechnungen und Zwischenergebnisse des Tages sowie den aktuellen Stand der Kandidaten der US-Wahl werden viele gespannt am 3. November verfolgen.

US-Wahl 2020: Falls Biden gewinnt - wie verändert sich das Verhältnis zu Russland?

Ebenso spannend die Frage, wie Russland mit einer möglichen Trump-Niederlage umgehen wird. Joe Biden ist längst kein so großer Bewunderer Wladimir Putins wie Trump, der sich gerne auch als Freund des russischen Präsidenten bezeichnet. Vielmehr scheut der Demokrat nicht davor, die russische Außenpolitik in die Kritik zu nehmen. Russland scheint insgesamt viel an einer weiteren Trump-Amtszeit zu legen. Will der größte Staat der Erde diese auch mit allen Mitteln erreichen? Immer wieder gab es zuletzt Spekulationen um eine angebliche Wahlkampf-Kampagne der Russen - zugunsten Trumps.

Gibt es auch in Zukunft solche Treffen wie diese? Donald Trump und Wladimir Putin auf dem G20-Gipfel.

US-Wahl 2020: Wie fallen die internationalen Reaktionen auf den Ausgang aus?

Grundsätzlich gibt es in einem Land natürlich unterschiedliche Parteiinteressen und dementsprechend auch unterschiedliche Meinungen. In Großbritannien beispielsweise dürften viele Politiker wohl für Joe Biden sein. Gleichzeitig gibt es aber auch Trump-Fans wie Nigel Farage. Am Mittwoch adelte Trump den Gründer der Brexit-Partei während eines Wahlkampfauftritts als „König von Europa“ . Trump rief ihn bei einer Kundgebung im Bundesstaat Arizona* auf die Bühne und nannte ihn „einen der mächtigsten Männer Europas“.

Wie reagieren also Europa, Lateinamerika, Russland & Co. auf den Ausgang der US-Wahl 2020? Wie lautet die generelle Wahrnehmung in der internationalen Politik? In diesem Ticker lesen Sie nach Bekanntgabe des Ergebnisses alle wichtigen Reaktionen. (as) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/AP/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare