Schweres Erdbeben ausgelöst

Nach Nordkoreas Atomtest: USA drohen mit „massiver militärischer Reaktion“

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Donald Trump (r.) ist über die jüngste Provokation von Kim Jong Un gar nicht erfreut.

Sogar in Deutschland wurde die Explosion registriert: Nordkorea hat erneut eine Wasserstoffbombe gezündet und dadurch ein schweres Erdbeben ausgelöst. Die USA und der UN-Sicherheitsrat reagieren.

Seoul/Peking - Mit seinem bislang stärksten Atombombentest hat Nordkorea die internationalen Spannungen um sein Nuklearprogramm gefährlich angeheizt. Das Staatsfernsehen meldete am Sonntag die "erfolgreiche" Zündung einer Wasserstoffbombe, die eine "beispiellose Kraft" entfaltet habe. Die Detonation ließ die Erde im Umkreis von hunderten Kilometern beben und wurde auch in Deutschland seismografisch registriert.

Die Weltgemeinschaft reagierte entzürnt - allen voran natürlich der selbsternannte Erzfeind USA. Washington werde jede Bedrohung seines Territoriums oder seiner Verbündeten durch Nordkorea mit einer "massiven militärischen Reaktion" beantworten, sagte Verteidigungsminister James Mattis unter anderem am Sonntag. 

Der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea spitzt sich dramatisch zu

US-Präsident Donald Trump nannte das Vorgehen Pjöngjangs "sehr feindlich und gefährlich" für die USA und schloss auch eine militärische Reaktion nicht aus: „Wir werden sehen“, antwortete Trump auf entsprechende Fragen in Washington.

Außerdem erwägte er „zusätzlich zu anderen Optionen“ einen totalen US-Handelsstopp mit allen Ländern, die Geschäfte mit Nordkorea betreiben. Das teilte Trump am Sonntag auf Twitter mit. Zuvor hatte er auch eine militärische Reaktion nicht ausgeschlossen. „Wir werden sehen“, antwortete er auf Fragen von Journalisten. Trump wollte im Laufe des Sonntags mit seinem Sicherheitsteam, darunter Verteidigungsminister James Mattis und führende Generäle, zu Beratungen zusammenkommen. 

Auch der UN-Sicherheitsrat reagierte prompt

Der UN-Sicherheitsrat tritt am Montag (16.00 Uhr MESZ) zu einer Sondersitzung zusammen, um über eine Reaktion auf den Test zu beraten. Das Treffen finde auf Antrag der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Japans und Südkoreas statt, erklärten Diplomaten am Sonntag in New York. 

Nordkorea gab an, mit dieser Bombe auch eine Langstreckenrakete bestücken zu können. Den Test wertete Pjöngjang als "absoluten Erfolg". Die Zündung sei ein "sehr bedeutsamer Schritt beim Erreichen des Ziels, die staatliche Nuklearmacht zu vervollständigen", sagte die Nachrichtensprecherin des nordkoreanischen Staatsfernsehens. Das Fernsehen zeigte einen handgeschriebenen Befehl von Machthaber Kim Jong Un zur Zündung der Bombe am Mittag des 3. September nordkoreanischer Zeit.

Bereits wenige Stunden vor der Explosion erklärte Nordkorea, eine Wasserstoffbombe entwickelt zu haben, mit der Interkontinentalraketen bestückt werden könnten. Kim habe im Institut für Atomwaffen eine solche Bombe inspiziert, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA.

Es handele sich um eine "thermonukleare Waffe mit einer außerordentlichen Explosionskraft, geschaffen durch unsere eigenen Anstrengungen und eigene Technologie", zitierte KCNA den Machthaber.

Auf den Test aufmerksam wurde das Ausland zunächst durch ein starkes Erdbeben, das durch die Zündung verursacht wurde: Erdbebenwarten in Südkorea, Japan, China und den USA meldeten ungewöhnliche Stoßwellen, die vom Bereich des nordkoreanischen Atomwaffentest-Geländes Punggye-ri ausgingen. Das Beben hatte demnach die Stärke 6,3.

Nach südkoreanischen Angaben war dies fünf bis sechs Mal stärker als beim letzten Atomwaffentest vor einem Jahr, der bis dahin als der stärkste gegolten hatte.

Deutsche Messstation registriert seismische Signale

Auch in einer Messstation im Bayerischen Wald wurden elf Minuten und 36 Sekunden nach der Explosion seismische Signale von dem 8200 Kilometer entfernten nordkoreanischen Testgelände registriert, wie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover mitteilte. Im Vergleich zu den vorherigen Atomwaffentests Nordkoreas sei bei der aktuellen Explosion eine erhebliche Steigerung festzustellen gewesen.

