Karriere im Blitztempo

Jens Spahn (CDU): Ehemann, Beruf und Corona-Krise - der Politiker im Porträt

Gesundheitsminister Jens Spahn ist zudem Vize-Vorsitzender der CDU. Wir stellen den Politiker, seinen Lebenslauf und Ehemann Daniel Funke vor.

  • Jens Spahn ist als Gesundheitsminister einer der wichtigsten Politiker in der Corona-Krise.
  • Als stellvertretender Vorsitzender führt Spahn mit dem Vorsitzenden Armin Laschet die CDU in die Bundestagswahl.
  • Spahn, der aus NRW stammt, legte innerhalb weniger Jahre einen bemerkenswerten Aufstieg in der Partei hin.

Berlin - Jens Spahn ist erst 40 Jahre alt und schon einer der wichtigsten Politiker Deutschlands. Als Gesundheitsminister kommt ihm in der Corona-Krise eine besonders wichtige Aufgabe zu. An der Seite von Armin Laschet steht Jens Spahn auch an der Spitze der CDU in Deutschland.

NameJens Spahn
Geboren16. Mai 1980 in Ahaus
Größe1,92 Meter
Ehepartner Daniel Funke
ParteiCDU

Jens Spahn: Vize-Vorsitzender unter Armin Laschet

Schon einmal wollte Jens Spahn an die Spitze der CDU. Im Herbst 2018 gab er bekannt, beim Bundesparteitag im Dezember 2018 für das Amt als Vorsitzender zu kandidieren. Mit ihm konkurrierten Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz um den Vorsitz. Für Spahn war das Rennen aber bereits nach dem ersten Wahlgang gelaufen. Knapp 16 Prozent der Delegierten stimmten für den Gesundheitsminister. In die Stichwahl gingen Merz und Kramp-Karrenbauer, die letztendlich zur Vorsitzenden gewählt wurde.

Als Annegret Kramp-Karrenbauer im Jahr 2019 ihren Rückzug ankündigte, rechneten politische Beobachter mit einer erneuten Kandidatur von Jens Spahn. Der Gesundheitsminister überraschte allerdings damit, dass er im Doppelpack mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kandidierte. Im Januar 2021 kam die CDU zu einem digitalen Parteitag zusammen. Laschet wurde zum Vorsitzenden der CDU, Spahn wurde zum Stellvertreter gewählt. Neben Armin Laschet kandidierten auch Friedrich Merz und Norbert Röttgen.

Jens Spahn/Lebenslauf: Aufgewachsen im Münsterland (NRW)

Jens Spahn wurde am 16. Mai 1980 in Ahaus im westlichen Münsterland im Kreis Borken geboren. Dort wuchs Spahn gemeinsam mit zwei jüngeren Geschwistern auf. Die Familie, zu der die Eltern Ulla Spahn und Georg Spahn gehören, lebt im Dorf Ottenstein. Das Dorf mit seinen weniger als 4.000 Einwohnern ist ein Teil der Stadt Ahaus.

Jens Spahn ist katholisch und ging auf die Bischöfliche Canisiusschule in Ahaus. Seine Schullaufbahn endete 1999 mit dem Abitur. Anschließend absolvierte Spahn eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Westdeutschen Landesbank in Münster. Daraufhin begann er ein Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen. Spahn erwarb erst 2008 den Bachelor of Arts und 2017 den Master of Arts. Er war in dieser Zeit aber bereits Abgeordneter im Bundestag.

Jens Spahn: Verheiratet mit Ehemann Daniel Funke

Schon früh bekannte Jens Spahn seine Homosexualität und legt Wert darauf, „nicht über das Schwulsein definiert“ zu werden. Der Politiker ist mit Ehemann Daniel Funke verheiratet. Die beiden heirateten im Dezember 2017 auf Schloss Borbeck in Essen. Das barocke Wasserschloss im Essener Stadtteil Borbeck ist beliebt bei Eheschließungen.

Daniel Funke ist ein Jahr jünger als Jens Spahn und Journalist. Der 39-Jährige leitet das Berliner Büro des Burda-Verlags und ist zugleich dessen Cheflobbyist in der Hauptstadt. Spahn und Funke lernten sich 2013 kennen. Daniel Funke hat in Berlin Germanistik und Geschichte studiert.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gemeinsam mit seinem Ehemann Daniel Funke auf einer Gala im Jahr 2018.

