“Blanker Populismus!“

SUV-Obergrenze: ARD-Journalist nimmt Grünen-Forderung auseinander

+
ARD-Journalist Dirk Rodenkirch geht wegen der SUV-Debatte mit den Grünen scharf ins Gericht (Archivbild).

In Berlin sterben vier Menschen nach einem Unfall mit einem SUV. Nun werden Konsequenzen für die schweren Fahrzeuge gefordert. Die Debatte wird schnell emotional. Jetzt auch bei AfD-Chef Meuthen.

Update vom 16. September: Die grüne Verkehrssenatorin von Berlin Regine Günther spricht sich für ihre Stadt für ein Verbot von Verbrennungsautos aus - mithilfe einer „Nullemissionszone“ bis 2030.

Update vom 12. September: Bei der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt sagte Angela Merkel nichts zu SUVs.

Update vom 10. September: Vier Tage nach dem SUV-Unfall von Berlin meldet sich nun auch AfD-Chef Jörg Meuthen in der Debatte um übergroße Geländewagen in der Stadt zu Wort. In einem langen Beitrag wettert Meuthen in gewohner Manier gegen „linksgrüne Verbotsfanatiker. Dieser schreckten angeblich mit ihrer Forderung nach einer Verbannung der Geländewagen aus den Städten „nicht einmal mehr davor zurück, die tragischen Opfer eines Verkehrsunfalls für ihre freiheitsfeindlichen Zwecke zu missbrauchen.“ Auch auf Twitter hat Meuthen seinen Facebook-Post verbreitet - bekommt aber auch gewaltig Gegenwind: „Opfer für Propaganda zu missbrauchen. Damit kennen Sie sich ja aus“, meint ein Nutzer. 

Ein anderer spottet: „Satire in Reinform. „Ihre Partei ist die erste, die nach der Herkunft des Fahrers fragt! Hetzer und Spalter. Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen schmeißen“, schimpft ein User. Vor allem kritisieren die User, dass Meuthen mit seinem Posting genau das macht, was er den Grünen vorwirft. „Ein AfDler beschwert sich über „schändliche Instrumentalisierungen“? Fass dir mal an die eigene Nase!“.

Nach dem tragischen SUV-Unglück in Berlin wurde nun den vier Opfern in einer Andacht gedacht. Ein Augenzeuge berichtet dabei dramatische Details.

SUV-Obergrenze gefordert: „Neues gemeinsames Hassobjekt“ - ARD-Journalist nimmt Grüne auseinander

Update vom 10. September: Die Debatte um den tödlichen SUV-Unfall in Berlin geht in die nächste Runde. Die Grünen und die Deutsche Umwelthilfe fordern eine Verbannung der Geländewagen aus den Städten. Nun schaltet sich ein weiterer Kritiker in die Debatte ein: Dirk Rodenkirch meldet sich aus dem ARD-Hauptstadtstudio und wirft den SUV-Kritikern Populismus vor. 

„Klimaretter, Umweltschützer und Menschen, die mit Autos wenig anfangen können, haben ein neues gemeinsames Hassobjekt: den SUV“, schreibt der Journalist zu Anfang seines Kommentars. Sicherlich könne man sich laut Rodenkirch streiten, ob ein SUV ein „City-Auto“ wäre, aber die aktuelle Debatte sei „blanker Populismus“. 

In Halle gab es eine Schießerei in der Innenstadt, die Polizei bestätigt mehrere Todesopfer.

SUV-Unfall in Berlin - wäre Diskussion mit anderem Auto anders verlaufen?

Laut Rodenkirch wäre der Unfall ähnlich verlaufen, „wenn ein Familienkombi oder eine normale Limousine die Menschen erfasst hätte“. Die Debatte würde dann aber ganz anders aussehen, impliziert der Journalist. „Bester Populismus-Beleg ist auch die Forderung nach einer SUV-Obergrenze. Grüne entdecken die CSU-Rhetorik aus der Asyldebatte, um Geländewagen an der Stadtgrenze abzuweisen. Nicht im Ernst, oder?“, fragt Rodenkirch im Anschluss.

