Laschet scheut Wahlkampf-Mittel

Noch immer Söder gegen Laschet? CSU-Aktion verärgert CDU - „unfreundlicher Akt“

Kanzlerkandidat Laschet ist als Sieger aus dem Unions-Machtkampf hervorgegangen. Doch noch sind nicht alle CDU/CSU-Anhänger begeistert. Der News-Ticker.

  • Armin Laschet* ist Kanzlerkandidat der Union. Doch in der Parteibasis ist die Stimmung gedrückt.
  • Eine Abgeordnete berichtet von Vorgängen in WhatsApp-Gruppen (siehe Erstmeldung).
  • Der Ministerpräsident aus Schleswig-Holstein übt Kritik am Ablauf der vergangenen Woche (siehe Update vom 21. April, 20.20 Uhr).
  • Der News-Ticker wird fortlaufend aktualisiert.

Update vom 23. April, 18.15 Uhr: Markus Söder hat ein Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Wochenendausgabe) zu weiteren Breitseiten gegen Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet genutzt. Ihn habe „die Begründung der Kandidatur“ des CDU-Chefs „nicht überzeugt“. Er wiederholte seine Einstellung, dass es „keinen persönlichen Bruch zwischen uns“ geben werde. Allerdings stellte der CSU-Vorsitzende fest, er und Laschet hätten „ein unterschiedliches Verständnis von Demokratie und Programm“.

Es sei heute nicht mehr klug, „eine Politik ‚Helmut Kohl 2.0‘ aus der Vergangenheit zu machen“. Söder äußerte gleichwohl die Erwartung, dass die Union mit Laschet als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl am 26. September ein Ergebnis „deutlich über 30 Prozent“ erreichen werde. Für den Fall eines Wahlerfolgs forderte der CSU-Chef, ein künftiges Kabinett müsse „paritätisch“ mit Frauen und Männern besetzt werden. Auch müssten „deutlich mehr Vertreter der neuen Länder“ zum Zuge kommen und es müsse sich in der Regierung „die Realität der Migration abbilden“.

Zugleich betonte Bayerns Ministerpräsident seine neue Nähe zu den Grünen. So wünsche er sich eine Koalition mit der Ökopartei - sollte das Wahlergebnis dies ermöglichen: „Natürlich wäre die FDP der leichtere Partner. Aber die Grünen sind der spannendere“, gab Söder zu bedenken. „Es reicht nicht, Umwelt nur als Deko zu verstehen. Sie ist zentral“, hob er weiter hervor.“

Söder contra Laschet: CSU-Chef lobt Baerbocks „frische und moderne Kandidatur“

Zu Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sagte der CSU-Chef, sie habe zwar keine Regierungserfahrung, „aber sie hat ihre Lebenserfahrung, und das Modell einer jungen Kandidatin hat in Finnland, Dänemark und Neuseeland viele Anhänger gefunden“. Er, Söder, nehme Baerbocks „frische und moderne Kandidatur sehr ernst“.

Seine eigene Bewerbung um die Kanzlerkandidatur der Union begründete Söder damit, dass es eine „massive Aufforderung aus der CDU und der Bevölkerung“ gegeben habe. „Wenn die Erwartungen der Menschen derart hoch sind, darf man sich nicht wegducken“, sagte er der SZ. Es sei jedoch nie sein „persönlicher Karriereplan“ gewesen, Kanzler zu werden.

Kritisch äußerte sich Söder dazu, dass der CDU-Vorstand in der Nacht zum vergangenen Dienstag für Laschet gestimmt habe, ohne auf die Stimmung der Basis Rücksicht zu nehmen: „Den Glauben, dass politische oder personelle Entscheidungen heute noch in den Gremien völlig unabhängig von der Basis und den Erwartungen der Menschen gemacht werden können, halte ich nicht für zeitgemäß.“ Gleichwohl habe er das Votum des CDU-Vorstands akzeptiert, um „einen schweren Riss“ in der Union zu vermeiden.