Jens Spahn: Villa in Berlin mit Daniel Funke

Aufmerksamkeit bekam das Ehepaar im Sommer 2020. Spahn und Funke kauften eine denkmalgeschützte Villa im Berliner Stadtteil Dahlem. Das Haus stammt aus den 1920er-Jahren, hat eine Wohnfläche von über 300 Quadratmetern und wurde in den 1950er-Jahren umgebaut. Laut Medienberichten betrug der Kaufpreis mehrere Millionen Euro. Jens Spahn wollte sich öffentlich nicht zu dem Hauskauf äußern.

In dem Zusammenhang wurde bekannt, dass Spahn zur Finanzierung der Villa einen Kredit bei der Sparkasse Westmünsterland aufgenommen haben soll. Der gelernte Bankkaufmann war zwischen 2009 und 2015 Mitglied des Verwaltungsrats der Sparkasse. Spahn ging gegen Teile der Berichterstattung in den Medien rechtlich vor.

Jens Spahn: Seine Karriere in der CDU

Schon als 15-Jähriger trat Jens Spahn in die Junge Union, die Nachwuchsorganisation der CDU, ein. 1997 folgte der Eintritt in die CDU. Seitdem ging die Polit-Karriere mit schnellen Schritten vorwärts.

  • 1999 bis 2006 war Jens Spahn Kreisvorsitzender der Jungen Union Borken
  • Seit 2005 bis heute ist Jens Spahn Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Borken
  • Von 1999 bis 2009 war Jens Spahn Mitglied des Rates der Stadt Ahaus, von 2009 bis 2015 war er Mitglied des Kreistages im Kreis Borken
  • Fünfmal zog Jens Spahn als direkt gewählter Abgeordneter für die CDU in den Bundestag ein (2002, 2005, 2009, 2013, 2017)
  • Seit 2014 ist Jens Spahn im Präsidium der CDU
  • Am 14. März 2018 wurde Jens Spahn zum Bundesminister für Gesundheit ernannt. Er löste Hermann Gröhe in diesem Amt ab

Jens Spahn: Experte für Gesundheit in der CDU

Schon früh nach seinem Einzug in den Bundestag etablierte sich Jens Spahn als Gesundheitsexperte. 2005 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Außerdem arbeitete Spahn als Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss für Gesundheit. Spahn war außerdem in der Koalitionsarbeitsgruppe von CDU/CSU und SPD aktiv, die die Gesundheitsreform 2007 vorbereitete.

Es folgte zwischen 2009 und 2015 die Funktion als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Gesundheit und gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion. Weiterhin war Spahn bis zum Sommer 2015 Mitglied im Ausschuss für Gesundheit. Seit 2018 ist Jens Spahn Gesundheitsminister.

Politprofi auf der Wahlkampfbühne: Gesundheitsminister Jens Spahn zog bereits 2002 erstmals in den Bundestag ein.

Jens Spahn und die Corona-Krise

Zu einem der wichtigsten Protagonisten in der deutschen Politik wurde Jens Spahn durch die Corona-Krise. Anfangs war der Gesundheitsminister sehr zurückhaltend bei der Bewertung der Gefahr. Spahn sah nach den ersten Infektionsfällen in Deutschland im Januar/Februar keinen übertriebenen Grund zur Sorge. Auch das Robert-Koch-Institut bewertete die Gefahr für Deutschland zu diesem Zeitpunkt noch als gering. Erst Ende Februar wurde Spahn aktiver. Der Gesundheitsminister sprach nun offen von der Gefahr einer Pandemie. Spahn riet in einem der ersten Schritte dazu, auf Reisen in betroffene Gebiete wie Norditalien zu verzichten. Zuvor hatte sich der CDU-Politiker noch gegen Reisebeschränkungen ausgesprochen.

Jens Spahn erkrankte selbst an Covid-19. Mitte Oktober wurde bekannt, dass sich Spahn mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert hatte. Wo er sich angesteckt hatte, konnte Spahn nicht sagen. Auch sein Ehemann Daniel Funke erkrankte. Beide hatten allerdings „nur“ Erkältungssymptome und verblieben einige Tage in Quarantäne.

