Journalist in Damaskus getötet

Damaskus - Ein Journalist der regierungsnahen syrischen Tageszeitung „Tischrin“ ist am Mittwoch in Damaskus getötet worden.

Regimegegner berichteten, Musaab Audatallah sei von Angehörigen der Regierungstruppen in seinem Haus im Stadtteil Nahr Aischa erschossen worden. Der Sportjournalist, der aus der Provinz Daraa stammt, soll sich kritisch über das Regime von Präsident Baschar al-Assad geäußert haben. „Er hat kein Blatt vor den Mund genommen“, sagte ein Freund des Getöteten.

Armee greift gehobenes Stadtviertel an

Immer mehr Zivilisten sind in Syrien auf der Suche nach einem sicheren Zufluchtsort. Am Mittwoch verließen zahlreiche Menschen die seit Tagen umkämpfte Ortschaft Al-Harak in der Provinz Daraa. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter berichtete, zwei Kämpfer der Revolutionstruppen und acht Zivilisten seien in dem Ort von den Regierungstruppen getötet worden. Die Allgemeine Kommission für die Syrische Revolution veröffentlichte Videoaufnahmen, die ihren Angaben zufolge die Flucht von Zivilisten aus dem Ort zeigen. Unter ihnen sind auch mehrere leicht verletzte Kinder.

In der Hauptstadt Damaskus sollen sich die Kämpfe am Mittwoch auf die Viertel Dschobar, Nahr Aischa und Kafr Susa konzentriert haben. Drei junge Männer kamen laut Menschenrechtsbeobachtern in Damaskus ums Leben, als ein Sprengsatz in ihrem Auto explodierte. Unklar blieb, ob es sich um einen Anschlag handelte oder ob der möglicherweise für ein anderes Ziel gedachte Sprengsatz versehentlich explodierte.

Unterdessen nimmt die Zahl der Straßensperren in der Hauptstadt weiter zu. Auch in Vierteln, die nicht zu den Hochburgen der Aufständischen gehören, würden inzwischen routinemäßig Autos durchsucht und Passanten angehalten, berichteten Anwohner

Insgesamt starben am Mittwoch nach unbestätigten Angaben der Opposition mindestens 80 Menschen, darunter 54 Zivilisten. Am Vortag hatten die Gegner von Präsident Baschar al-Assad landesweit mehr als 250 Tote gezählt, darunter 51 Angehörige der Regierungstruppen.

Irak schließt Grenze

Die irakische Armee machte derweil den Grenzübergang Al-Kaim komplett dicht. Ein Armeesprecher sagte, der Übergang sei jetzt mit drei Meter hohen Betonsperren blockiert worden. Zur Begründung hieß es, die Freie Syrische Armee (FSA) habe den Grenzposten auf der syrischen Seite in Al-Bukamal überrannt. Da die irakische Regierung mit der FSA nicht kooperieren wolle, habe sie sich entschieden, den Grenzübergang zu schließen.

Der neue UN-Syrienvermittler Lakhdar Brahimi wird an diesem Freitag zu Gesprächen am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York erwartet. Brahimi werde sich mit Generalsekretär Ban Ki Moon und anderen „hochrangigen Offiziellen“ treffen, sagte ein UN-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Brahimi war in der vergangenen Woche zum Nachfolger von Kofi Annan berufen worden. Der ehemalige UN-Generalsekretär hatte sein Amt aus Enttäuschung über mangelnde Unterstützung durch den Weltsicherheitsrat sowie die Konfliktparteien in Syrien aufgegeben.

Russland beschuldigte den Westen, die bewaffneten Regimegegner in ihrem Kampf gegen Assad anzutreiben. „Unsere westlichen Partner haben noch immer nichts getan, um die Opposition zu einem Dialog mit der Regierung zu bewegen“, teilte das Außenministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit. „Sie stiften sie stattdessen offen dazu an, den bewaffneten Kampf fortzusetzen“, hieß es. „Es ist klar, dass mit diesen Methoden eine politische Lösung der Krise unmöglich ist.“ Eine syrische Regierungsdelegation war am Vortag zu Gast in Moskau, das ein enger Partner von Damaskus ist.

dpa

Rubriklistenbild: © AP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare