US-Wahlen: Schafft es Obama doch noch?

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Barack Obama.

Washington - Er wollte Amerika und die Welt verändern. Dann musste er die größte Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten managen - jetzt muss Barack Obama um seine Wiederwahl bangen. Zehn Monate sind es bis zum Urnengang in den USA.

Noch vor ein paar Wochen sah es düster aus: Popularität im Keller, Konjunktur schleppend, Arbeitslosigkeit hoch - nur wenige hätten größere Summen auf die Wiederwahl Barack Obamas gewettet. Doch jetzt gibt es so etwas wie einen Lichtblick. Zwar ist noch lange nicht von einer echten Trendende die Rede - doch erstmals seit Monaten gehen die Umfragewerte des Präsidenten wieder nach oben. Am 6. November 2012 wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Nur eines steht derzeit fest: In den USA steht eine Richtungswahl bevor, die beinhart werden dürfte - der Ausgang ist völlig offen.

Der erste Akt im Wahljahr steht bereits am 3. Januar an. Im ansonsten eher verschlafenen Bundesstaat Iowa im Mittleren Westen müssen sich die republikanischen Präsidentschaftsbewerber einer ersten Vorwahl stellen. Auch zwischen den möglichen Obama-Herausforderern ist die Konkurrenz gnadenlos.

Als Top-Favoriten gelten der Ex-Gouverneur Mitt Romney sowie Newt Gingrich - der Mann, der in den 90er Jahr die “konservative Revolution“ in der US-Politik anführte. Weitere Bewerber sind Rick Perry, der Gouverneur aus Texas, der in Gang und Sprache an John Wayne erinnert, sowie Michele Bachmann, die Ikone der populistischen Tea-Party-Bewegung.

Die Krux: Keiner der Bewerber vermag es so recht, die Herzen der Republikaner zu erwärmen. Experten unken, die größte Stärke Obamas sei bisher die Schwäche seiner potenziellen Gegner - doch das kann sich schnell ändern.

Das große Thema des Wahlkampfes steht bereits fest: Die Wirtschaft. Nicht zufällig meinte das “Wall Street Journal“ dieser Tage, die “die wichtigste Figur in seinem Bemühen um Wiederwahl könnte sehr wohl die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sein“. Was auf den ersten Blick eher bizarr erscheint, ist so abseitig nicht.

Hoffnung auf Wiederwahl, daran sind sich fast alle Experten einig, habe Obama nur dann, wenn die Wirtschaft wieder in Schwung kommt - oder zumindest die Aussicht besteht, dass die Konjunktur demnächst anzieht. “Das größte Hindernis für Wirtschaftswachstum derzeit ist Europa“, meint das Blatt. Und in Europa habe Merkel nun mal das größte Gewicht. Also: Kann Merkel Obama helfen?

Auch die Konturen des bevorstehenden Kampfs stehen schon heute fest. Obama hat bereits unmissverständlich deutlich gemacht, dass er sich als der Mann der “kleinen Leute“ präsentieren wird, als Beschützer der Mittelschicht. Obama, der Demokrat, der viele im eigenen Lager bitter enttäuscht, setzt auf die “soziale Karte“ - für den Erhalt der Sozialsysteme, für höhere Steuern der Reichen.

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Ganz anders die Republikaner. Wer auch immer die Nominierung gewinnen mag, der Tenor ihres Wahlkampf ist längst klar: Gegen “Big government“, für massive Einschnitte in der Sozialpolitik, für weitere Steuersenkungen.

Rick Perry, Gouverneur von Texas und noch vor kurzem hoffnungsvollster Bewerber, fasst die Anti-Washington- und Anti-Staat-Parolen vollmundig zusammen. Er wolle “Washington so bedeutungslos für unser Leben mache, wie es nur geht“. Für Obamas Strategie haben Republikaner derzeit nur ein Wort übrig: Klassenkampf.

“Die heutigen Republikaner stellen die Bundesregierung als Macht der Unterdrückung dar, als Bürde der Wirtschaft und als Feind der Privatinitiative“, kommentiert die “Washington Post“. Der Ausgang der Wahlen “könnte die Zukunft unserer Nation für den Rest des 21. Jahrhunderts definieren“, meint denn die “Huffington Post“.

Alles deutet darauf hin: Amerika steuert auf eine Richtungswahl pur zu. Angesichts der zunehmenden Radikalität der Republikaner könnten Obamas Gewinnchancen steigen. Denn letztlich sind es die eher moderaten und unabhängigen Wechselwähler, die darüber entscheiden, wer am 6. November als Sieger hervorgeht - und Angela Merkel.

dpa

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