Merkel ehrt Mohammed-Karikaturist

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Links: Dänische Zeitungen zeigen die umstrittene Mohammed-Karikatur, die den Propheten als finsteren, vollbärtigen Mann mit einer Bombe samt brennender Zündschnur im Turban porträtiert. Kanzlerin Merkel (CDU) wird den Karikaturisten auszeichnen. 

Potsdam - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Mittwochabend in Potsdam einen Medienpreis an den dänischen Zeichner Kurt Westergaard überreichen. Der mit seinen Mohammed-Karikaturen einen Proteststurm in der islamischen Welt entfacht.

Der dänische Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard erhält in diesem Jahr den Medienpreis der Potsdamer Journalistenvereinigung M100. “Westergaard ist zum Symbol der Presse- und Meinungsfreiheit geworden“, sagte Potsdams Oberbürgermeister Jann Jacobs (SPD). Der 75-Jährige werde für sein unbeugsames Eintreten dieser demokratischen Werte geehrt und dafür, dass er sie trotz Gewalt- und Todesdrohungen verteidige.

Merkels Mimik

Merkels Mimik

In Anwesenheit von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird Westergaard für sein Engagement für die Meinungsfreiheit ausgezeichnet. In zahlreichen Kommentaren wurde dies als wagemutiger Auftritt der Kanzlerin gewertet. Denn es steht zu erwarten, dass am Mittwochabend auch ein Foto zustande kommt, welches die Kanzlerin neben dem Mohammed-Karikaturisten zeigt. Dies könne in der islamischen Welt als Provokation angesehen werden. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" schreibt Feuilletonist Nils Minkmar: "Die Folgen eines solchen Fotos sind unabsehbar: Noch immer haben Islamisten ein Kopfgeld auf den fünfundsiebzigjährigen dänischen Karikaturisten ausgesetzt, noch immer reicht die Erwähnung seines Namens und seines Werks, insbesondere des Propheten mit der Bombe im Turban, um fast in jedem islamisch geprägten Land wütende Massen auf die Straße zu treiben."

Joachim Gauck hält Laudatio

Die undotierte Auszeichnung wird an diesem Mittwoch in Potsdam im Rahmen des M100 Sanssouci Colloquiums verliehen. Westergaard wird nach Angaben der Veranstalter trotz des hohen Sicherheitsrisikos anwesend sein.

Der Preis wird jährlich an Persönlichkeiten vergeben, die aus Sicht des Colloquiums in Europa und der Welt “Fußspuren“ hinterlassen haben. Die Laudatio für den diesjährigen Preisträger wird der langjährige Beauftragte für die Stasiunterlagen, Joachim Gauck, halten.

Polizeischutz für Karikaturisten

Westergaard steht unter Polizeischutz seit seiner umstrittenen Mohammed-Zeichnung, die den Propheten mit einer Bombe als Turban zeigt. Diese war im September 2005 in der dänischen Tageszeitung “Jyllands-Posten“ erschienen, was weltweit zu teils gewalttätigen Protesten in der islamischen Welt geführt hatte.

Mit dem Medienpreis wurden bislang unter anderen der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt geehrt. Auch der irische Musiker und Organisator von Benefizkonzerten, Bob Geldof, erhielt die Auszeichnung des M100 Sanssouci Colloquiums.

Dieses wurde als Forum konzipiert, um europäische Chefredakteure, Kommentatoren und Medienmacher mit Schlüsselfiguren der Öffentlichkeit zusammenzubringen. Der Austausch zwischen Medienschaffenden soll dadurch unterstützt werden. Die Stadt Potsdam gehört zu den Veranstaltern. Zentrales Thema der diesjährigen Konferenz ist die Pressefreiheit in Europa.

fro/dpa

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