Kandidat Wulff rührt die Werbetrommel im Live-Chat

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Christian Wulff, der Päsidentschaftskandidat von Union und FDP, beantwortet in Berlin in einem Video-Chat im Internet Fragen. Mitglieder von Plattformen wie Facebook und Studi VZ hatten die Gelegenheit in den vergangenen Tagen Fragen für den Präsidentschaftskandidaten der Regierungskoalition einzuschicken.

Berlin - Bislang galt Herausforderer Joachim Gauck als Favorit der Blogger-Gemeinde, doch nun geht auch Präsidentschaftskandidat Christian Wulff im Internet in die Offensive.

Exakt 30 Minuten stellte sich der amtierende Ministerpräsident Niedersachsens am Montag in einem Live-Video-Chat den Fragen der Internetgemeinde. Wenngleich das Staatsoberhaupt am 30. Juni nicht direkt vom Volk sondern in der Bundesversammlung gewählt wird, will der Medienprofi Wulff nichts unversucht lassen. Eigenwerbung im weltweiten Datennetz inklusive.

“Ich sehe das Netz als ganz große Chance“, sagte Wulff. Die schnelle und einfache Möglichkeit zur Information helfe der Demokratie und der Freiheit. So erscheint es nur logisch, dass Wulff auch nach einer erfolgreichen Wahl als Bundespräsident weiter eine Seite im Internetnetzwerk Facebook behalten will. “Der Bundespräsident gehört ins Netz“, findet Wulff. Ob er auch über den Kurznachrichtendienst “twittern“ werde, wisse er aber noch nicht.

Während sich Wulffs größter Kontrahent, der SPD- und Grünen-Kandidat Gauck, im Internet großer Beliebtheit erfreut, wird der niedersächsische Landeschef eher skeptisch betrachtet. So vereint Gauck etwa alleine auf der größten für ihn initiierten Facebook-Seite annähernd 30 000 “Freunde“, Christian Wulffs gerade einmal 1931. Auch bei einer - allerdings nicht repräsentativen - Umfrage auf dem Portal der ARD-“Tagesschau“ stimmten jüngst rund 78 Prozent der mehr als 87 000 Teilnehmer für Gauck. Wulff würden demzufolge nur 12 Prozent wählen.

Inhaltlich drehte sich die halbstündige Fragestunde um all die großen Themen, die derzeit die Titelseiten der Zeitungen füllen. So erklärte Wulff, dass die aktuelle Krise in der Berliner Regierungskoalition auch negative Auswirkungen auf seine Chancen für den anvisierten Einzug in das Präsidentenschloss Bellevue habe. “Wenn sich die drei Parteien CDU, CSU und FDP von Anfang an auch für den ersten Wahlgang auf einen Kandidaten verständigen, ist das ein hohes Gut, eine Chance für Geschlossenheit, und das sollte jedem Beteiligten bewusst sein.“

Trotz der andauernden Querelen in der schwarz-gelben Bundesregierung zeigte sich der 50-Jährige zuversichtlich, dass die Koalition nicht vor dem Ende steht. Es sei jetzt wichtig, dass die Politiker in Berlin genauso wie die deutsche Fußballnationalelf bei der WM in Südafrika auf “Teamwork“ setzen. Jeder müsse “für und nicht gegen den anderen“ kämpfen. Wulff ist sich zudem sicher, dass ihm als Bundespräsident der Rollenwechsel zur Überparteilichkeit gelingt.

Thematisch möchte der Niedersachse Wulff in seiner Amtszeit vor allem das Miteinander der Menschen in Deutschland stärken. Dazu zähle für ihn sowohl die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund als auch das Zusammenleben der Generationen.  “Ich will Parallelgesellschaften vermeiden“, sagte Wulff. Aus diesem Grund sei es “gut, wenn ein verhältnismäßig Junger Bundespräsident würde“. Bundeskanzler wolle er dagegen nicht werden.

Die CDU wertete den Chat als Erfolg. Nach eigenen Angaben loggten sich mehrere 1000 Interessierte ein. Die Internetgemeinde selbst reagierte ziemlich unaufgeregt auf Wulffs Live-Chat. Befürworter und Kritiker hielten sich bei der anschließenden Reaktion die Waage. “Fazit: Toll, dass es den Chat gab, schade, dass wenig inhaltliche Tiefe vermittelt wurde“, fasste der Teilnehmer “Pant3r“ das Gesehene zusammen.

dpa

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