Update vom 23. April, 14.15 Uhr: Armin Laschet will im bevorstehenden Bundestagswahlkampf kein Schattenkabinett aufstellen. „Neben einer amtierenden Bundesregierung ein Schattenkabinett ist nicht ganz so einfach“, sagte der CDU-Vorsitzende am Freitag bei den Familienunternehmer-Tagen 2021. „Wir sind ja keine Oppositionspartei, die mit einem Schattenkabinett kommt.“

Der NRW-Ministerpräsident betonte gleichzeitig: „Ich finde, man muss erkennbar Persönlichkeiten zeigen, die nach der Wahl eine wichtige Rolle spielen.“ Mit Blick auf seinen unterlegenen Rivalen bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden, Friedrich Merz, sagte Laschet: „Er wird mit in einer starken Aufstellung für die Bundestagswahl sein.“

Merz selbst hat sich kurz vor dem Wochenende mit klaren Äußerungen gegen Grüne-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und „Gendersprache“* zu Wort gemeldet - und Wahlkampfauftritte in Ostdeutschland angekündigt.

Die CSU hat unterdessen nach ihrer Aufforderung zur Unterstützung des im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur unterlegenen Parteichefs Markus Söder allein an einem Tag mehr als tausend Neumitglieder gewonnen. Es seien am Donnerstag mehr als tausend Anträge auf Onlinemitgliedschaft der CSU eingegangen, sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume der Bild-Zeitung von Freitag. Davor hatte die CSU bereits von mehreren hundert Anträgen an den vergangenen Tagen gesprochen. Die Werbeoffensive der CSU verärgert dem Bericht zufolge die größere Schwesterpartei. Die Aktion werde CDU-intern als unfreundlicher Akt gesehen, sie sei „überflüssig gewesen“, zitierte die Bild einen namentlich nicht genannten Vertreter der CDU-Spitze.

Geht Söder gegen Laschet jetzt in die nächste Runde? CSU wirbt jetzt auch außerhalb Bayerns um Mitglieder

Update vom 22. April, 15.17 Uhr: Die CSU wirbt nach dem verlorenen Machtkampf von Parteichef Markus Söder um die Kanzlerkandidatur offensiv um Parteimitglieder außerhalb Bayerns. „Markus Söder unterstützen? Bei uns möglich!“, schrieben die Christsozialen am Donnerstag auf ihrem offiziellen Twitter-Account. Damit macht die CSU Werbung für ihre Onlinemitgliedschaft. CSU-Generalsekretär Markus Blume hieß zudem einen Mann aus Schleswig-Holstein willkommen, der nach eigenen Angaben als „deutliches Zeichen“ Onlinemitglied wurde.

Die Christsozialen wollen damit offensichtlich ein Ventil für alle bieten, die lieber Söder als CDU-Chef Armin Laschet als Kanzlerkandidat gehabt hätten und von der Entscheidung des CDU-Bundesvorstands enttäuscht sind. Eine von manchen entweder ersehnte oder befürchtete bundesweite Ausdehnung der CSU ist mit dieser digitalen Mitgliedschaft allerdings nicht verbunden - auch wenn die Nachfrage der Anträge „sprunghaft“ gestiegen sei, wie die CSU auf Anfrage der dpa erklärt. Konkrete Zahlen könne man wegen der zeitversetzten Erfassung und Bearbeitung der Anträge allerdings noch nicht nennen. 

Die Onlinemitgliedschaft hatten die Christsozialen im vergangenen Jahr gestartet. Sie ist mit einem Jahresbeitrag von 60 Euro um 20 Euro günstiger als die Vollmitgliedschaft. Onlinemitglieder haben aber weder ein Wahl- und Stimmrecht bei Versammlungen, noch können sie für CSU-Gremien kandidieren oder an örtlichen Veranstaltungen teilnehmen.

Möglich ist ein Zugang zum internen Mitgliederbereich, die Teilnahme an digitalen Events und digitale Parteiarbeit. Erstes Onlinemitglied der CSU wurde im vergangenen September CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak - damals lag der Machtkampf zwischen Laschet und Söder aber noch in weiter Ferne.