International wurde der Test scharf verurteilt. Südkoreas Staatschef Moon Jae In forderte die "schärfste Bestrafung" Pjöngjangs. Der UN-Sicherheitsrat müsse weitere Sanktionen verhängen, um Nordkorea "vollständig zu isolieren". Moon kündigte auf einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats an, mit dem Verbündeten USA über die Entsendung der "stärksten strategischen Potenziale des US-Militärs" zu sprechen.

Das chinesische Außenministerium erklärte seine "entschiedene Ablehnung und scharfe Verurteilung" des nordkoreanischen Vorgehens. Peking hatte bereits im vergangenen Monat den neuen scharfen Strafmaßnahmen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt. An seiner Grenze mit Nordkorea ließ China die Radioaktivität messen.

Trump twitterte, Pjöngjang sei eine "große Bedrohung und Peinlichkeit" auch für China, "das versucht zu helfen, aber mit wenig Erfolg". Eine Politik der Befriedung mit Nordkorea "funktioniert nicht".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron forderten eine Verschärfung der EU-Sanktionen. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte, der sechste Atomtest Nordkoreas heize die "ohnehin hochgespannte Lage auf der koreanischen Halbinsel" bewusst weiter an.

Die japanische Regierung legte scharfen Protest bei der nordkoreanischen Botschaft in Peking ein. Das russische Außenministerium warf Nordkorea eine "demonstrative Missachtung" der Vorgaben des UN-Sicherheitsrats vor.

Bereits im Januar 2016 hatte Pjöngjang erklärt, erstmals eine Wasserstoffbombe erfolgreich getestet zu haben. Damals bezweifelten Experten allerdings, dass es sich bei dem Atomtest tatsächlich um eine Wasserstoffbombe gehandelt habe. Solche Bomben sind technisch außerordentlich kompliziert herzustellen und potenziell besonders verheerende Nuklearwaffen, da sie eine weit stärkere Explosionskraft haben als herkömmliche Atombomben.

Nordkorea arbeitet derzeit offenbar daran, seine Bomben so zu verkleinern, dass sie als Sprengköpfe auf Interkontinentalraketen montiert werden können. Damit könnten sie auch die USA erreichen.

Hintergrund: So funktioniert die Wasserstoffbombe

Wasserstoffbomben sind potenziell besonders verheerende Nuklearwaffen. Anders als einfache atomare Sprengsätze beziehen sie den Großteil ihrer Zerstörungskraft nicht aus der Spaltung von Uran- oder Plutoniumkernen, sondern aus der Verschmelzung (Fusion) von Kernen des Elements Wasserstoff. Während dieses Prozesses, der auch die Sonne antreibt, werden gigantische Energiemengen frei. 

Um die für eine Kernfusion nötigen extremen Temperaturen und Druckverhältnisse zu erzeugen, ist eine Nuklearexplosion nötig. Wasserstoffbomben sind daher zweistufig aufgebaut, wobei ein Atom-Sprengsatz als eine Art "Zünder" für den Fusionsvorgang dient. 

Bei diesem werden in der Bombe mitgeführte Kerne der Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium derartig stark verdichtet, dass sie verschmelzen. Mit Wasserstoffbomben lassen sich weit stärkere atomare Explosionen erzeugen als mit einstufigen Atombomben, die konstruktionsbedingten Beschränkungen unterliegen. Weil Kernfusionsvorgänge weitaus mehr Energie freisetzen als Kernspaltungsprozesse, können bei gleichen Abmessungen so außerdem stärkere Bomben konstruiert werden. Bomben nach dem Fusionsprinzip gelten deshalb als effizienter.

Der Bau einer Fusionsbombe ist aufgrund ihres äußerst komplexen inneren Aufbaus jedoch erheblich schwieriger als der eines Kernspaltungs-Sprengsatzes. Die Staaten, die in den vergangenen Jahren in den Kreis der Atommächte aufstiegen, verfügen nach Überzeugung von namhaften Experten aller Wahrscheinlichkeit nach bislang nicht über einsatzfähige Waffen diesen Typs - auch wenn Indien und jetzt auch Nordkorea dies behaupteten. Die erste zweistufige echte Wasserstoffbombe der Welt wurde von den USA am 1. November 1952 im Pazifik getestet (Operation Ivy Mike), die Sowjetunion folgte im Jahr darauf. Diese Waffen waren aber eher Prototypen, die für Einsätze noch nicht geeignet waren. Militärisch nutzbare Bomben hatten die beiden Supermächte erst etwas später. In Kriegen eingesetzt wurden diese bisher nie.

dpa/afp

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