Flug MH17

Holländer wollen Putins Tochter ausweisen

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Russlands Präsident Wladimir Putin.

Moskau - Das Drama um den Absturz von Flug MH17 in der Ostukraine hat in den Niederlanden eine Debatte über die Ausweisung der Tochter von Russlands Präsident Wladimir Putin ausgelöst.

Ukraine-Aktivisten und einige rechtsgerichtete Zeitungen verlangten, dass Maria Putina wegen der vermuteten Mitverantwortung ihres Vaters für den Tod der 298 Menschen in der Malaysia-Airlines-Maschine des Landes verwiesen wird. Der Großteil der Niederländer ist aber offenbar dagegen. Dabei wird auf Königin Maxima verwiesen, deren Vater während der argentinischen Militärdiktatur in der Regierung war.

Mit 193 niederländischen Todesopfern ist das Land von der Katastrophe am stärksten betroffen. Der Bürgermeister der Stadt Hilversum, aus der mehrere der Passagiere kamen, forderte am Mittwoch, die 29-jährige Maria Putina auszuweisen. Doch Pieter Broertjes zog die Äußerung schnell wieder als "unklug" zurück. Er habe sie aus einem "Gefühl der Ohnmacht" heraus gestellt, schrieb der frühere Journalist im Kurznachrichtendienst Twitter.

Seine ursprüngliche Forderung stieß auch nur vereinzelt auf Unterstützung: "Ja, das ist eine Möglichkeit", schrieb das Monatsmagazin "HP De Tijd" nach Broertjes' Ausweisungsforderung auf ihrer Website. "Finden Sie es nicht etwas unehrlich von Gott, dass er uns nicht die Möglichkeit gegeben hat, unsere Eltern auszuwählen?"

Auch einige Internet-Nutzer verlangten auf Twitter und Facebook, dass Maria Putina des Landes verwiesen werde. "Wussten Sie, dass Maria Putinas Vater in Russland lebt?", hieß es in einem sarkastischen Tweet. Ein anderer verwies auf die Ironie, dass sie ausgerechnet im "Krim-Viertel" in Voorschoten außerhalb von Den Haag lebe.

#mariapoetin: Twitter-Debatte

Aber andere verteidigten die Putin-Tochter, um die unter dem "Hashtag" #mariapoetin eine lebhafte Twitter-Debatte entbrannte: Es sei "sinnlos", sie zu bestrafen, schrieb ein Nutzer. "Es scheint offensichtlich, dass die Medien #mariapoetin in Ruhe lassen sollten", kommentierte ein anderer.

Manche Medien verlangten gar den Rücktritt von Bürgermeister Broertjes. "Wenn eine Tochter tatsächlich für die Taten ihres Vaters verantwortlich ist, dann hätte Königin Maxima Zorreguieta schon lange das Land verlassen müssen", hieß es auf der Nachrichten-Website waarinholland.nl. Maximas Vater Jorge Zorreguieta war bis 1981 für mehrere Jahre Staatssekretär für Landwirtschaft während der argentinischen Militärjunta von General Jorge Videla.

"Vater Jorge und Tochter Maxima haben beide immer gesagt, dass sie von den 'Todesflügen' nichts wussten, mit denen sich Diktator Videla seiner politischen Gegner entledigte", hieß es auf waarinholland.nl. Und natürlich sei es "unmöglich, nichts von diesen Dingen zu wissen", wenn man "Teil eines Regimes in Argentinien ist".

Ukrainische Aktivisten und einige Niederländer stellten jedoch Fotos von Maria Putinas angeblichem "Luxusappartment" ins Internet, samt Adresse, und forderten zu Demonstrationen auf. Die niederländische Polizei sicherte vorsichtshalber die Wohnung ab - Proteste blieben aber zunächst aus.

Niederländische Medien zitierten am Donnerstag dann örtliche Behördenvertreter, die angaben, sie wüssten auch nicht, wo sich Maria Putina aufhalte. Die Stadträte von Voorschoten und Noordwijk gaben demnach an, sie hätten keine Belege dafür, dass sie derzeit in ihren Gemeinden wohne.

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AFP

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