Junge Union: Gemeinsam mit Laschet Wahlkampf machen - „Söder wird gebraucht“

Update vom 22. April, 12.57 Uhr: Die Junge Union (JU) hat sich nach der Entscheidung für CDU-Chef Armin Laschet im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur für einen Schulterschluss der Mutterparteien CDU und CSU ausgesprochen. Es sei nun die Aufgabe aller, mit Laschet die Unionsgemeinschaft „wieder zusammenzuführen und dafür zu sorgen, dass es keine Verlierer in der Union gibt“, sagte JU-Chef Tilman Kuban am Donnerstag bei einem gemeinsamen Online-Auftritt dem Landesvorsitzenden der Jungen Union Bayern, Christian Doleschal. Die JU habe mit CSU-Chef Markus Söder zwar mehrheitlich einen anderen Kandidaten unterstützt - „aber auch immer deutlich gemacht, dass wir gemeinsam mit CDU und CSU und dem Kanzlerkandidaten in den Wahlkampf ziehen werden“, sagte Kuban. Es zeichne Söder aus, dass er bereit sei, für die Union gemeinsam zu kämpfen. Söder werde gebraucht.

Eine gewisse bedrückte Stimmung sei nach einem solchen Wettbewerb normal, so Kuban. Nach der Entscheidung habe es einige Austritte aus der JU gegeben. Er habe mit jedem Einzelnen telefoniert und einige überzeugen können, weiterhin JU-Mitglied zu bleiben. Doleschal dankte den CDU-Landesverbänden für ihre Unterstützung für den bayerischen Ministerpräsidenten. „Wir akzeptieren das Ergebnis. Die Stimmung ist aber noch nicht da, wo sie hingehört.“ Nun sei es wichtig, dass auch von Laschet und der CDU-Zentrale Signale kämen, damit die Stimmung gedreht werde. Söder sei ein Teamspieler, er werde die CDU unterstützen, so wie dies die gesamte CSU tun werde.

Update vom 21. April, 20.20 Uhr: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) übt scharfe Kritik am Ablauf der Kanzlerkandidaten-Kür. In einem Interview mit der Welt zeigt er sich auch verärgert über Durchstechereien aus Sitzungen: „Es war sicher nicht unsere professionellste Woche. Das gilt auch für die Vorstandssitzung selbst. Wenn man im Live-Ticker mitlesen kann, was in einer solchen Sitzung gesprochen wird, dann ist das ein Maß an Unprofessionalität, das man sich als Regierungspartei nicht leisten darf.“ So etwas sei ein „unglaublicher strategischer Nachteil und ein Alleinstellungsmerkmal, das wir unbedingt abstellen müssen.“ Am Ende ist er aber überzeugt davon, dass Armin Laschet der richtige Kandidat sei. Und er nennt auch ein paar Gründe dafür: „Er ist ein Politiker, der begeistern, zusammenführen und erfolgreich Koalitionen bilden kann. Sein Herz schlägt für Europa. Und das ist wichtig für dieses Amt“, sagt Günther.

K-Frage in der Union geklärt: CSU-Chef Söder sichert Laschet erneut Unterstützung zu

Update vom 21. April, 16.13 Uhr: Nach der Entscheidung für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten der Union hat sich CSU-Chef Markus Söder erneut hinter den CDU-Vorsitzenden gestellt. In einer CSU-Fraktionssitzung im Landtag am Mittwoch habe er Laschet die volle Unterstützung im Bundestagswahlkampf zugesichert, verlautete es aus Teilnehmerkreisen. Söder habe sehr versöhnlich gesprochen, hieß es. Er sei sehr mit sich im Reinen, sagte der CSU-Vorsitzende demnach. Nach seiner Rede habe Söder außergewöhnlich langen Applaus von den Abgeordneten bekommen, berichtet die dpa.

