"Satire darf und muss alles"

Bettina Wulff mit Islam-Krieger auf Titanic-Titel

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Der Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic", Leo Fischer (rpt. Leo Fischer), posiert am Donnerstag (20.09.12) in den Redaktionsraeumen der Zeitschrift in Frankfurt am Main mit einem ausgedruckten Titel einer "Titanic"-Ausgabe, die Bettina Wulff und einem Moslem mit gezuecktem Krummdolch zeigt.

Paris - Das Satiremagazin "Titanic" plant eine Islam-Ausgabe. Bettina Wulff soll auf dem Titelblatt in den Armen eines islamischen Kriegers zu sehen sein. Schon jetzt werden Gegenaktionen befürchtet.

Das Magazin widmet sich in seiner nächsten Ausgabe Bettina Wulff und nutzt dafür die Aufregung um das Mohammed-Schmähvideo. Auf dem Titel der Oktober-Ausgabe, die kommenden Freitag in den Handel kommt, titelt das Blatt: „Bettina Wulff dreht Mohammed-Film“, wie Chefredakteur Leo Fischer der dpa am Donnerstag bestätigte. Auf dem Cover wird die Gattin des ehemaligen Bundespräsidenten von einem Turbanträger mit einem Säbel bedroht - oder von ihm verteidigt. „Die Interpretation überlassen wir unseren Lesern“.

Die USA befürchten unterdessen Proteste als Vergeltung für die in einem französischen Satiremagazin veröffentlichten Mohammed-Karikaturen.

Die Zeichnungen seien „zutiefst beleidigend“ für manche Gläubige und hätten das Potenzial, einen Aufruhr zu entzünden, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, am Mittwochabend (Ortszeit) in Washington. Gegen das Magazin „Charlie Hebdo“ wurde derweil eine Klage eingereicht. Das deutsche Magazin „Titanic“ will trotz der anhaltenden Protestwelle in der muslimischen Welt Ende September ebenfalls eine Islam-Ausgabe herausbringen.

„Charlie Hebdo“ hatte am Mittwoch eine Reihe von Zeichnungen gedruckt, die sich auf „The Innocence of Muslims“ beziehen, jenen islamfeindlichen Schmähfilm, der zu weltweiter Gewalt und Protesten von Muslimen geführt hat. Die französische Staatsanwaltschaft teilte mit, wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Karikaturen sei eine Klage eingereicht worden, machte aber keine Angaben zum Kläger. Überdies leitete sie Ermittlungen ein, weil die Internetseite des Magazins offenbar gehackt worden war.

Aus Angst vor Vergeltung für die Veröffentlichung der Karikaturen kündigte die Regierung in Paris an, weltweit rund 20 Botschaften, Konsulate und Schulen zu schließen. Außenminister Laurent Fabius kündigte am Mittwoch im Radiosender France Info an, dass die diplomatischen Vertretungen Frankreichs am kommenden Freitag geschlossen bleiben sollten, und auch Deutschland will die Sicherheitsvorkehrungen angesichts der Proteste verstärken.

Wie Außenamtssprecher Andreas Peschke in Berlin mitteilte, soll zu einzelnen deutschen Vertretungen zusätzliches Personal geschickt werden. Ob am Freitag die deutschen Botschaften in muslimischen Ländern ebenfalls geschlossen werden, ließ er allerdings offen.

„Titanic“-Chefredakteur: „Satire darf und muss alles“

Die Veröffentlichung einer Islam-Ausgabe im deutschen Satire-Blatt „Titanic“ könnte die Wut der Demonstranten auch wieder auf Deutschland lenken.

„Titanic“-Chefredakteur Leo Fischer verteidigte auch die in der französischen Satirezeitung „Charlie Hebdo“ erschienen Mohammed-Karikaturen und nannte sie eine richtige Reaktion auf die „wahnsinnigen Ausschreitungen“. „Satire darf und muss alles“, sagte Fischer.

In zahlreichen muslimisch geprägten Ländern in Afrika und Asien gab es am Mittwoch erneut massive Proteste. Zehntausende Menschen gingen in der libanesischen Hafenstadt Tyros auf die Straßen und riefen „Oh, Amerika, du bist Gottes Feind“. Seit dem Beginn der Ausschreitungen am 11. September in mehr als 20 Ländern wurden durch Gewalt mindestens 30 Menschen getötet, darunter der US-Botschafter in Libyen.

dapd/dpa

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