AfD-Rechtsaußen im Porträt

Björn Höcke (AfD) erzielt Rekordergebnis in Thüringen - Frau, Kinder, Skandal-Aussagen

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Björn Höcke, Spitzenkandidat der AfD Thüringen, beim Wahlkampfabschluss der Partei.

Der AfD-Politiker Björn Höcke lebt mit Frau und Familie zurückgezogen in Thüringen. Wie tickt der Fraktionsvorsitzende, auf den der Verfassungsschutz ein besonderes Auge wirft, privat?

Update vom 29. Oktober 2019:

Björn Höcke ist als Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag wiedergewählt worden. Das Votum für den 47-Jährigen sei einstimmig gefallen, teilte die AfD-Fraktion am Dienstag mit. Olaf Kießling, Jens Cotta und Denny Jankowski wurden als seine Stellvertreter gewählt. Stefan Möller bleibt Parlamentarischer Geschäftsführer. Der bisherige Parteipressesprecher Torben Braga wird Möllers Stellvertreter. Der Landesvorstand der Thüringer AfD will sich am Dienstagabend in den Räumen der Landtagsfraktion treffen.

Themen sind unter anderem die Auswertung der Landtagswahl sowie die schwierige Regierungsbildung in Thüringen. Erwartet wird, dass die beiden Landessprecher Björn Höcke und Stefan Möller nach der Sitzung vor die Presse treten. Die AfD hatte bei der Landtagswahl nach vorläufigem Ergebnis deutlich besser abgeschnitten als bei der Wahl 2014. Demnach konnte sie ihr damaliges Ergebnis nun mit 23,4 Prozent mehr als verdoppeln.

Björn Höcke (AfD) erzielt Rekordergebnis in Thüringen - Frau, Kinder, Skandal-Aussagen

Update vom 27. Oktober 2019: Die AfD von Björn Höcke kann sich bei der Landtagswahl 2019 in Thüringen auf 24 Prozent mehr als verdoppeln und wird zweitstärkste Partei. Höcke holt als Spitzenkandidat ein Rekordergebnis für die AfD in diesem Bundesland. Die harte Kritik der Konkurrenz lässt am Wahlabend nicht lange auf sich warten. Die Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen bezeichnete Björn Höcke im TV als „Faschist“. Die Presse in Deutschland greift die Wähler in Thüringen derweil an und kritisiert harsch.

Nach der Wahl in Thüringen regiert Bodo Ramelow als geschäftsführender Ministerpräsident vorerst weiter. Prinzipiell kann er dies ohne Frist tun. 

Björn Höcke (AfD): Frau, Kinder und Skandal-Auftritte

Erfurt - Am 27. Oktober findet in Thüringen die Landtagswahl 2019 statt. Im Fokus steht dabei auch Björn Höcke - der Kopf des äußerst rechten „Flügel“ der AfD tritt für seine Partei als Spitzenkandidat an. Schon seit der vorangegangenen Wahl vor fünf Jahren ist er Fraktionschef der AfD im Thüringer Landtag.

In seinem politischen Wirken ist Höcke allerdings gelinde gesagt umstritten: Er lässt regelmäßig mit fragwürdigen Statements keine Zweifel an seiner Rechtsaußen-Haltung.

So lässt Höcke kaum eine Gelegenheit aus, seine Vorbehalte gegenüber Migranten und oder auch dem Islam zu äußern. Schon öfter betonte er, im Falle einer Machtübernahme die Motivation zu besitzen, die Rechte von Menschen mit ausländischer Herkunft oder anderer Glaubensrichtungen zu beschneiden. Dies betrifft sowohl die Einwanderungspolitik als auch das Gut der Religionsfreiheit, mit Verweis auf „Islamisierung“ und den Bau von Moscheen in Deutschland.

Björn Höckes Rede 2017: Im ganzen Land folgte ein Sturm der Entrüstung

Wissenschaftler, Historiker und nicht zuletzt auch der Verfassungsschutz beäugen den 47-jährigen Spitzenkandidaten der AfD für die Landtagswahl 2019 in Thüringen kritisch im Hinblick auf Rassismus und Geschichtsrevisionismus den Holocaust betreffend - und als Folge daraus auch in Bezug auf mögliche antisemitische Haltungen. Darüber hinaus wird Höcke die Übernahme von Sprachstil und Gedankengut des Nationalsozialismus vorgeworfen: Anfang 2017 sorgte der Thüringer AfD-Chef bundesweit für einen Sturm der Entrüstung, Merkur.de* berichtete. Bei einer Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation „Jungen Alternative“ in Dresden bezeichnete er das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“.

