USA machen Druck auf Teheran - neue Anschläge befürchtet

Washington - Die USA vermuten, dass der Iran hinter dem Mordkomplett gegen den saudiarabischen Botschafter in Washington steckt. Der beschuldigte Staat weist die Vorwürfe als “kindisches Spiel“zurück.

Ein mutmaßliches Mordkomplott gegen den saudiarabischen Botschafter in Washington soll nach dem Willen der USA eine neue Runde internationaler Sanktionen gegen den Iran zur Folge haben. Die US-Regierung sprach von einem “flagranten Verstoß“ gegen internationale Abkommen, legten aber keine Begründung vor, warum Teheran mit Hilfe der mexikanischen Rauschgiftmafia Botschafter Adel Al-Dschubair umbringen lasse wollte. Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani wies die Vorwürfe als “kindisches Spiel“ zurück.

Das mutmaßliche Mordkomplott war am Dienstag von Justizminister Eric Holder, FBI-Direktor Robert Mueller und dem US-Bundesstaatsanwalt in Manhattan, Preet Bhahara, auf eine Pressekonferenz bekannt gemacht worden. Iranische Agenten einer Spezialeinheit der Revolutionsgarde hätten bei einem mexikanischen Drogenkartell einen Auftragsmörder anheuern wollen. Gespräche über den Plan seien von verdeckten Ermittlern mitgeschnitten worden. Demnach sollte eine Bombe in dem Restaurant gezündet werden, in dem der Botschafter Stammgast ist. Mueller sagte, dabei hätte es viele Tote geben können.

"Das kann doch niemand erfinden, oder?"

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte in einem Interview, ein iranisches Dementi sei erwartet worden. “Wir wollen unserem Freunden versichern, dass die Vorwürfe gegen den Iran wohlbegründet sind“, betonte sie. “Die Vorstellung, dass sie zu einem mexikanischen Drogenkartell gehen, um einen Auftragskiller anzuheuern, um den saudiarabischen Botschafter zu ermorden - das kann doch niemand erfinden, oder?“

Clintons State Department gab am Dienstagabend eine Terrorwarnung für alle Amerikaner im Ausland heraus. In der veröffentlichten Warnung hieß es, nach dem aufgedeckten Komplott sehe die US-Regierung Hinweise auf einen “aggressiveren Fokus der iranischen Regierung bei terroristischen Aktivitäten gegen Diplomaten aus verschiedenen Staaten“. Dies schließe auch Anschläge in den USA ein. Die Warnung gelte bis zum 11. Januar 2012.

Das New Yorker Bundesgericht erhob am Dienstag Anklage gegen einen 56-jährigen US-Bürger mir iranischem Pass, Manssor Arbabsiar, und das mutmaßliche Mitglied der iranischen Spezialeinheit Al-Kuds, Gholam Schakuri.

Codename “Chevrolet“

Arbabsiar lebte nach Behördenangaben seit Jahrzehnten im US-Staat Texas. Zuletzt wohnte er in der Ortschaft Round Rock nördlich von Austin, davor in der Region Dallas/Fort Worth und in Corpus Christi. Die Angeklagten sollen in Mexiko ein vermeintliches Mitglied eines Drogenkartells als Auftragsmörder angeheuert haben. Der Mann war jedoch Informant der US-Drogenbehörde DEA und verriet die Anschlagspläne unter dem Codenamen “Chevrolet“ an die US-Behörden.

Es habe keine Gefahr bestanden, erklärte Bharara. Arbabsiar wurde Ende September am New Yorker John F. Kennedy Flughafen festgenommen. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Schakuri befindet sich im Iran auf freiem Fuß.

Arbabsiar habe eingeräumt, dass er von einem ranghohen Al-Kuds-Mitglied den Auftrag erhalten habe, einen Auftragsmörder für den Anschlag auf Botschafter Adel Al-Dschubeir anzuheuern, hieß es in den Ermittlungsakten. Das US-Finanzministerium verhängte am Dienstag Sanktionen gegen Arbabsiar und Schakuri sowie vier weitere Al-Kuds-Offiziere.

US-Präsident Barack Obama rief am Dienstag Al-Dschubair an und versicherte ihm die Solidarität der USA. Das Mordkomplott sei ein flagranter Verstoß gegen amerikanisches und internationales Recht. Saudi-Arabien bedankte sich bei den USA für die Aufdeckung des Komplotts.

Laridschani: Kein Grund “für solche kindischen Akte“

Laridschani sprach dagegen von einem Versuch der USA, von eigenen Problemen abzulenken. “Das sind billige Vorwürfe. Indem sie ihnen eine große Medienberichterstattung geben, wird klar, dass sie ihre eigenen Probleme überspielen wollen.“ Teheran habe normale Beziehungen mit Saudi-Arabien. “Es gibt keinen Grund für den Iran, solche kindischen Akte auszuführen.“

Die US-Regierung erklärt seit langem, im Umgang mit dem wegen seines Atomprogramms unter internationalem Druck stehenden Iran würden keine Optionen ausgeschlossen. Aus Regierungskreisen verlautete nach den jüngsten Vorwürfen, zunächst gehe es Washington vor allem um eine Verstärkung des diplomatischen und wirtschaftlichen Drucks gegen Teheran.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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