Nach Drohungen aus Ankara

Sechs in Libyen festgehaltene Türken wieder frei

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Der lybische General Chalifa Haftar führt die selbst ernannte Libysche Nationalarmee. Foto: Mohammed Elshaiky/EPA

Insgesamt sind es nur einige Stunden, die sechs Türken in Libyen festgehalten werden. Aber ihr Fall zeigt, wie angespannt die Lage zwischen Haftars Truppen und der Regierung in Ankara ist. Und die Fronten in dem Bürgerkriegsland verhärten sich weiter.

Istanbul/Bengasi (dpa) - Sechs in Libyen festgehaltene türkische Staatsbürger sind nach scharfen Drohungen aus Ankara wieder frei. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag.

Eine direkte Bestätigung aus dem Außenministerium stand noch aus. Anadolu zufolge handelte es sich bei der Gruppe um Seeleute.

Aus Ankara hatte es am Sonntag geheißen, dass die sechs Personen in der Gewalt der "illegalen Miliz" des libyschen Generals Chalifa Haftar seien. Das sei ein "Akt der Räuberei und der Piraterie". "Wir erwarten, dass unsere Bürger sofort freigelassen werden." Andernfalls würden "Haftars Elemente" zum "legitimen Ziel". Am Montag riet das Außenministerium türkischen Staatsbürgern zudem, sich aus Konfliktgebieten in Libyen fernzuhalten.

In dem ölreichen Land in Nordafrika herrscht acht Jahre nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi Chaos. Die Türkei unterstützt die von den UN anerkannte Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch, die mit Haftars Truppen um die Macht im Land kämpft. Diese werfen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor, sich in libysche Angelegenheiten einzumischen. Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate sollen Haftars Truppen unterstützen.

Der Ton zwischen Haftars selbst ernannter Libyscher Nationalarmee (LNA), die große Gebiete vor allem im Osten des Landes kontrolliert, und der Türkei hatte sich zuletzt verschärft. Die LNA verbot kommerzielle Flüge zwischen den Ländern, untersagte es türkischen Schiffen, an der libyschen Küste anzulegen, und drohte mit Haftbefehlen gegen türkische Staatsbürger.

Besitzer türkischer Läden und Restaurants im Osten des Landes hatten auf die Anordnung der LNA bereits reagiert. Sie schlossen ihre Türen und entfernten türkische Namensschilder, sagten Augenzeugen. Diese Schritte hatten etwa Sicherheitskräfte in der Stadt Adschdabia angeordnet. Türkische Betriebe sind in Libyen vor allem Restaurants oder Geschäfte, die etwa Kleidung und Süßigkeiten verkaufen.

In der Nacht zum Montag waren in Adschdabia, das etwa drei Autostunden südlich von Bengasi entfernt liegt, bereits zwei türkische Arbeiter freigelassen worden. Sie waren wohl ohne gültigen Haftbefehl festgenommen worden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Ob die beiden zu der Sechser-Gruppe gehörten, für die sich Ankara eingesetzt hatte, blieb zunächst unklar.

Eine aktuelle Dokumentation zeigt, unter welchen schwierigen Bedingungen Flüchtlinge in Libyen leiden, wenn sie von Schleppern gefangen gehalten werden.

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