Gerade die Grünen sollten sich laut dem ARD-Kommentar „davor hüten, wieder die Verbotskeule zu schwingen“. Rodenkirch erinnert an den „Veggie Day“, der in der Vergangenheit vom Bündnis gefordert wurde und nicht wirklich von Erfolg gekrönt war. Wähler wegen Kaufentscheidungen zu verprellen, sollten sich die Grünen laut Rodenkirch gut überlegen. Auch bei einem anderen gewünschten Verbot regt sich derweil Widerstand - denn die niedersächsische Landeschefin der Grünen spricht sich für ein Luftballon-Verbot im Freien aus.

Unfall in Berlin: SUV-Verbot in Städten? FDP wirft Grünen „AfD-Rhetorik“ vor

Update von 17.24 Uhr: Im Streit um Schlussfolgerungen aus einem dramatischen Verkehrsunfall in Berlin wehren sich Politiker mehrerer Parteien vehement gegen SUV-Verbote. Besonders heftige Worte kamen am Montag aus der FDP. Die Liberalen nannten in Person ihres Parlamentarischen Geschäftsführers Marco Buschmann Forderungen nach SUV-Verboten in Innenstädten eine „beschämende Instrumentalisierung“ des Vorfalls.

Buschmann warf Grünen und der Deutschen Umwelthilfe „AfD-Rhetorik“ vor. Sie versuchten „ideologisch motivierte Projekte voranzutreiben“, statt sich um Lösungen für eine Verkehrswende zu bemühen. Die Forderung des FDP-Mannes: Zunächst „den Rechtsstaat arbeiten lassen“. 

Die Grünen sind sich unterdessen auch intern uneins. Während einige Politiker aus den Reihen der Öko-Partei strikte Maßnahmen fordern (siehe unten), lehnt Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt SUV-Verbote ab. Nach ihrem Willen sollen entsprechende Auto-Modelle teurer werden. 

Ein Porsche-SUV vom Typ Macan war Freitag in Berlin-Mitte von der Fahrbahn abgekommen und überfuhr dabei vier Menschen. Ein drei Jahre altes Kind, zwei Männer im Alter von 28 und 29 Jahren sowie eine 64-jährige Frau starben noch am Unfallort. Mittlerweile wird vermutet, dass der Fahrer vor dem Beginn der Fahrt ein Medikament genommen hat.

Video: Greenpeace macht auf der IAA gegen SUVs mobil

SUV-Verbot für Städte? „Jeder Fahrfehler wird zur Lebensgefahr für Unschuldige“

Der Bild sagte Göring-Eckardt, der Unfall sei einfach nur "furchtbar". Aber: Statt die Debatte über SUV-Verbote in den deutschen Innenstädten zu stützen, schlug sie vor, die entsprechenden Autos durch Steuern teurer zu machen. "Die Frage, was es kostet, ist viel entscheidender als ein Verbot", begründet sie ihr Anliegen. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor zeigte sich schockiert von dem tragischen Unglück, sprach sich allerdings ebenfalls gegen eine Debatte um SUV-Verbote aus. 

Der Berliner Verkehrspolitiker Oliver Friederici (CDU) ist laut SWR der Meinung, der Unfall hätte auch mit jedem anderen Fahrzeug passieren können - ob „Klein-Pkw, Bus oder Lieferwagen“. "In einem freien Land muss jeder selbst entscheiden dürfen, welches Auto er fährt." Noch weiter geht der Bundestagsfraktionsvize Frank Sitta: Der FDP-Politiker bezeichnet das "Instrumentalisieren von Verkehrstoten" als "geschmacklos".

Schwerer SUV-Unfall in Berlin: Muss die Politik reagieren?

Ursprungsartikel: Durch den Klimawandel stehen tonnenschwere, PS-starke Autos ohnehin schon auf der Abschussliste? Weit gefehlt. SUV-Modelle genießen eine größere Beliebtheit denn je, was sich in der Zahl der Neuzulassungen wie folgt darstellt: Setzt sich der Trend der Statistik des Kraftfahrbundesamts fort, werden 2019 alleine in Deutschland erstmals über eine Million Autos mit Geländewagen-Charakter neu zugelassen. Nach dem schrecklichen Unfall in Berlin, als ein Porsche Macan in eine Gruppe von Fußgängern raste und vier Menschen ums Leben kamen, werden Forderungen nach drastischen Maßnahmen laut. 

Die Daseinsberechtigung schwerer SUV-Modelle gerät vermehrt ins Wanken.

