Politisches Beben in Großbritannien

Antisemitismus-Vorwürfe: Labour-Partei suspendiert Ex-Parteichef Jeremy Corbyn - „Tag der Schande“

Jeremy Corbyn verlässt mit Mundschutz sein Haus in Nordlondon
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Ex-Labour-Chef Jeremy Corbyn wurde von seiner Partei ausgeschlossen - der Vorwurf: Antisemitismus

Nach Antisemitismus-Vorwürfen wird Ex-Labour-Chef Jeremy Corbyn von seiner Partei suspendiert. Er wehrt sich in den sozialen Medien und erhält dabei Unterstützung.

  • Schon in der Vergangenheit gab es Kritik an Ex-Labour-Chef Jeremy Corbyn.
  • Zu seiner Zeit soll es in der britischen Partei antisemitische Tendenzen gegeben haben.
  • Nach einem Bericht wird der 71-Jährige aus der Partei ausgeschlossen.

London - Als einen „Tag der Schande“ bezeichnete Labour-Parteichef Keir Starmer diesen 29. Oktober 2020. Wenige Augenblick vorher wurde sein Vorgänger Jeremy Corbyn aus der britischen Partei ausgeschlossen. Der Grund: Corbyn werden antisemitische Tendenzen nachgesagt. Ein Untersuchungsbericht der unabhängigen britischen Kommission für Gleichheit und Menschenrechte (EHRC) hatte zuvor festgestellt, dass die Partei und ihr Ex-Chef Diskriminierungen gegen Juden zugelassen hätten.

Ein Parteisprecher sagte, dass der Rausschmiss eine Reaktion auf den Bericht sei. Die Entscheidung sei angesichts verharmlosender Äußerungen Corbyns getroffen worden. Der wehrte sich umgehend in einem Statement auf Facebook: „Als Chef der Labour-Partei bin ich immer entschlossen gewesen alle Formen von Rassismus zu bekämpfen. Ich habe mich mein gesamtes Leben für Menschen jüdischen Glaubens eingesetzt und werde das auch weiter tun.“

Nach Antisemitismus-Vorfällen: Labour-Partei schließt ex-Chef Jeremy Corbyn aus

Seit vielen Jahren werfen Kritiker dem britischen Sozialdemokraten antisemitische Tendenzen vor - auch in Beiträgen in sozialen Medien. Der EHRC-Bericht verhärtet diesen Verdacht. Es habe „unentschuldbare Fehler“ gegeben, die auf einen Mangel an
Bereitschaft zur Bekämpfung des Antisemitismus zurückzuführen seien, sagte die Vorsitzende der unabhängigen Kommission, Caroline Waters.

Corbyn hatte sich in der Vergangenheit geweigert, sich bei Juden für antisemitische Tendenzen in seiner Partei zu entschuldigen. Kritiker warfen ihm eine einseitige Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt vor. Auch vor seiner Zeit als Labour-Chef , bezeichnete er laut britischen Medien die im Gazastreifen herrschende Hamas, die unter anderem von der EU als Terrororganisation eingestuft wird, als „Freunde“.

Großbritannien: Labour-Partei suspendiert Ex-Parteichef Jeremy Corbyn

Von 2015 bis 2020 war der 71-Jährige Chef der Labour-Partei. Während dieser Zeit rumorte es immer wieder. Mehrere Abgeordnete verließen aus Protest gegen den Alt-Linken die Partei. 2018 räumte Corbyn ein, Disziplinarverfahren gegen antisemitische Parteimitglieder seien zu langsam und zaghaft durchgesetzt worden. Die Zeitung The Sun schreibt auf Grundlage des EHRC-Bericht von mindestens 23 Beschwerden gegen die Parteiführung um Jeremy Corbyn. Immer ging es dabei um antisemitische Äußerungen. Drei Mal soll die Partei sogar gegen geltendes Recht verstoßen haben.

Unterstützung erhält Corbyn von seiner Ehefrau Laura Alvarez. Die schreibt auf Twitter in Großbuchstaben: „Bitte boykottiert die vergifteten Mainstream-Medien und steht an der Seite des weltweit besten Anführers und Anti-Rassisten! Checkt die Fakten!“ Auch der gemeinsame Sohn Tommy meldet sich über die sozialen Medien zu Wort: „Was auch immer jemand in dem Bericht schreibt, dieser Mann ist so weit weg von einem Rassisten wie es nur möglich ist.“

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