„Wir nehmen das ernst“

ICE-Anschläge: Behörden halten Attentäter für IS-Schläfer - Berichte über Terrorzellen in Deutschland

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Der Mann soll ICE-Strecken in Bayern und Berlin manipuliert haben.

Nach ICE-Anschlägen in Bayern und in Berlin ist ein 42-jähriger Iraker in Wien festgenommen worden. Die Behörden halten ihn für einen IS-Schläfer.

Update vom 16. April 2019: Die Sicherheitsbehörden halten es nach einem Medienbericht für wahrscheinlich, dass die einige Monate zurückliegenden Anschläge mit Stahlseilen auf Bahnstrecken von einem IS-Schläfer verübt wurden. Unter anderem war auf der ICE-Strecke Nürnberg-München bei Allersberg ein Stahlseil zwischen den Oberleitungsmasten befestigt worden. Als Tatverdächtiger wurde im März in Wien ein 42-jähriger Iraker festgenommen. Die deutschen Sicherheitsbehörden gingen davon aus, dass er von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gezielt für Anschläge nach Deutschland geschickt worden sei, berichtet die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Die britische „Sunday Times“ hatte am vergangenen Wochenende berichtet, ihre Redaktion habe eine nach Kämpfen in Syrien entdeckte Festplatte von IS-Mitgliedern einsehen können. Diese habe unter anderem einen Brief an den IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi vom vergangenen Dezember enthalten. Darin habe ein IS-Kommandeur, der sich Abu Taher al-Tadschiki nennt, von einer Operation gegen einen Hochgeschwindigkeitszug in Deutschland geschrieben. „Er wird - mit Allahs Hilfe und Stärke - angegriffen werden mit Sprengstoff, den die Brüder in Europa aus einfachem verfügbaren Material hergestellt haben“, zitierte die „Times“ aus dem Brief.

Die „Sunday Times“ berichtete darüber hinaus von einem anderen Schreiben von IS-Führern an ihren Chef al-Bagdadi, in denen von zwei Terrorzellen in Deutschland und einer in Russland die Rede ist. Diese sollten ungläubige Kapitalisten töten, Banken hacken und Überfälle verüben, um Geld für den IS zu erbeuten. Außerdem sollten sie Attacken mit Fahrzeugen verüben, zitiert die Zeitung aus dem Festplatten-Material.

Aus den deutschen Sicherheitsbehörden hieß es: „Wir nehmen das ernst.“ Die von der„Sunday Times“ erwähnten Informationen müssten aber erst überprüft werden.

Tschechien liefern Verdächtige aus

Update vom 4. April 2019: Die Polizei in Tschechien hat zwei Menschen nach Österreich abgeschoben, die in Anschläge auf ICE-Strecken in Deutschland verwickelt gewesen sein sollen. Eine Polizeisprecherin sagte der Nachrichtenagentur  AFP am Mittwoch, die Abschiebung habe am Vortag stattgefunden. Die beiden irakischen Verdächtigen waren in der vergangenen Woche am Flughafen in Prag festgenommen worden.

"Sie wurden zur Grenze gefahren und dort an österreichische Begleiter übergeben", sagte die Sprecherin weiter. Der 30-jährige Mann und die 27-jährige Frau stehen im Verdacht, gemeinsam mit einem Landsmann in einen Anschlag auf die Bahnstrecke zwischen München und Nürnberg im vergangenen Oktober verwickelt zu sein. Dabei war ein Stahlseil über die Gleise gespannt worden, welches das Vorderfenster eines Zuges beschädigte.

Ein ähnlicher Anschlag hatte sich im Dezember nahe Berlin ereignet. Menschen kamen durch die Anschläge nicht zu Schaden gekommen.

In der Nähe des Tatorts entdeckten die Ermittler in arabischer Sprache verfasste Drohscheiben und eine Fahne der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Die Staatsanwaltschaft in Wien sprach von einem möglichen "terroristischen" Motiv.