Söder sagte, das Wahlergebnis in Bayern werde nun anders aussehen, als wenn er Kandidat geworden wäre. Dafür aber werde das CDU-Ergebnis in Nordrhein-Westfalen besser - das werde sich insgesamt ausgleichen. Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer betonte nach Angaben von Teilnehmern, es sei richtig gewesen, dass Söder ein Angebot gemacht habe. „Viele Menschen in Deutschland haben sich das gewünscht.“ Kreuzer betonte, die CSU habe bewusst darauf verzichtet, Söder zu unterstützen, indem man andere niedermache. Was die CDU gemacht habe, wolle er nicht kommentieren. Bayerns Finanzminister Albert Füracker sagte nach Teilnehmerangaben, viele Menschen seien der Meinung gewesen, man sollte den Besten nehmen. Gerade diejenigen, die ihre politische Zukunft noch vor sich hätten, seien für Söder gewesen.

Armin Laschet als Kanzlerkandidat: Im Osten nicht sehr beliebt - „Entscheidung gegen die CDU-Basis“

Update vom 21. April, 14.21 Uhr: Armin Laschet scheint weiterhin im Osten von Deutschland nicht gut wegzukommen. Thüringens CDU-Landeschef Christian Hirte hat den umstrittenen Entschluss der CDU-Spitze als „Entscheidung gegen die CDU-Basis“ gewertet, sagt Hirte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Er gehe jetzt davon aus, dass Söder Laschet im Bundestagswahlkampf unterstütze. „Wir sind jetzt gut beraten, uns hinter Armin Laschet zu versammeln und uns auf Inhalte zu konzentrieren“, sagte Hirte. Am selben Tag wie die Bundestagswahl, ist schließlich auch die Landtagswahl in Thüringen. Großen Rückenwind für die Thüringer Landtagswahl verspreche sich Hirte allerdings nicht.

Bei dem Machtkampf von Söder und Laschet hat zudem als erstes Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) seine Präferenz für Söder geäußert. Bei der Sondersitzung des CDU-Vorstands habe es zwischen zwei ostdeutschen CDU-Politikern allerdings eine konträre Diskussion über die Stimmung in ihren Ländern gegeben, darunter auch Haseloff. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident wies nach Angaben aus Teilnehmerkreisen auf eine große Unterstützung der Parteibasis für CSU-Chef Söder im Osten hin. Er nehme dort eine Präferenz für diesen wahr, sagte Haseloff, der aber persönlich kein Votum für Söder abgegeben haben soll. Der Fraktionschef der CDU in Brandenburg, Jan Redmann, habe sich daraufhin klar für CDU-Chef Armin Laschet als Kanzlerkandidaten eingesetzt, berichtet die dpa.

Der CDU-Vorsitzende und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet gibt eine Pressekonferenz im Konrad-Adenauer-Haus zur Kanzlerkandidatenfrage der Union. (Archiv)

Bundestagswahl im September: Polit-Experte prophezeit Union ein Wahl-Debakel

Update vom 21. April, 12.43 Uhr: Der Parteienforscher und Autor Albrecht von Lucke sieht die Kanzlerkandidatur von Laschet kritisch. Sie sei eine „gewaltige Hypothek für die Union“, so von Lucke gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Für die Union erwarte er ein deutlich schlechteres Abschneiden als bei der Bundestagswahl 2017. „CDU und CSU verzichten aufgrund eines eklatanten Führungsversagens auf den deutlich besseren Kandidaten Markus Söder, der in der gesamten Bevölkerung einen viel stärkeren Rückhalt als Armin Laschet hat. Schon bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. Juni werde die CDU „mit dramatischen Verlusten dafür bezahlen müssen“.

Die Entscheidung Laschet als Kanzlerkandidaten auszuwählen könne auch der AfD zu einem Hoch verhelfen. Die CDU im Osten befürchte „völlig zu Recht, dass sie mit Laschet und seinem laxen Stil, seiner fehlenden Ausstrahlung und Autorität erhebliche Wähleranteile an die Rechtspopulisten verliert“, so Albrecht von Lucke zu der Neuen Osnabrücker Zeitung. Das werde die AfD auch bundesweit wieder in die Offensive bringen.