Grünen-Politiker stellen die Daseins-Berechtigung der schweren Geländegänger in Frage - zumindest in den Ballungsräumen: „Panzerähnliche Autos gehören nicht in die Stadt. Es sind Klimakiller, auch ohne Unfall bedrohlich, jeder Fahrfehler wird zur Lebensgefahr für Unschuldige“, äußert Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, im Tagesspiegel. Zu der ökologisch oftmals zweifelhaften Bilanz gerät auch der Aspekt Sicherheit für andere Verkehrsteilnehmer in den Vordergrund - also gleich zwei gravierende Gründe, die Maßnahmen seitens Politik rechtfertigen? 

Nach schwerem SUV-Unfall in Berlin: Kommt jetzt ein Verbot für Städte?

Das tragische Unglück, dessen Unfallursache bis dato noch ungeklärt ist, kommt zu einem Zeitpunkt, an dem mit der IAA 2019 die bedeutendste Automesse Europas vor der Tür steht. Befindet sich die Branche ohnehin bereits in einem bedeutenden Umbruch, entsteht nun ein weiterer Schatten, der die Präsentation neuer SUV-Modelle trüben wird. 

Grünen-Politiker Oliver Krischer, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion seiner Partei, fordert eine Verbannung der schweren Fahrzeuge aus dicht befahrenen Gebieten: „Wir brauchen eine Obergrenze für große SUV in den Innenstädten. Am besten wäre eine bundesrechtliche Regelung, die es Kommunen erlaubt, bestimmte Größenbegrenzungen zu erlassen.“ Was man bei der Debatte nicht vergessen sollte: Großvolumige SUV-Fahrzeuge sind in Deutschland ohnehin eher selten anzutreffen. Und träfe eine Verbannung dann auch auf Lieferwagen und kleine Laster zu? 

SUV - besser als Ihr Ruf? Stimmen Sie ab

SUV-Verbot in Städten? Grünen-Politiker nennt Beispiele

Stattdessen verkaufen sich eher im kleinen und kompakten Sektor SUV-Modelle hierzulande hervorragend. Ein SUV-Verbot in Städten würde also eigentlich nur einen geringen Teil der Autofahrer persönlich betreffen. „Die Autos brauchen immer breitere Parkplätze in Städten, wo der Raum immer knapper wird. Sie sind eine Gefahr gerade für Fußgänger und Radfahrer“, fordert Oliver Krischer weiter. Es brauche dringend eine Debatte, „wie groß die Autos denn noch werden sollen, die in unseren Innenstädten rumfahren. Konkret benennt der Grünen-Politiker zwei deutsche SUV-Modelle: Audi Q8 und BMW X7.

IAA 2019: Blockt der Automobilverband eine offene Mobilitätsdiskussion?

Beim Unfall in Berlin handelte es sich um ein SUV vom Typ Porsche Macan. Der ist nicht länger als ein Mittelklasse-Auto, doch das Hauptproblem der Hochsitzer bezüglich Umweltaspekt und Sicherheit: eine imposante Karosserie in Verbindung mit einem Gewicht von rund zwei Tonnen.

Wie reagiert die Autobranche auf die Kritik? Laut Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) ist der Schadstoffausstoß eines SUV im Schnitt etwa so hoch wie bei einem Mittelklasse-Modell. Geht es nach der Deutschen Umwelthilfe, sollen zügig Maßnahmen wie eine City-Maut, Parkverbote und höhere Steuern für schwere Fahrzeuge oder auch erhöhte Parkgebühren Einzug erhalten.

pf

Kuriose SUV-Posse in München: Ein Mann wird wegen seines umstrittenen Gefährts kritisiert - und reagiert dann jedoch bemerkenswert. Eine ganze andere Debatte rückte die Grünen im September einmal mehr in die Nähe des Images als „Verbotspartei“, wenn auch wohl zu Unrecht.

Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg Monika Herrmann hat kürzlich erklärt, dass ihr die Berliner Parks „als Frau zu gefährlich“ seien. Dabei hatte sie davor Drogenhändler in Schutz genommen.

Auf der IAA in Frankfurt äußerte sich der Grünen-Politiker Boris Palmer sehr kritisch über SUVs. Die Deutsche Umwelthilfe gerät unterdessen wieder in den Fokus der Politik - Union und FDP missfällt das Vorgehen des Verbandes.

Auch eine FDP-Politikerin musste sich kürzlich Kritik wegen ihrem SUV anhören. Laut eigener Aussage wurde sie in Düsseldorf auf der Straße von einem "Mob" angefeindet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare