„Lasse mich nicht bevormunden“

Seehofer will sich Astrazeneca nicht spritzen lassen: Kassenärzte-Chef kann über Aussage nur den Kopf schütteln

Horst Seehofer will sich nicht mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen, weil er sich nicht bevormunden lassen will. Spahn und der Kassenärzte-Chef reagieren.

Update vom 2. April, 11.40 Uhr: Gesundheitsminister Jens Spahn freut sich über alle, die sich als Vorbild mit dem Astrazeneca-Impfstoff* gegen Corona piksen lassen. Zuletzt tat das etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (siehe Update vom 1. April, 12.10 Uhr). Horst Seehofer sorgte am Donnerstag noch für Schlagzeilen, als er Bild sagte, mit Astrazeneca werde es sich nicht impfen lassen, denn er lasse sich nicht bevormunden (siehe Erstmeldung).

Darauf reagierte nun auch Kassenärzte-Chef Andreas Gassen: Auf die Frage bei „Bild Live“, ob Seehofers Aussage in der aktuellen Situation nützlich sei, sagte er: „Das ist nur begrenzt hilfreich. Ich kenne die Risikokonstellation von Herrn Seehofer nicht, aber im Zweifel wäre in diesem Fall wahrscheinlich ‚Schweigen ist Gold‘ die klügere Variante gewesen.“

Seehofer will sich Astrazeneca nicht spritzen lassen - Steinmeier geimpft

Update vom 1. April, 12.10 Uhr: Horst Seehofer erklärte, er wolle sich nicht mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen, nur weil Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ihn darum bittet: „Ich lasse mich nicht bevormunden“, sagte Seehofer der Bild (siehe Erstmeldung). Bei einer Pressekonferenz verdeutlichte Spahn nun, er habe seinen Minister-Kollegen niemals darum gebeten. Auch Horst Seehofer könne entscheiden, ob er sich mit dem Vakzin impfen lassen wolle oder nicht. Egal auf welcher politischen Ebene, Spahn sei dankbar für jeden Kollegen, der sich impfen lasse, darüber redet und dafür wirbt. Dennoch sei es immer eine individuelle, persönliche Entscheidung, wie jemand damit umgeht.

Grünen-Politiker Winfried Kretschmann ließ sich bereits im März mit Astrazeneca gegen das Coronavirus impfen. Am Donnerstagmittag kam die Nachricht, dass nun auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine erste Corona-Schutzimpfung erhalten hat. Ihm wurde ebenfalls der Impfstoff von Astrazeneca gespritzt. Er appellierte im Anschluss an alle Bürger, seinem Beispiel zu folgen: „Ich vertraue den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen“, betonte er in einer Mitteilung. Auch Spahn zeigte sich in der Pressekonferenz erfreut darüber. „Auch, weil er damit Vorbild ist für andere und einfach zeigt, wie dieser kleine Piks eben doch einen großen Unterschied machen kann für einen selbst und beim gegenseitigen Schutz.“

Seehofer will sich nicht mit Astrazeneca impfen lassen - „Lasse mich nicht bevormunden“

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU)

Erstmeldung vom 1. April: Berlin - Politiker sollen sich gegen Corona impfen lassen, als vertrauensbildende Maßnahme. Dieser Vorschlag ist nicht neu. Gerade jetzt, wo Astrazeneca so in der Kritik steht, findet Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) diese Idee scheinbar noch besser. Wie Bild berichtet, soll er in der Kabinettssitzung am Mittwoch seine über 60-jährigen Ministerkollegen dazu aufgefordert haben, sich impfen zu lassen.

Innenminister Horst Seehofer (CSU)* weist das entschieden zurück: „Die Antwort auf die Aufforderung von Jens Spahn lautet: Nein!“, sagte der 71-Jährige zu Bild. „Ich lasse mich nicht bevormunden.“ Ihm ging es demnach aber nicht um eine Bewertung des Impfstoffs an sich.

Corona-Impfung mit Astrazeneca: Seehofer will nicht - Merkels Impftermin rückt näher

Bereits bei der Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU)* am Dienstag zur deutschen Astrazeneca-Entscheidung - der offizielle Name des Impfstoffs lautet jetzt übrigens „Vaxzevria“* - hatte Spahn alle über 60-Jährigen ermutigt, sich das Mittel spritzen zu lassen, da es trotz der aufgetretenen Sinusvenenthrombosen ein sehr wirksames Mittel gegen das Coronavirus sei. Zu dieser Altersgruppe zählt auch die Kanzlerin selbst. „Die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, ist für mich näher gerückt“, stellte sie fest. „Wenn ich dran bin, lasse ich mich impfen - auch mit Astrazeneca.“

Bild hat laut dem Bericht hat auch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD)* gefragt, ob er sich mit Astrazeneca impfen lassen würde. Die Antwort des 62-Jährigen demnach: Ja. Wie eine Sprecherin mitteilte, würde er es „sofort machen, sobald er an der Reihe ist“. Und: „Niedersachsen wird allerdings derzeit die Menschen zwischen 60 und 69 noch nicht mit in die Impfberechtigung aufnehmen, weil wir insgesamt 3,8 Millionen Menschen in den Prio-Gruppen 1 und 2 haben und die sollen zuerst geimpft werden“, so die Sprecherin weiter. (cibo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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