Armin Laschet als Kanzlerkandidat: Viel Kritik, aber auch Glückwünsche aus der Partei

Update vom 21. April, 12.31 Uhr: Aus der Union kommen viele verschiedene Reaktionen zum Sieg von Armin Laschet. Zuspruch gibt es unter anderem von der Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Herzlichen Glückwunsch, lieber Armin Laschet, zur neuen Aufgabe als Kanzlerkandidat der Union“, hieß es in einer Erklärung Merkels, die ihr Sprecher Steffen Seibert am Dienstag auf Twitter veröffentlichte. Doch nicht alle in der Partei sind glücklich über die Wahl. Vor allem von der CSU gibt es viel Kritik. „Ich bin enttäuscht, weil ich Markus Söder für den besseren Kandidaten halte“, sagte CSU-Stadtrat Kilian Sendner gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. „Ich kann die Arroganz und Unverantwortlichkeit der CDU-Spitze nicht nachvollziehen“, so Sendner weiter. Söder habe bei Umfragen weit vor Laschet gelegen, betonte der CSU-Stadtrat. Sendner befürchtet, dass es im bevorstehenden Wahlkampf nun schwieriger werde, die Mitglieder an der Basis zu mobilisieren.

In Thüringen kommt die Kritik an Laschets Kandidatur auch aus anderen Parteien. Der Linke-Landeschef Steffen Dittes sagte zum Beispiel zum MDR Thüringen, das CDU-Schauspiel um die Kanzler-Kandidatur habe dem politischen Betrieb in Gänze nicht gutgetan. Bei Laschet sei zudem nicht klar, für welche Politik er stehe. SPD-Landeschef Georg Maier bezeichnete das CDU-Verfahren zur Klärung der Kanzlerfrage als Katastrophe. Es sei gut, dass der Streit zwischen Laschet und Söder vorbei sei. Nach der Ansicht von Maier bleibt die Union jedoch gespalten. In der Partei ginge es nur um Macht. Von einer Programmatik und von Ideen für das Land habe man von Armin Laschet noch nichts gehört, berichtet der MDR.

Kanzlerkandidat Laschet: In WhatsApp-Gruppen soll bereits die Angst umgehen - „Ich bin fassungslos“

Erstmeldung vom 21. April, 11.47 Uhr: Berlin - Es ist entschieden. Armin Laschet ist Kanzlerkandidat der Union*. Der CDU-Vorstand hat sich damit bewusst über die Stimmungslage der Parteibasis hinweggesetzt. Ein Großteil der Landes- und Kreisverbände hätten sich nämlich lieber Markus Söder als Kanzlerkandidaten gewünscht. Auch in Umfragen in der Bevölkerung lag der CSU-Chef Markus Söder mit Abstand vor seinem Kontrahenten Armin Laschet. Trotzdem wurde sich am Ende für den erst kürzlich zum CDU-Chef gewählten Armin Laschet* entschieden. Dieser soll am Montag klargestellt haben, dass die CDU einen Kanzlerkandidaten Markus Söder nicht unterstützen würde.

Söder habe am Montag gefragt, ob die CDU* ihn unterstützen würde, wenn die Wahl auf ihn falle. Darauf soll Armin Laschet* mit einem klaren „Nein“ geantwortet haben, berichtet die Bild. Die CDU könne, dürfe und werde sich die Kanzlerkandidatur nicht aus den Händen nehmen lassen, soll Laschet gesagt und auf die schwierige Lage seiner Partei hingewiesen haben. Die anwesende CSU-Delegation, die neben CSU-Chef Markus Söder aus Markus Blume und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt bestand, konnten die Argumentation des CDU-Chefs nach Bild-Informationen nicht nachvollziehen. Laschet könne doch nicht im Ernst mit der Schwäche seiner Partei argumentieren, um Zugriff auf die Kanzlerkandidatur zu bekommen? Diese Frage blieb jedoch unbeantwortet und am Ende habe sich Markus Söder geschlagen gegeben.

