Blitzbesuche: Seehofers Double Royal

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Horst Seehofer im Terminstress.

Den Haag - Höflichkeit kann anstrengen. In einem königlichen Doppelschlag hastet CSU-Chef Seehofer im Dienst des Bundesrats an einem Nachmittag von von Königin zu König - in den Niederlanden und Belgien.

Königliches Double: In einem Blitzbesuch hat Bundesratspräsident Horst Seehofer am Donnerstag zwei gekrönte Häupter an einem Nachmittag besucht. In Den Haag trifft Seehofer in der Mittagszeit die niederländische Königin Beatrix, anschließend fliegt er weiter nach Brüssel, wo ihn König Albert II. empfängt. “Das ist nicht alltäglich“, sagt Seehofer anschließend.

Vom Adelsprinzip hält Seehofer im Grunde seines Herzens nichts. Ähnlich wie der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sich der CSU-Chef aus kleinen Verhältnissen mühsam empor gearbeitet. Dass ein Mensch ohne eigene Leistung eine bedeutende Stellung einnimmt, nur weil er zufällig Sohn oder Tochter ist, missfällt ihm eigentlich. Doch weil Bayern derzeit die Präsidentschaft des Bundesrats innehat, absolviert er die Blitzbesuche: Mittags Sherry mit Beatrix, dann mit bundeseigenem Luxusjet zum Nachmittagskaffee mit Albert II. in Schloss Laeken.

“Der Respekt gebietet, dass die Agenda von den Gastgebern bestimmt wird“, sagt Seehofer schon am Vorabend. Schon die Begrüßung mit Königin Beatrix, die ihn in Schloss Huis ten Bosch zur halbstündigen Audienz empfängt, macht deutlich, dass Seehofer sich in sehr gehobener Sphäre befindet: Zur Königin geleitet ihn einer der acht königlichen Adjutanten über eine lange Treppe mit rotem Teppich. Fregattenkapitän Idzerd van Burmania Hunmalda van Eysinga trägt einen Namen wie aus der Glanzzeit der niederländischen Seefahrt im 17. Jahrhundert. “Es ist immer spannend, führenden Leuten, herausragenden Leuten begegnen zu können“, sagt Seehofer über die Stippvisite im Schloss. “Das gehört zum sehr schönen Teil der Arbeit eines Ministerpräsidenten.“

Es ist ein echtes Tête-à-tête: Die Delegation bleibt während des Gesprächs mit Beatrix draußen. Die 74-jährige Königin trägt ein himbeerfarbenes Kostüm und lässt ihrem Gast Sherry und Käsestreifen servieren: “Majestät ist eine elegante Dame“, berichtet Seehofer nachher. Ein Thema ist die Euro-Krise.

Schon am Vortag hat Seehofer den niederländischen Regierungschef Mark Rutte besucht und sich der Unterstützung der Niederlande in der Euro-Krise versichert. Beide Länder lehnten direkte Rettungszahlungen Brüssels an spanische Banken ab, sagt Seehofer. “Nein“, fasst der CSU-Chef seine Haltung zusammen. Bei seinem Gespräch mit Beatrix erkundigt sich Seehofer abschließend nach dem Befinden von Prinz Johan Friso, der nach seinem Lawinenunfall nach wie vor im Koma liegt.

Die Königin nimmt sich 40 Minuten Zeit, dann wird Seehofer im Eiltempo zum Flughafen Rotterdam kutschiert. Als Ministerpräsident fliegt Seehofer Linie oder Charter. Dieses Mal hat er als Bundesratspräsident Anspruch auf bundeseigenes Fluggerät, den ebenso teuren wie edlen Business-Jet Bombardier Global 5000 - außen weiß lackiert mit schwarz-rot-goldener Banderole und der Aufschrift “Bundesrepublik Deutschland“, innen holzgetäfelt und weich gepolstert.

Vierzig Minuten später die Landung in Brüssel, das nächste Schloss, die nächste Majestät. Der belgische Autokorso fährt ohne Blaulichteskorte, weil diese von den Gastgebern offensichtlich vergessen wurde. Die Sicherheitslage in Brüssel scheint ohnehin äußerst entspannt: Nicht einmal ein belgischer Polizist begleitet die Delegation. Albert II. empfängt Seehofer auf Schloss Laeken, einem sichtlich bröckelnden Prachtbau aus dem späten 18. Jahrhundert.

Das belgische Protokoll ist weniger steif als in Den Haag: Der 78 Jahre alte Monarch kommt selbst zur Tür, um Seehofer zu begrüßen. Auch Albert ist besorgt über die Euro-Krise, ansonsten interessiert ihn nach Seehofers Angaben vor allem die Energiewende. Denn wenn die deutsche Energiewende scheitert, steigen auch in Belgien die Strompreise.

Der CSU-Chef fliegt zufrieden heim: “Das waren Glückstermine, die sehr fruchtbar verlaufen sind.“ Eine Wiederholung ist unwahrscheinlich. Das nächste Mal übernimmt Bayern 2028 die Präsidentschaft des Bundesrats.

dpa

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