Jens Spahn: Verzweifelte Suche nach Schutzmaterialien

Große Kritik bekam der Gesundheitsminister, als immer mehr Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen dazu hinwiesen, dass ihnen ausreichend Schutzkleidung fehle. Anfang März wies Spahn in einer Regierungserklärung auf den Mangel an Atemmasken und Schutzkleidung hin. Der Kritikpunkt: Angeblich hatte das Gesundheitsministerium bereits im Februar Kenntnis über mögliche Lieferengpässe. Da sich die Pandemie bereits in China rasant ausbreitete, war der Weltmarkt für Schutzmaterialien, die vor in Asien hergestellt werden, leergefegt. Erst im Frühjahr 2020 entspannte sich die Lager wieder. Zahlreiche deutsche Firmen hatten ihre Produktionslinien umgestellt und produzierten nun Schutzkleidung und Masken.

Jens Spahn: Impfstoff für Europa und Deutschland

Die größte Aufgabe für Gesundheitsminister Jens Spahn wird die Verteilung des Impfstoffs im Jahr 2021. Die Durchimpfung der Bevölkerung ist der entscheidende Schlüssel zur Bekämpfung der Pandemie. Experten schätzen, dass rund 60 Prozent der Deutschen für eine Herdenimmunität geimpft sein müssen. Diese Prozentzahl deckt sich auch mit dem Anteil der Menschen, die grundsätzlich impfbereit sind.

Klar ist: Bis Mitte 2021 wird der Gesundheitsminister nur Impfstoff für einen kleinen Teil der Bevölkerung zur Verfügung haben. Nur wenige Millionen Dosen der Impfstoffe der Firmen Biontech/Pfizer und Moderna können bis zum Frühjahr verimpft werden. In erster Linie werden Risikopatienten geimpft sowie Mitarbeiter in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeberufen. Mobile Impfteams werden zum Beispiel ältere Menschen in Seniorenheimen besuchen. Für den mobilen Teil der Bevölkerung hat das Ministerium von Jens Spahn einen deutschlandweiten Impfplan aufgestellt. Der besagt, dass in jeder kreisfreien Stadt und in jedem Landkreis ein Impfzentrum errichtet wird. Erst Mitte des Jahres wird damit gerechnet, dass auch Hausärzte in ihren Praxen impfen können.

Jens Spahn: Kritik für späte Zulassung des Impfstoffes

Kritik bekam Jens Spahn für das Zulassungsverfahren der ersten Impfstoffe. Das Produkt von Biontech/Pfizer war Ende 2020 sowohl in Europa als auch den USA in die Zulassung gegangen. Das erste Land, das Impfungen durchführen konnte, war Großbritannien. Auch in den USA starteten die Impfungen mit dem in Deutschland entwickelten Impfstoff Mitte Dezember. Fragen kamen auf, warum die Zulassung in der EU so lange dauere. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA kündigte an, erst am 29. Dezember eine Entscheidung zu verkünden.

Offenbar übte Gesundheitsminister Jens Spahn aufgrund der Kritik internen Druck auf die Arzneimittelbehörde aus. Daraufhin kündigte die EMA an, über die Zulassung eine Woche früher, am 21. Dezember, zu entscheiden. Erste Impfungen in der EU wurden so schon Ende Dezember möglich gemacht.

Jens Spahn: Politischer Erfolg mit Impflicht

Beim Thema Impfung konnte Jens Spahn einen großen politischen Erfolg als Gesundheitsminister im Jahr 2019 verbuchen: Im Dezember 2019 segnete der Bundesrat seinen Gesetzentwurf für eine Masern-Impfpflicht ab. Seit März 2020 gilt daher: Kinder in Kindertagesstätten, Schulen und der Kindertagespflege müssen gegen die hochansteckende Virusinfektion geimpft sein. Die Impfpflicht gilt außerdem für Bewohner und Mitarbeiter von Asylbewerber- und Flüchtlingsunterkünften. Laut dem Gesetz müssen Kinder bei der Impfung mindestens ein Jahr alt sein. Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, drohen hohe Bußgelder: bis zu 2500 kann eine Verweigerung kosten.

Beim Coronavirus wird es allerdings keine Impfpflicht geben. Das betonte Spahn mehrfach. Der Gesundheitsminister setzt darauf, dass genügend Deutsche bereit sind, sich freiwillig gegen Covid-19 impfen zu lassen. Umfrage bestätigen diese Einschätzung.

Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa

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