UN-Klimarunde ohne Durchbruch

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Kundgebung von Demonstranten zur Klimakonferenz in Bonn.

Bonn - Bei der UN-Klimakonferenz in Bonn hat es keine wesentlichen Fortschritte in den Kernfragen für ein neues Weltklima- Abkommen gegeben.

Rund 4500 Teilnehmer aus aller Welt verhandelten fast zwei Wochen lang - ohne feste inhaltliche Vereinbarungen für den weiteren Weg zu treffen. Ein neuer Entwurf für die nächsten Verhandlungsrunden lag zum Abschluss der Konferenz am Freitag vor, wurde aber noch nicht beschlossen und war auch strittig.

Zur Vorbereitung des nächsten Weltklimagipfels Ende des Jahres in Cancún (Mexiko) sollen zwei weitere größere UN-Konferenzen stattfinden: Anfang August wiederum in Bonn und im Oktober in Peking. Dabei sollen die Weichen für Cancún gestellt werden.

Mit einem fertigen neuen Abkommen zum globalen Klimaschutz ist nach dem Fehlschlag von Kopenhagen allerdings auch in Cancún noch nicht zu rechnen. Auch eine Fortführung des Kyoto-Protokolls für die Zeit nach 2012 ist offen. Umweltorganisationen kritisierten die Ergebnisse von Bonn als zu dürftig und als “schlechte Basis“ für die weitere Klimapolitik.

In dem nun vorgelegtem Verhandlungstext, über den die Staaten noch entscheiden müssen, wird die Erfordernis von “tiefen Einschnitten“ beim globalen Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen betont. Noch in Klammern - also als Option - steht unter anderem das Langfristziel, die Erderwärmung auf 1,5 oder 2 Grad Celsius zu begrenzen. Umweltorganisationen kritisierten das Papier als unzureichend.

Zudem steht im Entwurf, dass der Höhepunkt des globalen und nationalen Treibhausgas-Ausstoßes bis 2020 erreicht werden soll. Die globalen Emissionen sollen dann bis 2050 um insgesamt mindestens 50 bis 85 Prozent (gegenüber 1990) vermindert werden. Die Industrieländer allein sollen eine erhöhte Minderung von mindestens 80 bis 95 Prozent leisten. Bis 2020 sollen die Industrieländer eine Reduzierung von 25 bis 40 Prozent erreichen, wobei das Basisjahr noch offen gelassen ist.

Für die Minderung der Treibhausgase gab es allerdings in Bonn keine neuen Angebote oder Vorschläge von Seiten der Industrieländer. Ungelöst blieben auch die Vergabemechanismen und Kriterien der zugesagten Finanzhilfen reicher Staaten an ärmere Länder. Vertreter der Entwicklungsländer kritisierten, dass von den auf dem Kopenhagener Gipfel zugesagten 30 Milliarden US-Dollar (25 Milliarden Euro) an Schnellhilfe (2010 bis 2012) noch kein Geld geflossen sei.

Die Bonner Konferenz habe nicht klären können, was in Cancún beschlossen werden solle, sagte der Klima-Koordinator von Greenpeace, Martin Kaiser. “Es ist auch nicht klar, wann ein ambitionierter und gerechter, globaler Klimavertrag unterzeichnet werden kann.“ Die Industriestaaten hätten sich erneut vor verbindlichen und ausreichenden Zusagen zur CO2-Minderung gedrückt, erklärte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). “Die Industriestaaten spielen ein hochriskantes Spiel, wenn sie verbindliche Zusagen immer wieder verschieben“, sagte BUND-Klimaexpertin Antje von Broock. Die EU sollte vorangehen und ihre Minderungszusage bis 2020 von 20 auf 30 Prozent erhöhen.

dpa

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