In Wien war in der vergangenen Woche ein 42-jähriger Iraker festgenommen worden, der für beide Anschläge verantwortlich sein soll. Er gestand die Taten, bestritt aber einen terroristischen Hintergrund. Österreichischen Medienberichten zufolge arbeitete der fünffache Vater für eine Sicherheitsfirma und hatte Zugang zu Fußballstadien.

ICE-Anschläge: Terrorverdächtiger wohl doch kein Einzeltäter - Hat er vier Taten verübt?

Update vom 29. März, 13.44 Uhr: Bei den Anschlägen auf Bahnstrecken in Bayern und Berlin werfen die Ermittler dem verhafteten terrorverdächtigen Iraker inzwischen vier Taten vor. Es gehe um drei Fälle in Bayern sowie einen in Berlin, sagte ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes in München der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Bislang war von zwei Anschlägen berichtet worden. „Wir gehen davon aus, dass es drei Taten zu verschiedenen Zeiten am selben Tatort waren“, sagte er über die Vorfälle im mittelfränkischen Allersberg. Wann das genau gewesen sein soll, müsse aber noch ermittelt werden.

10.50 Uhr: Tschechien liefert zwei Terrorverdächtige aus dem Irak im Zusammenhang mit Bahnanschlägen in Deutschland an Österreich aus. Das entschied ein Gericht in Prag am Freitag. Dem 30 Jahre alten Mann und der drei Jahre jüngeren Frau werden Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung und Finanzierung von Terrorismus vorgeworfen. Sie sollen nach Darstellung des österreichischen Innenministers Herbert Kickl mit einem in Wien festgenommenen Iraker eine „Terrorzelle“ gebildet haben. Das österreichische Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung hatte die beiden Beschuldigten mit einem europäischen Haftbefehl gesucht.

Der in Wien festgenommene Iraker wird beschuldigt, in Berlin und Bayern Anschläge auf Bahnstrecken verübt zu haben. Dabei kam niemand zu Schaden, weil die Züge die Hindernisse überfuhren. Die beiden anderen Verdächtigen waren am Mittwoch kurz nach ihrer Landung am Prager Flughafen festgenommen worden. Sie stimmten ihrer Überstellung nach Österreich zu und befinden sich nun in Auslieferungshaft.

Medienberichten zufolge wollten der Iraker und die Irakerin nach einem eintägigen Zwischenaufenthalt in Prag nach Wien weiterreisen. Hinweise zu persönlichen Verbindungen der beiden nach Tschechien gibt es nicht. Kritik wurde in Prag an der Informationspolitik der tschechischen Behörden laut. Sie hatten erst nach den Aussagen Kickls im Parlament in Wien über die Festnahmen informiert.

Update vom 28. März: Der in Zusammenhang mit den Anschlägen auf ICE-Strecken in Deutschland nun in Wien verhaftete Iraker ist womöglich doch kein Einzeltäter. Dem österreichischen Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) zufolge sind zwei weitere Verdächtige festgenommen worden. „Gerade erst gestern wurden in Prag, in Tschechien, zwei weitere mutmaßliche Terroristen, mit denen dieser Iraker eine gemeinsame Zelle gebildet hat, festgenommen", sagte Kickl in einer Rede vor dem Parlament.

News vom 27. März: ICE-Anschläge in Deutschland: Terrorverdächtiger soll Einzeltäter gewesen sein - Ehefrau festgenommen

Update 19.40 Uhr: Nachdem der Terrorverdächtige der ICE-Anschläge in Bayern und in Berlin festgenommen wurde, könnte auch seine Frau in die Vorfälle verwickelt gewesen sein. Wie die Staatsanwaltschaft bestätigte, wurde sie am Mittwoch in Wien wegen Verdachts auf Beihilfe festgenommen. Nur aufgrund eines „technischen Fehlers“ sei der Plan nicht aufgegangen, Menschen zu töten.