Armin Laschet als Kanzlerkandidat: Beginnt die Spaltung der Union jetzt erst richtig?

„Das wird der Partei meiner Meinung nach noch teuer zu stehen kommen“, sagte am Dienstag der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke im ZDF-Heute Journal. Er hielt die Entscheidung der CDU-Spitze, Armin Laschet durchzudrücken, obwohl die Parteibasis dagegen war, für einen Fehler. Jetzt muss Armin Laschet die Union nach dem Machtkampf wieder vereinen. Doch ist das so einfach? Die Politiker:innen aus den eigenen Reihen haben große Sorgen und hätten sich schlichtweg einen anderen Kandidaten gewünscht.

Eine Abgeordnete aus Norddeutschland hat gegenüber Focus Online berichtet, dass in ihren WhatsApp-Gruppen nun die Angst um gehe. „Viele sehen bereits schwarz für ihr Bundestagsmandat nach der kommenden Wahl“, sagt sie weiter. In der CDU in Sachsen sehe es ähnlich aus. „Ich bin fassungslos, wie der Bundesvorstand derart gegen die Interessen der Parteibasis entscheiden konnte“, soll das Mitglied eines Kreisverbandes gesagt haben und zugleich darum gebeten haben, anonym bleiben zu dürfen. Schließlich sei die Situation „doch sehr aufgeheizt momentan“. Eine etwas positivere Aussage kommt aus Schleswig-Holstein, auch hier sprach sich der Großteil der Basis für Markus Söder aus. „Ich will gar nicht abstreiten, dass sich viele Mitglieder einen anderen Kanzlerkandidaten gewünscht hätten, aber wir haben nun mal eine repräsentative Demokratie und das zählt am Ende“, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein, Hans-Jörn Arp, gegenüber Focus Online.

Union stürzt in Forsa Umfrage ab - Die Grünen sind nun stärkste Kraft


Nach der Entscheidung der Kanzlerkandidaturen von den Grünen und der Union zeigt eine neue Umfrage ein klares Bild. Mit Annalena Baerbock und Armin Laschet als Kanzlerkandidaten sind die Forsa-Umfragewerte von der Union eingebrochen – die Grünen hingegen verzeichnen ein großes Plus. Laut dem sogenannten RTL/ntv- Trendbarometer vom Markt- und Meinungsinstitut Forsa, verändert sich die politische Stimmung zugunsten der Grünen. Nachdem die Union Armin Laschet am Dienstag zum Spitzenkandidaten auserkoren hatte, fiel die Union im Vergleich zur Vorwoche um sieben Prozentpunkte (von 28 auf 21 Prozent).

Die Entscheidung Annalena Baerbock für die Grünen* ins Rennen zu schicken, beflügelt dagegen die Umfragewerte ihrer Partei. Im Vergleich zum 13. April legen die Grünen fünf Prozentpunkte zu und mit 28 Prozent sind sie nun an der Union vorbeigezogen und liegen auf Platz eins der Umfragewerte. Die SPD* verliert zwei Prozentpunkte und kommt auf 13 Prozent. Die FDP* gewinnt zwei, die Linke* und die kleineren Parteien gewinnen je einen Prozentpunkt. Nur bei der AfD* blieben die Umfragewerte unverändert. Der Journalist Theo Koll sagt jedoch im ZDF-Heute Journal, dass bei den Umfrageergebnissen bedacht werden muss, dass es sich um eine Momentaufnahme handeln könnte. Die Umfrage sei geprägt von der Wahrnehmungen der letzten Woche, bei der es einen Machtkampf in der Union* gab und eine friedliche Entscheidung bei den Grünen. Trotzdem sei es ein Signal und vielleicht auch ein Weckruf an die Union. (dp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld

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