Vor Bund-Länder-Treffen

Lockdown vor Verlängerung? Signal von Angela Merkel - Virologin mit düsterer Prognose

Der Corona-Lockdown läuft am 14. Februar aus. Geht er in die Verlängerung? Oder doch Lockerungen? Kanzlerin Angela Merkel sendet Signale. Eine Virologin wird sehr deutlich.

Hamm - Die Corona-Zahlen sinken beständig seit Mitte Januar - und doch deutet vor dem nächsten Gipfel von Bund und Ländern alles darauf hin, dass der bis zum 14. Februar befristete Lockdown in die Verlängerung geht. Die Zeichen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel, führende Virologen und Spitzenpolitiker aussenden, sprechen gegen Lockerungen der aktuellen Corona-Regeln. Die Virologin Melanie Brinkmann zeichnet sogar ein düsteres Bild - und macht einen Vorschlag. (News zum Coronavirus)

NameMelanie Brinkmann
BerufWissenschaftlerin/Virologin
Geboren6. Januar 1974 in Neustadt am Rübenberge

Corona-Lockdown vor Verlängerung? Zeichen von Angela Merkel und Virologin Melanie Brinkmann

Wann ist Schluss mit dem Corona-Lockdown? Das fragen sich seit Wochen Millionen Menschen in Deutschland. Der Corona-Gipfel am 10. Februar mit Angela Merkel und den Länderchefs um Armin Laschet (NRW) wird eine Antwort auf die Frage nach Verlängerung oder Lockerungen geben.

Wer die Zeichen der vergangenen Tage richtig liest, macht sich wenig Hoffnungen auf ein Ende des Lockdowns. Der Interview-Marathon der medial sonst zurückhaltenden Angela Merkel in den vergangenen Tagen macht den Eindruck, als wolle die Kanzlerin die Bevölkerung schon auf die Nachricht vorbereiten, dass auch ab dem 15. Februar Schulen, Gastronomie, Einzelhandel, Friseure und mehr geschlossen bleiben werden.

Verlängerung des Corona-Lockdowns: Merkel pocht auf Inzidenz unter 50 in Deutschland

In einem Interview mit den TV-Sendern RTL und n-tv dämpfte Angela Merkel erneut die Erwartungen auf Lockerungen. Sie wolle dem Bund-Länder-Gipfel zwar nicht vorgreifen, aber: „Ich kann es Ihnen nicht sagen, was wir am Mittwoch machen.“ Merkel warnte vor einem Jojo-Effekt durch Öffnungen, die zu einem Anstieg der Corona-Neuinfektionen führen und damit wieder Schließungen nach sich ziehen. Ähnlich äußerte sich Angela Merkel im Interview mit der ARD.

Merkel pocht weiter auf eine klare Senkung der Zahl der Neuinfektionen unter 50 pro 100.000 Einwohner in der Woche. „Da sind wir noch nicht“, sagte sie bei RTL und n-tv. Die Inzidenz-Prognose sagt: Da wird Deutschland auch noch lange nicht sein, wenn die Spitzen der Politik am 10. Februar über die Lockdown-Verlängerung sprechen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), sehen in den sinkenden Corona-Zahlen keinen Grund für voreilige Lockerungen im Corona-Lockdown.

Verlängerung des Corona-Lockdowns: Virologin Melanie Brinkmann für harte Regeln

Verlängerung des Lockdowns oder Lockerungen bei der Inzidenz unter 50? Dazu findet die Virologin Melanie Brinkmann (47) vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig klare Worte. Lockerungen der Corona-Einschränkungen bei einer Inzidenz von knapp unter 50 seien „fatal“, sagte sie im Interview mit dem Spiegel. „Die Zahlen würden sofort wieder steigen. So eine Mittelinzidenz bedeutet letztlich eine Art Dauer-Lockdown, aus dem man nur zwischendurch mal kurz auftauchen und nach Luft schnappen kann“, sagte Brinkmann.

Melanie Brinkmann, Virologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, äußert sich zum Corona-Lockdown.

Sie plädiert für eine Verlängerung des Lockdowns und schlägt eine konsequent durchgesetzte Kontaktvermeidungsstrategie vor, um die Inzidenz schnell unter 10 zu drücken. „Die Gesundheitsämter könnten wirklich wieder Infektionsketten nachverfolgen, und wir alle bekämen unser Leben zurück. Zumindest ein Leben, so ähnlich wie im Sommer 2020“, sagte Brinkmann dem Spiegel. Das „Larifari“ des „Hier ein bisschen Homeoffice, dort ein improvisiertes Hygienekonzept“ müsse aufhören.

Die Virologin gehörte zum Beraterstab von Angela Merkel vor den Bund-Länder-Beratungen Mitte Januar und ist Anhängerin der „No Covid“-Strategie.

Virologin Melanie Brinkmann: „Mutante aus Großbritannien wird uns überrennen“

Hoffnung auf schnelle Effekte der Corona-Impfung hat Melanie Brinkmann nicht. Es könnten niemals genügend Menschen geimpft werden, „bevor die Mutanten durchschlagen“. Dieser Wettlauf sei längst verloren. „Die Mutante aus Großbritannien und andere werden uns überrennen, das Virus hat einen Raketenantrieb bekommen“, sagte sie dem Spiegel. Die neue Virusvariante laufe sich im Hintergrund warm, ohne dass wir das schon klar erkennen könnten.

Brinkmanns Fazit: „Corona wird uns 2022 noch beschäftigen – wahrscheinlich darüber hinaus.“

Rubriklistenbild: © Michael Sohn/dpa

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