Lautstarke Vorwürfe

NSU-Prozess: "Jetzt regen Sie sich bitte ab"

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Beate Zschäpe betritt den Gerichtssaal

München - Erstmals kommt es in NSU-Prozess zu heftigem Streit um die Arbeit der Polizei. Ein Opferanwalt wirft einem Ermittler vor, er hätte rechtsradikale Hintergründe im Mordfall Kilic prüfen müssen.

Hitziges Wortgefecht im Münchener NSU-Prozess: Ein Nebenklagevertreter hat am Donnerstag der Polizei lautstark vorgeworfen, die rechtsradikalen Hintergründe im Mordfall Habil Kilic im Jahr 2001 nicht ausreichend geprüft zu haben. Dagegen verteidigte der Münchner Mordermittler Josef Wilfling vor dem Oberlandesgericht die Arbeit der Ermittler. Die Sitzung wurde vorübergehend unterbrochen.

Der Fall Kilic war der vierte Mord der Neonazi-Terroristen. „Wir hätten alle die Serie gerne geklärt. Wir sind keine, die auf dem rechten Auge blind sind“, sagte Mordermittler Wilfling. Zuvor hatte ein Nebenklagevertreter den bekannten Ermittler heftig attackiert: „Es ist kein Geheimnis, dass es in Deutschland auch kranke Menschen gibt, die sich als Neonazis bezeichnen!“

"Jetzt regen Sie sich bitte ab"

Schließlich unterbrach der Vorsitzende Richter die Sitzung, um die lautstarke Auseinandersetzung zu beenden. „Jetzt machen wir mal fünf Minuten Pause, jetzt regen Sie sich bitte ab.“ Es ist der erste derartige Eklat in dem Prozess gegen die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe und weitere Beschuldigte aus dem Umfeld des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU).

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Nach den Erkenntnissen der Ermittler haben Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den Münchner Lebensmittelhändler Habil Kilic am 29. August 2001 in seinem Geschäft erschossen. „Nach unserer Einschätzung war das eine absolut professionelle Hinrichtung“, sagte Wilfling. „Sie wissen ja, dass unser Erkennungsdienst wirklich akribisch arbeitet. Da wurde jeder Quadratzentimeter abgesucht. Wir fanden außer den Projektilen in dem Laden keine einzige tatrelevante Spur.“

"Heute wissen wirs natürlich besser"

Die Polizei sei auch Hinweisen auf zwei Radfahrer nachgegangen, die in der Nähe des Tatorts im Südosten Münchens gesehen wurden. „Wir mussten sie natürlich als Zeugen suchen, es gab keine Anhaltspunkte, dass sie die Täter sein konnten“, sagte Wilfling. Später fügte er hinzu: „Man darf nicht den Fehler machen, das mit dem heutigen Wissen zu beurteilen. Heute wissen wirs natürlich besser.“

Der frühere Leiter der Münchner Mordkommission, der mehrere Bücher veröffentlicht hat, verteidigte aber auch, dass die Polizei Verbindungen zum Drogenmilieu und zur organisierten Kriminalität geprüft hat. „Jetzt soll man mal bitte nicht so tun, als ob es keine türkische Drogenmafia gibt.“

Nachmittags wurden die Witwe und die Schwiegermutter Kilics als Zeugen gehört. „Wie kann eine solche Sachen passieren?“, sagte die sichtlich aufgebrachte Witwe. „Er hat Brot in der Hand gehabt, als sie ihn erschossen haben. Er wollte sein Geld verdienen, nichts anderes.“ Der Mord an ihrem Mann habe sie aus der Bahn geworfen. Das Geschäft habe sie selbst reinigen müssen. Sie habe den Laden aufgegeben. „Ich konnte das nicht mehr, mit dem ganzen Blut.“ Die Polizei habe sie wie eine Verdächtige behandelt, jahrelang sei sie in ärztlicher Behandlung gewesen.

dpa

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