Lässt Bundeswehr Soldaten im Stich?

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Reinhold Robbe

Hamburg - Der Wehrbeauftragte im Bundestag, Reinhold Robbe, erhebt schwere Vorwürfe. Nach seiner Ansicht lässt die Bundeswehr traumatisierte Soldaten im Stich.

Psychische Verletzungen bei Bundeswehrsoldaten werden nach Aussage des noch amtierenden Wehrbeauftragten Reinhold Robbe nur selten als Beschädigung im Wehrdienst anerkannt. Vor allem im Einsatz traumatisierte Soldaten stünden mit ihren Erkrankungen oft allein da, sagte Robbe dem ARD-Politikmagazin “Panorama“ zufolge. Es sei verheerend, dass die Betroffenen “im Stich gelassen“ würden. Bis heute haben nach Auskunft des scheidenden Wehrbeauftragten etwa 600 Soldaten einen Antrag auf Wehrdienstbeschädigung wegen einer Posttraumatischen Belastungsstörung eingereicht.

Die psychische Erkrankung tritt etwa bei Soldaten im Auslandseinsatz ein, wenn sie den Tod oder die Verwundung eines Kameraden miterleben. Typisch für diese Fälle sind dem Bericht zufolge eine lange Verfahrensdauer und eine geringe Anerkennungsquote. Zudem spielten bei den Beurteilungen externe und zivile Gutachter eine erhebliche Rolle. Unter Beschuss zu stehen, könne für einen Soldaten im Auslandseinsatz nicht als außergewöhnlich belastend angesehen werden.

“Entscheidung immer erst für den Staat“

Robbe kritisiert laut Bericht die Vergabe von Gutachten “an Sachverständige, die von militärischer Materie offensichtlich keine Ahnung haben“. Hier müsse unterstellt werden, dass der Dienstherr, der einen Auftrag gebe, ein bestimmtes Ergebnis haben wolle, wird der Wehrbeauftragte weiter zitiert. Er habe manchmal den Eindruck, dass in den “Wehrdienstbeschädigungsverfahren immer erst einmal für den Staat entschieden wird und gegen den betroffenen Patienten“.

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Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass sich mit 466 Soldaten im Jahr 2009 fast doppelt soviel wie 2008 (245) in psychologische Betreuung begaben, weil sie meist im Auslandseinsatz ein traumatisierendes Erlebnis hatten. Im Februar 2009 hatte der Bundestag in einem fraktionsübergreifenden Beschluss die Einrichtung eines Therapiezentrums in Auftrag gegeben. Kritiker bemängeln allerdings, dass die entsprechenden Bemühungen angesichts der Entwicklung nur schleppend voranschritten. Der zuständige Sprecher des Verteidigungsministeriums war bis zum Mittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

dapd

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