Oskar Lafontaine tritt nicht mehr an

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Oskar Lafontaine.

Saarbrücken - Der frühere Parteichef der Linken, Oskar Lafontaine, tritt nicht zur Bundestagswahl an. Das kündigte der langjährige Spitzenpolitiker aus dem Saarland am Montag an.

Die mehr als 20-jährige bundespolitische Karriere von Oskar Lafontaine geht zu Ende. Nach langem Zögern kündigte der frühere Parteichef der Linken am Montag in Saarbrücken an, er werde sich bei der Bundestagswahl am 22. September nicht um ein Mandat bewerben.

Er sehe keine „Realisierungschancen“ für ein Konzept zur Neuordnung der europäischen Finanzmärkte, gab Lafontaine als Hauptgrund für seine Entscheidung an. Vor allem die West-Landesverbände hatten den 69-Jährigen gedrängt, erneut zu kandidieren, um die Chancen der Linken bei der Wahl zu erhöhen.

Lafontaine ist seit mehr als 40 Jahre in der Politik, die Hälfte der Zeit davon auf Bundesebene - zunächst für die SPD, dann für die von ihm mitgegründete Linke. Zuletzt war er 2009 in den Bundestag eingezogen, hatte sich aber nach einer Krebserkrankung zurückgezogen und führt seither die Linken-Fraktion im saarländischen Landtag.

Lafontaine wird "wichtige Unterstützung im Wahlkampf der Linken leisten"

Die Bundesspitze der Linken bedauerte Lafontaines Verzicht auf eine Bundestagskandidatur. Parteichef Bernd Riexinger sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“ vom Dienstag: „Er steht anders als Trittin oder Steinbrück wirklich für eine Alternative zu Merkels Euro-Regime.“ Lafontaine werde aber Wahlkampf für die Linke machen.

Fraktionschef Gregor Gysi zeigte sich in der Tageszeitung „Die Welt“ vom Dienstag überzeugt, dass Lafontaine „als herausragender Politiker eine wichtige Unterstützung im Wahlkampf der Linken leisten wird“. Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn erklärte, die Partei sei auch ohne Lafontaine als Kandidat für die Bundestagswahl gut aufgestellt.

Oskar Lafontaine: Seine politischen Stationen

Oskar Lafontaine: Seine politischen Stationen

Lafontaine erklärte, Enttäuschung über den innerpartlichen Streit vor allem mit seinem einstigen Verbündeten Gysi gebe es nicht. Er sehe derzeit aber keine Chancen, etwas zu bewegen: „Wenn man sich längere Zeit etwas aufbürdet, dann muss man ein Ziel haben.“ Er sei bereit, sich vor allem inhaltlich und programmatisch auch in der Bundespolitik einzubringen. Ein Mandat oder ein Amt in der Partei strebe er aber nicht mehr an.

Im saarländischen Landtag will Lafontaine bis zum Ende der Legislaturperiode 2017 Vorsitzender der Linken-Fraktion bleiben. Linken-Landeschef Rolf Linsler erklärte: „Oskar Lafontaine ist und bleibt unser großes Zugpferd nicht nur im Westen Deutschlands. Und wir sind froh und stolz, dass er uns mit seiner Kraft und seiner Erfahrung auch hier im Saarland zur Verfügung steht.“

Die Saar-Linken stellen am 5. Mai als letzter Linken-Landesverband ihre Landesliste für die Bundestagswahl auf. Dabei gilt nur der erste Platz als sicher. Neben den beiden Bundestagsabgeordneten Thomas Lutze und Ivonne Ploetz hat auch die Pressesprecherin der Linken-Fraktion im Saar-Landtag, Ex-Tennisstar Claudia Kohde-Kilsch, Interesse an dem Spitzenplatz angemeldet.

dpa

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