Uni-Kommission berät über Dr.-Verzicht

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Die Doktorarbeit von Verteidigungsminister zu Guttenberg (CSU) an der Universität in Bayreuth (Oberfranken).

Berlin - Nach dem Verzicht von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf seinen Doktortitel will heute seine Universität darüber beraten. Eine Prüfung der Arbeit wird es dennoch geben.

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In einer Erklärung machte die Hochschule am Montagabend deutlich, dass sie angesichts der Plagiatsvorwürfe weiterhin zur Prüfung seiner Doktorarbeit verpflichtet ist. Bereits an diesem Dienstag soll die Promotionskommission der Rechtswissenschaftlichen Fakultät die nötigen Schritte einleiten. Am frühen Nachmittag will Uni-Präsident Rüdiger Bormann ein Pressestatement abgeben, wie dessen Sprecher der Nachrichtenagentur dpa sagte.

In Berlin wurde eine Bewertung des Vorgangs durch Kanzlerin Angela Merkel erwartet. Sie hatte am Montag noch vor Guttenbergs Rede signalisiert, ihn wegen der Plagiatsvorwürfe als Minister nicht einfach fallen lassen zu wollen. Sie habe Guttenberg nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Doktoranden ins Kabinett geholt. “Mir geht es um die Arbeit als Bundesverteidigungsminister. Die erfüllt er hervorragend, und das ist das, was für mich zählt“, hatte sie gesagt.

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Die CSU stellte sich noch am Abend hinter Guttenberg. “Karl-Theodor zu Guttenberg braucht keinen Doktortitel, um sein Amt auszuüben“, sagte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich nach Angaben seines Sprechers in Berlin. “Guttenberg weiß, dass die Soldaten und die Bevölkerung ihm vertrauen und er dafür auch keine akademischen Titel benötigt.“ Billige Polemik und Hetze seien das Geschäft der Opposition. Guttenberg nehme dagegen seine Pflicht und Verantwortung als Verteidigungsminister wahr.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) befand, “dass Karl-Theodor zu Guttenberg die Sache in geeigneter Weise gelöst hat“. Im “Hamburger Abendblatt“ (Dienstag) sagte Mappus weiter: “Wir haben in diesem Land - und in Afghanistan - wahrlich andere Sorgen als die Frage, ob die Fußnoten einer Doktorarbeit richtig gesetzt sind.“ Guttenberg werde eine wichtige Rolle im Landtagswahlkampf der baden-württembergischen CDU spielen.

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Guttenberg hatte seine Universität Bayreuth nach deren Angaben vom Montagabend schriftlich gebeten, den Dr. zurückzunehmen. Zur Begründung habe er auf “gravierende handwerkliche Fehler“ in seiner Arbeit hingewiesen, teilte die Hochschule mit.

An seinem Ministeramt hielt der CSU-Politiker aber fest: Er wolle trotz des Sturms der Kritik seine Aufgabe für die Bundeswehr erfüllen, sagte er auf einer CDU-Veranstaltung in Kelkheim in Hessen. Es war seine erste öffentliche Rede seit Beginn der Affäre.

Beim erneuten Lesen der Dissertation über das Wochenende habe er selbst Fehler gesehen. Er habe “an der einen oder anderen Stelle den Überblick über die Quellen verloren“. Er entschuldigte sich bei allen, die er durch seine Fehler verletzt habe - auch bei seinem Doktorvater. “Die Entscheidung, den Doktortitel, nicht zu führen schmerzt“, sagte Guttenberg.

dpa

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