Nach neuer Drohung

Iran-Reporterin der ARD vergleicht US-Präsident mit den Taliban - auch ZDF-Kollege entsetzt über Trump

Die neueste Drohung des US-Präsidenten gegen die Machthaber in Teheran löst bei deutschen Reportern Entsetzen aus. Eine Iran-Expertin vergleicht ihn sogar mit den Taliban.

  • Natalie Amiri (42) leitet seit 2015 das ARD-Studio in Teheran. 
  • In einem Tweet griff sie nun US-Präsident Donald Trump scharf an.
  • Auch ein ZDF-Reporter in Washington ist entsetzt über Trumps neueste Drohung gegen Teheran.

Washington/Teheran - Der Konflikt zwischen den USA und Iran spitzt sich nach der gezielten Tötung von Ghassem Soleimani, des iranischen Generalmajors und Kommandeurs der Quds-Eliteeinheit, in Bagdad immer weiter zu. In einer ersten Gegenreaktion schlugen zwei Raketen in einem US-Luftwaffenstützung im Irak ein. Die Sorge vor einem erneuten Krieg mit US-Beteiligung in der Nahost-Region wächst, die Lage gilt als sehr angespannt. Auch ein Nato-Bündnisfall gilt nicht als ausgeschlossen. 

Tweet von Präsident Trump im Iran-Konflikt: USA werden „sehr schnell und sehr hart“ zurückschlagen

In einem Tweet hat US-Präsident Donald Trump (Merkur.de*) nun angekündigt, bei weiteren Vergeltungsschlägen des Iran 52 Ziele im Land anzugreifen. Man würde diese 52 Ziele „sehr schnell und sehr hart“ attackieren, sollte der Iran Bürger der USA oder US-Einrichtungen angreifen. Die Zahl 52 steht symbolisch für die Anzahl der US-Diplomaten, die ab November 1979 für 444 Tage in Teheran als Geiseln gehalten wurden. 

Donald Trump spricht von 52 Zielen im Iran - ARD-Reporterin Amiri erinnert das an die Taliban

Donald Trump führte in dem Tweet aus, dass einige der potenziellen Ziele strategisch sehr bedeutsam für den Iran seien - sowie wichtig für die iranische Kultur. Hierauf ging die ARD-Reporterin Natalie Amiri ein. In einem Tweet kritisierte sie die Drohung des Präsidenten und verglich sein Vorgehen mit den radikal-islamischen Taliban: „Das mit dem Zerstören von Kunst und Kulturerbe kennen wir von den Taliban“. Die Taliban hatten in Afghanistan unter anderem die Buddha-Statuen von Bamiyan zerstören lassen, die von der UNESCO als Weltkulturerbe gelistet wurden. Dies rief internationale Proteste hervor. 

Für den Taliban-Vergleich wird die Iran-Expertin Amiri jetzt selbst kritisiert. Es sei ein „unbeholfener Kommentar“, meint ein Twitter-User. Andere pflichten ihr dagegen bei.

Trump-Kritikerin Natalie Amiri. 

Leiter des ZDF-Studios in Washington empört sich ebenfalls über Donald Trumps Tweet 

Auch ein ZDF-Kollege Amiris ist empört über den Tweet des US-Präsidenten (Merkur.de*). Trump drohe mit einem „Kriegsverbrechen“ - unter Verletzung der Genfer Konvention und amerikanischer Bundesgesetze, postete der Leiter des ZDF-Studios in Washington, Elmar Theveßen. 

Iran-Expertin Aimiri kritisierte Trump bereits in ARD-Tagesthemen 

Bereits im Oktober ging Natalie Amiri in einem Kommentar für die ARD-Tagesthemen scharf mit Donalds Trumps Drohgebärden gegenüber Teheran ins Gericht. Er uns seine republikanischen Hardliner würden eine Drohkulisse inszenieren. 

Vor zwei Jahren musste sich die Leiterin des ARD-Auslandsbüros in Teheran dafür rechtfertigen, bei Live-Schalten aus dem Iran ein Kopftuch getragen zu haben. Die gebürtige Münchnerin mit iranischem Vater ging deutlich und emotional auf die Kritiker im Netz ein.

Amiri moderiert neben ihrer Arbeit als Korrespondentin die Sendung Weltspiegel und das BR-Europa-Magazin euroblick. 

Donald Trump ist mit Filmen und Fernsehsendungen an die Macht gekommen (Merkur.de* berichtete) - auch seine Präsidentschaft ähnelt einer riesigen Reality-Show. Das Vermögen Trumps wird auf 3,1 Milliarden Dollar geschätzt - er selbst macht viel höhere Angaben (Merkur.de*).

Im Iran-Konflikt setzt Trump auf Sanktionsandrohungen gegen den Irak, während Russland sich Gedanken um das Atomabkommen macht.

mag 

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Rubriklistenbild: © Screenshot ARD, dpa/Evan Vucci

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare