Staatschef demonstrieren Einigkeit

Obama besucht den stolzen Nachbarn Mexiko

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Barack Obama (l.) und sein mexikanischer Amtskollege Peña Nieto.

Mexiko-Stadt - US-Präsident Obama besucht zum ersten Mal den neuen mexikanischen Staatschef Peña Nieto. Der will das Image seines Landes ändern: Die Welt soll Mexiko nicht mehr als gescheiterten Drogenstaat sehen.

Als er gemeinsam mit seinem mexikanischen Kollegen Enrique Peña Nieto vor die Presse tritt, gibt US-Präsident Barack Obama den Charmeur. „Als ich an diesem wundervollen Frühlingstag in diese schöne Stadt gekommen bin, habe ich verstanden, warum er zurückgekommen ist“, sagt Obama über seinen Gastgeber, der als Student einige Zeit im nass-kalten US-Bundesstaat Maine verbracht hatte.

Bei Obamas erstem Besuch bei Präsident Peña Nieto demonstrieren die Staatschefs der Nachbarländer am Donnerstag Einigkeit. Sie betonen die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen, potenzielle Konfliktthemen wie die immer noch desolate Sicherheitslage in Mexiko werden sorgsam umschifft.

Austausch zwischen Universitäten fördern

Während des Arbeitstreffens im Regierungssitz im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt vereinbaren die Staatschefs eine intensive Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft und Bildung. Eine Kommission auf Ministerebene werde die Integration der beiden Volkswirtschaften vorantreiben, kündigen Obama und Peña Nieto an. Ein Bildungsforum soll den Austausch zwischen Universitäten und Forschungsinstituten fördern.

„Die Vereinigten Staaten und Mexiko haben eine der engsten Wirtschaftsbeziehung der Welt“, sagt Obama. „Wenn es einem von uns gut geht, geht es beiden gut.“ Mit Blick auf die soliden Wirtschaftsdaten aus Mexiko und die eher schleppende Konjunktur in den USA kann Peña Nieto selbstbewusst nach Norden schauen. Bei der Wachstumsrate hat Mexiko 2012 Brasilien - die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas - hinter sich gelassen. Es hat Freihandelsabkommen mit 44 Staaten unterzeichnet - mehr als jedes andere Land der Welt. Zudem exportiert Mexiko mehr Industriegüter als der Rest Lateinamerikas zusammen.

Angesichts des Wirtschaftsbooms fordert Mexiko eine Beziehung „unter Gleichen“ mit den USA. „Je mehr Mexiko wächst und je mehr es exportiert, desto mehr profitieren die USA“, sagt Peña Nieto am Donnerstag. „Wenn Jobs in Mexiko geschaffen werden, entstehen auch Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten.“

JFK sorgt für gute Stimmung

Beim heiklen Sicherheitsthema sind Obama und Peña Nieto sichtlich bemüht, sich nicht gegenseitig in die Parade zu fahren. „Es ist an den Mexikanern, ihre Sicherheitsstrategie festzulegen“, sagt Obama diplomatisch. Auch wenn sich der Schwerpunkt ändere, werde Washington an seiner Sicherheitskooperation mit Mexiko festhalten.

Peña Nieto will von dem konfrontativen Ansatz seines Vorgängers Felipe Calderón abrücken und den Schutz der Bevölkerung in den Mittelpunkt seiner Agenda stellen. Was das genau bedeutet, ist bislang allerdings unklar. Zuletzt war in den USA mit Befremden festgestellt worden, dass Peña Nietos Regierung offenbar den Zugang von US-Beamten zu den mexikanischen Sicherheitsbehörden beschneiden will.

Bevor die Staatschefs zum gemeinsamen Abendessen in der Präsidentenresidenz Los Pinos aufbrechen, bemüht Peña Nieto noch einmal John F. Kennedy, um für gute Stimmung zu sorgen. „Die Geografie hat uns zu Nachbarn, die Tradition zu Freunden gemacht“, zitierte er den früheren US-Präsidenten. „Lasst uns nicht zulassen, dass getrennt wird, was die Natur geeint hat.“

dpa

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