Update 18.15 Uhr: Der wegen Terrorverdachts in Wien verhaftete Iraker hat nach Angaben seines Anwalts allein gehandelt. Er behaupte, kein Mitglied einer Terrorzelle zu sein, sagte der Anwalt der Wiener Zeitung „Die Presse“. Sein Klient habe ihm gesagt, er habe keine Komplizen gehabt. Sein Mandant habe überdies angegeben, ein „politisches Statement“ an deutsche Politiker geschrieben zu haben. Allerdings habe ihm der Iraker weder die Adressdaten noch den Inhalt der Botschaft erklären können. 

ICE-Anschlag: Mutmaßlicher IS-Sympathisant ist „nicht als Gefährder eingestuft“ worden

Update 17.02 Uhr: Der wegen Terrorverdachts in Wien verhaftete Iraker war für die österreichischen Behörden ein unbeschriebenes Blatt. Er sei völlig unbescholten gewesen, sagte die Wiener Staatsanwältin Nina Bussek am Mittwoch. „Es ist strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten und auch nicht als Gefährder eingestuft.“

Nach Darstellung der „Kronen Zeitung“ lebte der Mann als anerkannter Flüchtling schon seit vielen Jahren mit seiner Familie in Wien. Als Mitarbeiter einer Securityfirma soll er laut Zeitung Zugang zu sensiblen Sicherheitsbereichen von Fußballstadien und Einkaufszentren gehabt haben.

Eine Nachbarin äußerte sich über den 42-jährigen Iraker, dem Anschläge auf zwei Bahnstrecken in Deutschland vorgeworfen werden. „Er war wirklich sehr lieb, sehr familiär“, sagte die Frau dem TV-Sender „oe24“.

ICE-Anschläge in Deutschland: Mutmaßlicher IS-Sympathisant in Wien festgenommen

Update 12.53 Uhr: Der nach Anschlägen mit gespannten Stahlseilen auf Bahnstrecken in Bayern und Berlin in Wien festgenommene Iraker ist als Flüchtling nach Österreich gekommen. Das sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts in München am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Details nannte er nicht. Es gebe keine Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Sympathisant der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland gelebt habe. „Er hat mit seiner Familie in Wien gelebt“, sagte der Sprecher.

ICE-Anschläge: Mutmaßlicher IS-Sympathisant in Wien festgenommen

Wien - Der 42-Jährige Iraker gelte als dringend tatverdächtig, teilten die Ermittler in München und Berlin am Mittwoch mit. Er soll am 7. Oktober auf der ICE-Strecke Nürnberg-München und im Dezember in Berlin-Karlshorst Anschläge auf den Bahnverkehr verübt und dabei unter anderem eine IS-Flagge hinterlassen haben.

Menschen kamen durch die Anschläge nicht zu Schaden. Bei dem Anschlag im bayerischen Allersberg soll der Mann mit Metallteilen verstärkte Holzkeile auf den Gleisen aufgebracht haben, um einen ICE zum Entgleisen zu bringen. Ein Zug überfuhr die Hindernisse und wurde dabei leicht beschädigt, wie merkur.de* berichtete. In Tatortnähe entdeckten die Ermittler in arabischer Sprache verfasste Drohscheiben und Schmierschriften mit IS-Bezug. Bei dem vergleichbaren Anschlag in Karlshorst entdeckten die Ermittler ebenfalls Schriftstücke und eine IS-Flagge.

Verdacht terroristischer Straftaten

Der Tatverdächtige sei am Montag festgenommen worden. Gegen ihn liegt demnach ein Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Wien unter anderem wegen des Verdachts terroristischer Straftaten, des versuchten Mordes, der schweren Sachbeschädigung und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Vom Amtsgericht München liege ein Haftbefehl wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Bahnverkehr vor.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

afp/dpa

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