“Hau ab!“

Merkel im Wahlkampf massiv ausgepfiffen: Das sagt die Kanzlerin zum Eklat

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Angela Merkel sah sich am Mittwoch im brandenburgischen Finsterwalde lautstarkem Protest ausgesetzt

Angela Merkel wurde am Mittwoch bei einem Wahlkampfauftritt in Torgau massiv ausgebuht und ausgepfiffen. So reagiert die Kanzlerin auf den Eklat.

Torgau/Hannover - Schon bevor Angela Merkel auf dem Marktplatz im nordsächsischen Torgau ankommt, grölen Anhänger von NPD und AfD - dann brüllen sie die Kanzlerin während ihrer gesamten Rede nieder. Für Merkel war der Mittwochabend einer der schwersten der bisherigen Wahlkampftour: Auch im brandenburgischen Finsterwalde wurde sie später am Abend mit einem lauten Pfeifkonzert empfangen, das ihre gesamte Rede über andauerte. Im Publikum kam es zu Gewalttätigkeiten, zwei Männer zeigten auch den Hitlergruß und wurden festgenommen.

Merkel zog in beiden Städten ihre gut 30-minütige Rede unter anderem über Steuerpolitik, Anti-Terrorkampf und Bildungschancen aber unbeirrt durch - trotz „Buh“- und „Volksverräter“-Rufen. Auch „Abwählen“ und „Hau ab“ wurde geschrien.

Merkel will nicht klein beigeben: „Viele Menschen brauchen Ermutigung“

Einen Tag später stellt Merkel nun klar: Sie will sich von Protesten auf ihren Wahlkampfveranstaltungen nicht unterkriegen lassen. „Mir ist es wichtig, auch immer wieder dorthin zu fahren, wo ich nicht nur freundlich empfangen werde“, sagte die CDU-Vorsitzende den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

„Viele Menschen, die sich den Trillerpfeifenkonzerten und den Sprechchören nicht anschließen, brauchen Ermutigung dafür, weiter Zivilcourage zu zeigen und dem Hass entgegenzutreten.“ Merkel sagte, gerade in ihrem Wahlkreis suche sie immer wieder das Gespräch mit Kritikern. „Aber wenn jemand nur noch pfeift und brüllt, dann kann man nicht mehr gut reden“, sagte sie.

Tillich sprang der Kanzlerin bei

Bereits in Torgau hatte Merkel gleich zu Beginn indirekt das Wort an die wütenden Protestierer gerichtet: Andere Länder würden sich freuen, „wenn sie unter so demokratischen Bedingungen demonstrieren könnten“. Sie mahnte: „Und deshalb können wir dankbar sein, dass wir heute Demokratie haben in Deutschland und freie Wahlen. Andere Völker träumen davon.“

Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) ging ungewöhnlich deutlich und ohne Umschweife auf die Hasstiraden der schreienden Menge ein. Diese Menschen seien nicht in der Lage, sich einer Debatte zu stellen, sondern machten „nur Radau und Krawall“. Tillich: „Diese Republik wird nicht durch Brüllerei vorwärtskommen.“ Auch der örtliche Direktkandidat der CDU, Marian Wendt, wandte sich gegen die „Schreihälse“ unter den nach Polizeiangaben 1200 Menschen auf dem Platz.

Mehrere hundert Merkel-Gegner machten Lärm

Schätzungen zufolge waren mehrere hundert Merkel-Gegner dort. Sie hupten, pfiffen und schrien rund um den Veranstaltungsplatz - auch in unmittelbarer Nähe zur Bühne. Insgesamt waren drei Gegendemonstrationen angemeldet. Die Alternative für Deutschland kam mit einem Bus in die Stadt an der Elbe, NPD-Anhänger hielten Plakate hoch. Auch die rechtsradikale Thügida aus Thüringen war mit einem Lautsprecherwagen vor Ort.

Merkel warb eindringlich dafür, zur Bundestagswahl zu gehen. „Sie spüren ja hier auf diesem Platz: Es wird am 24. September darauf ankommen.“ Alle müssten sich genau überlegen, mit wem sie „gut und gerne in Deutschland leben können“. Die CDU mache nicht immer alles richtig, aber sie könne Politik für die Menschen machen.

In der brandenburgischen Kleinstadt Finsterwalde grölten Störer „Merkel muss weg“ und „Hau ab!“, jede Menge Trillerpfeifen waren zu hören. Auf Plakaten standen Aufschriften wie „Schnauze voll“, „Grenzen dicht“, „Bananenrepublik“ oder „Merkel wählen heißt Deutschland weiter quälen“. Gleichzeitig applaudierten aber auch Hunderte Besucher der Kanzlerin zu, als sie auf die Bühne auf dem Marktplatz ging. Das Pfeifkonzert ebbte nicht ab, Merkel blieb unbeeindruckt.

Am Dienstag war Merkel im baden-württembergischen Heidelberg mit Tomaten beworfen worden. Bei ihrem ersten Auftritt in Sachsen Mitte August in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge war sie ebenfalls mit massiven Protesten aus dem AfD- und Pegida-Umfeld empfangen worden.

In ihrer Sommer-Pressekonferenz am 29. August hatte die aus der DDR stammende CDU-Vorsitzende erklärt: „Ich finde es besonders wichtig, dass ich deshalb in vielen Städten der neuen Bundesländer auftrete, weil ich gerade auch Menschen ermutigen möchte, dorthin zu kommen und eben auch Flagge gegen das Gebrüll zu zeigen, dass es da ja zum Teil gibt. Damit muss man leben. Das ist Demokratie.“

dpa/fn/Video: Glomex

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