NSU-Prozess: Ehemalige Nachbarn sagen aus

"Zschäpe war nett, freundlich, hilfsbereit"

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Beate Zschäpe eine "hilfsbereite" Nachbarin?

München - Die Frau - Beate Zschäpe - nett und freundlich, die beiden Männer zurückgezogen mit einer Vorliebe für „Schießspiele“: So beschreibt eine Ex-Nachbarin das mutmaßliche Terror-Trio NSU.

Im Münchner NSU-Prozess hat eine ehemalige Nachbarin die beiden mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt als zurückgezogen, mit Vorliebe zu „Schießspielen“ am Computer beschrieben. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe sei stets sehr nett, freundlich und hilfsbereit gewesen, sagte die 43-jährige Frau aus Zwickau, die in der dortigen Polenzstraße einst direkt über Zschäpe wohnte. Die beiden Männer dort seien dagegen „nur für sich alleine gewesen“. „Mit denen konnte man nicht groß reden.“ Zudem seien die drei „immer viel weg gewesen“ und ein- bis zweimal im Jahr mit einem Wohnmobil weggefahren - an die See, habe Zschäpe dann immer erzählt. Diese habe sich damals als „Lisa“ vorgestellt - Lisa Dienelt war einer von Zschäpes Tarnnamen.

Ferner berichtete die Zeugin, die beiden Männer hätten immer „Schießspiele“ am Computer gemacht. Deshalb hätten sie ein Zimmer der Wohnung sogar eigens mit Dämmwolle ausgekleidet. Die Zeugin verstrickte sich vor Gericht allerdings teilweise in Widersprüche zu der Aussage, die sie gegenüber Ermittlungsbeamten gemacht hatte.

Damals hatte sie von einem Gespräch der Männer berichtet, das sie durch Zufall mitgehört habe. Da hätten sich die beiden darüber unterhalten, dass sie Waffen in der Wohnung hätten und auf Leute schießen würden. Sie habe dann Zschäpe darauf angesprochen. Und die habe dann gesagt, dass das Computerspiele seien - sie habe aber auch eingeräumt, dass die drei Waffen in der Wohnung hätten. Zudem habe Zschäpe erklärt, die Männer seien in einem „Schießverein“. In ihrer Vernehmung vor Gericht betonte die Frau nun, sie habe von Anfang an an Computerspiele gedacht und nicht an echte Waffen.

Auch ein anderer Ex-Nachbar, der einige Hauseingänge weiter wohnte, berichtet von einem Wohnmobil, das dort einmal gestanden sei. Er sprach aber nur von einem Mann, den er dort gesehen habe.

In der Zwickauer Polenzstraße lebte das mutmaßliche Terror-Trio von 2001 bis 2008, bis zum Umzug in die letzte gemeinsame Wohnung in der Frühlingstraße. Die Anklage wirft dem Trio vor, Wohnmobile auf mehreren Fahrten zu Tatorten in der Republik genutzt zu haben.

Möglicherweise werden in dem Prozess Gutachten von Sprachwissenschaftlern als Beweismittel herangezogen, die Zschäpe als Co-Autorin eines NSU-Manifests ausmachen. Mehrere Nebenklage-Anwälte schlossen sich nun einem entsprechenden Antrag von Kollegen an, weil man so zeigen könne, dass Zschäpe die Mordserie ideologisch mitgetragen habe. Die Bundesanwaltschaft hat nichts dagegen einzuwenden, die Gutachten als Beweismittel heranzuziehen. Zschäpes Verteidigung - aber auch ein Nebenklage-Anwalt - lehnte dies ab.

In den Gutachten, die das Magazin „Stern“ in Auftrag gegeben hatte, kommen die Experten zu dem Schluss, dass Zschäpe „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ Co-Autorin des betreffenden NSU-Dokuments ist. Das Papier zeugt von der rassistischen Ideologie des NSU. Die Wissenschaftler hatten das NSU-Dokument auf sprachliche Auffälligkeiten untersucht und mit jüngsten Briefen Zschäpes aus der Haft in München an einen Gesinnungsgenossen verglichen.

Dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) wird die Ermordung neun türkisch- und griechischstämmiger Einwanderer und einer deutschen Polizistin zwischen 2000 und 2007 zur Last gelegt. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe ist die einzige Überlebende des Trios.

dpa

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