Corona-Impfungen

Sputnik V für Deutschland? Spahn will mit Russland über den Impfstoff reden

Setzt Deutschland beim Impfen bald auf den russischen Impfstoff Sputnik V, ohne die EU einzubinden? Gesundheitsminister Jens Spahn macht einen gewagten Vorschlag.

Köln - Kommt Sputnik V bald nach Deutschland? Der russische Corona-Impfstoff ist umstritten. Doch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will mit Russland reden - und zwar ohne Rücksicht auf die Europäische Union (EU) zu nehmen. (News zum Coronavirus)

ImpfstoffSputnik V (Gam-COVID-Vac)
ArtVektor-Impfstoff
Entwicklung Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie
ProduktionBiocad

Corona-Impfungen mit Sputnik V? Spahn liebäugelt mit Alleingang ohne EU

Der Impfstoff Sputnik V ist jedoch noch nicht in der EU zugelassen. Es fehlen noch Daten. Solange diese nicht geliefert werden, könne es keine Zulassung geben, sagte der Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) in einem Interview im „Morgenecho“ von WDR5. Trotzdem will er bereits bilaterale Gespräche mit Russland starten - für eventuelle Lieferungen, falls der Corona-Impfstoff Sputnik V zugelassen wird.

Bereits im März hatte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, den russischen Impfstoff gelobt. Er sei clever gebaut und werde vermutlich „irgendwann“ in der EU zugelassen. Derzeit prüft die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) dieses. Mertens sagte, er wisse nicht, welche Daten der EU noch vorliegen, sodass seine Einschätzungen nicht unbedingt zutreffend sein müssen. Auch Spahn preschte zu diesem Zeitpunkt bereits vor und deutete den Alleingang bei dem Impfstoff zur Not auch ohne EU an.

Sputnik V aus Russland - Corona-Impfstoff in Europa nicht zugelassen

Die EU-Kommission möchte keine Verträge über Sputnik V schließen, wie sie es mit anderen Impfstoff-Herstellern wie Biontech oder Astrazeneca getan hat. „Daraufhin habe ich auch im EU-Gesundheitsministerrat für Deutschland erklärt, dass wir dann bilateral auch mit Russland reden werden, und zwar erst mal darüber, wann überhaupt welche Mengen kommen könnten“, sagte Jens Spahn.

Der Corona-Impfstoff wurde in Russland vor der dritten Phase der Testung zugelassen - was für viel Kritik aus Europa gesorgt hat. Es handelt sich um einen Vektor-Impfstoff mit einer höheren Wirksamkeit als Astrazeneca. Laut Veröffentlichung im medizinischen Fachblatt The Lancelet sie bei Sputnik V bei über 91 Prozent. Jedoch fehlen noch immer ausreichend Daten, um Nebenwirkungen richtig einzuschätzen, sodass die EMA auf Russland warten muss.

Es ist ein Spiel auf Zeit: Spahn rechnet aus, dass der Sputnik-Impfstoff in den nächsten zwei bis vier Monaten geliefert werden müsse, danach gebe es eh mehr als genug Corona-Impfstoff. Er möchte verbindliche Antworten von Russland erreichen, wann wie viel geliefert werden kann. Wohlgemerkt - erst nach der Zulassung.

Spiel auf Zeit mit Sputnik V - würde der Corona-Impfstoff noch rechtzeitig kommen?

Ob der russische Impfstoff also noch nötig ist, wenn er denn geliefert und zugelassen wird, ist noch unklar. Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums sagen, dass am Mittwoch, 7. April, 11.515.936 Menschen mindestens eine Impfdosis erhalten haben. Im April soll Deutschland (so die Prognose der Bundesregierung) insgesamt 14.552.000 Impfdosen erhalten (Stand: 6. April). In Deutschland leben etwa 83,2 Millionen Menschen. Kinder werden derzeit nicht geimpft.

Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte sich ebenso für einen harten Lockdown ausgesprochen. Der bundesweite wird auch von der Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und CDU-Chef Armin Laschet gefordert. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Chokri Mahjoub/dpa

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