„Wir sind hier nicht in der Türkei“

Selbstversuch: Mit Burkini ins Freibad - so heftig reagierten die Badegäste

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Der Burkini - über diese Bademode wird teilweise heftig gestritten.

Erbitterte Diskussionen und wüste Beschimpfungen: Kaum ein Kleidungsstück polarisiert so wie der Burkini. Eine Journalistin hat den Selbstversuch gewagt. Das ist schon eine ganz Weile her, doch das Thema ist derzeit aktueller denn je.

Über kaum ein Kleidungsstück wurde in den letzten Jahrzehnten mehr diskutiert, als über den Burkini - eine Wortneuschöpfung aus Burka und Bikini. Der Ganzkörperanzug wird von Muslima getragen und bedeckt außer Händen, Füßen und dem Gesicht, den ganzen Körper.

Was für die einen Symbol für Islamisierung und Unterdrückung der Frau ist, wird von den anderen als revolutionäre Bekleidung für die Teilhabe von muslimischen Frauen am öffentlichen Leben gefeiert. 

Die Australierin, die den Burkini 2004 erfunden hat, äußerte sich vergangenes Jahr, als die Bademode in Europa heftig diskutiert wurde, entsetzt über die teilweise heftigen Reaktionen über den Burkini. In Frankreich wurde das Kleidungsstück an manchen Stränden verboten - erst ein Gericht konnte die Regelungen wieder kippen. 

Selbstversuch im Freibad: „Ich muss mich also ausziehen, um Österreicherin zu sein?“

Eine mutige Journalistin aus Österreich, Menerva Hammad, hat vor einiger Zeit den Selbstversuch gewagt und hat mit einem Burkini bekleidet ein Freibad in Wien besucht. 

Schon nach kurzer Zeit im Wasser kam eine wutenbrannte Frau auf sie zugestürmt, berichtet Hammad auf der Seite des Österreichischen Magazins biber.at sowie auf huffingtonpost.de. Im Schlepptau: Zwei Bademeister. „Diese Frau muss hier raus! Ich kann das nicht länger ansehen! Wie können Sie zulassen, dass hier jemand in einem Burkini schwimmt?!“, soll die Frau, die sich bei den Bademeistern beschwert hatte, gerufen haben. 

Auch als die Journalistin aus dem Wasser stieg, ließ die Frau nicht von ihr ab und sagte: “Ich habe Sie gesehen, Sie kamen mit diesem Gewand schon hier herein! Das ist unhygienisch!“. Hammad versuchte sich nach eigener Aussage zu verteidigen und erklärte der Dame, dass ihr Burkini aus dem gleichen Material hergestellt wurde, wie ein normaler Badeanzug. Er habe nur ein wenig mehr Stoff. 

„Wir sind hier nicht in der Türkei“

Doch auch diese rationale Argumentation konnte die erboste Frau nicht von ihrem Feldzug abbringen, berichtet die Journalistin. Im Gegenteil, sie setzte noch eins drauf: „Wir sind hier nicht in der Türkei! Sie müssen sofort gehen!“, schimpfte sie weiter. 

Der Journalistin, deren Eltern aus Ägypten kommen, platzte darauhin der Kragen. Sie erwiderte: „Ich verstehe, ich muss mich also ausziehen, um Österreicherin zu sein? Schön! Was wollen Sie denn von mir sehen? Meine Brüste, davon könnte ich Ihnen zwei anbieten, eine Pobacke, davon hätt ich eine ganze Postleitzahl, so groß ist mein Hintern! Oder vielleicht lieber ein bisserl Wampe?“

Die Frau bestand trotz der schlagfertigen Antwort weiterhin darauf, dass die Journalistin das Freibad verlässt und wandte sich deshalb an den Bademeister. „Diese junge Dame hat Eintritt gezahlt, keinem was getan. Sie dagegen haben für Aufruhr gesorgt, unsere Schwimmgäste belästigt und jemanden beleidigt.“ Der Bademeister forderte daraufhin die Beschwereführerin selbst auf, das Freibad zu verlassen. Bis heute ist Hammad dem Bademeister dankbar für seine Reaktion. Ihr hatte es in dem Moment die Sprache verschlagen.

Wie ist die Situation heute?

Der beschriebene Selbstversuch fand im Jahr 2014 statt. Wie sieht es heute aus? Angesichts des neuesten Falles scheint die Diskussion aktueller denn je.

Denn noch immer kochen die Emotionen schnell hoch, sobald diese spezielle Bademode für Muslima im Spiel ist. Am 5. August verbreitete sich die Nachricht, dass eine Frau aus dem Ferienhaus in Südfrankreich geworfen wurde, weil sie mit einem Burkini im hauseigenen Pool schwamm. Das Geld für die Kaution behielt der Vermieter ein, denn er müsse ja den Pool komplett auspumpen, reinigen und wieder auffüllen lassen. Im Netz wurde dieser Artikel erneut heftig diskutiert.

„Reise ich in ein anderes Land so versuche ich mich so gut es geht an die Sitten anzupassen“, schreibt ein Nutzer. „Wer sich hier nicht anpassen möchte, sollte wieder da zurück gehen, wo er herkommt“, meint ein anderer. „Wann kommt endlich das Verschleierungsverbot?“, fragt ein User. Ein User namens Gerschon schreibt: „Was passiert mir, wenn ich (Mann) mit Alltagskleidung in einen Pool gehe? Richtig. ich werde raus geworfen. Mit Recht.“

Die Argumente sind noch immer die gleichen, die bereits seit Jahren in der Sache ausgetauscht werden. Eine Entwicklung nicht in Sicht.

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