Kürzlich sah auch eine interne AfD-Arbeitsgruppe selbst bei Äußerungen von Politikern der Partei Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Einstellungen. Besonders viele problematische Formulierungen entdeckte die Gruppe dann auch in den öffentlichen Einlassungen des Thüringer Landes- und Fraktionschefs Höcke. Kurz zuvor hatte Höcke in einem ZDF-Interview dem Fragesteller „massive Konsequenzen“ angedroht - was folgte, war erneut eine umfangreiche Mediendebatte.

Doch was wissen wir eigentlich über das Privatleben von Björn Höcke? Was ist über seine Frau und Kinder bekannt? Wie führt er sein Leben?

AfD-Mann Björn Höcke: Seine Frau und die Aktivisten

Allzu viel ist über den Privatmenschen Höcke nicht bekannt. Was wir wissen, ist, dass Björn Höcke mit Ehefrau und vier Kindern im thüringischen Bornhagen lebt. Von der im Landkreis Eichsfeld gelegenen Gemeinde hat der eine oder andere sicher schon gehört. Immerhin geriet das Dorf vor noch nicht allzu langer Zeit in die Schlagzeilen.

2017 hatten Aktivisten der Künstlergruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ als Reaktion auf die „Denkmal der Schande“-Einlassungen des Politikers ein Holocaust-Mahnmal neben dem Grundstück von Björn Höcke und seiner Frau aufgestellt. Die Aktion machte Schlagzeilen und Björn Höcke, seine Frau sowie einige AfD-Sympathisanten ergriffen rechtliche Schritte gegen die Künstler.

Achtung Satire: ZDF-heute-Show - Bernd Höcke auf der Suche nach sich selbst

AfD: Anwälte von Björn Höckes Frau scheitern

Familie Höcke setzte damals alles daran, der Aktion ein Ende zu setzen. So wollte beispielsweise Höckes Ehefrau erreichen, dass sich ihr der Kopf der Künstlergruppe, Philipp Ruch, bis auf 500 Meter nicht mehr nähern darf.

Die Anwälte von Björn Höckes Frau argumentierten, die Aktivisten hätten Hausfriedensbruch begangen, weil sie das Grundstück des AfD-Politikers betreten haben sollen. Bei einem als Beweisstück vorgelegten Foto, das von den Künstlern im Garten von Familie Höcke gemacht worden sein soll, stellte sich heraus, dass diese Aufnahme überhaupt nicht von der Künstlergruppe stammte, sondern von einem Freund Björn Höckes.

Die Anschuldigung erwies sich somit als haltlos und das Gericht entschied gegen Höckes Frau. Das geht aus einem Bericht des Tagesspiegels hervor.

Björn Höckes Jugend

Die Wurzeln des AfD-Politikers liegen bei Neuwied am Rhein. Aufgewachsen ist Höcke als „Sandwichkind“ zwischen zwei Schwestern in Anhausen in Rheinland-Pfalz - seine Mutter Krankenschwester und Altenpflegerin, der Vater Sonderschullehrer an einer Blindenschule. 

Die Großeltern stammten aus Ostpreußen. In einem Interview erklärte Höcke vor einiger Zeit, er habe die Heimat der Großeltern bewusst nie aufgesucht: „Ich wollte mir diese Traumwelt nicht zerstören lassen.“

Bekannt ist auch, dass Höcke das Abitur an einem staatlichen Gymnasium in Neuwied ablegte. Der Journalist Karsten Polke-Majewski, ein früherer Mitschüler des AfD-Politikers rekonstruierte in einem Artikel für die „Zeit“ das Bild eines augenscheinlich „eher angepassten“ Abiturienten Höcke. Bekannt ist auch, dass der spätere AfD-Rechtsaußen zu Schulzeiten Mitglied der Jungen Union (JU) war. 

Der damalige JU-Kreisvorsitzende Stefan Vomweg erklärte allerdings auch, sich nicht an Höcke als auffälliges aktives Mitglied erinnern zu können. Von einem "unauffälligen“, "vielleicht etwas stromlinienförmigen" Schüler sprachen auch frühere Lehrer Höckes auf Anfrage Polke-Majewskis.

Es folgte ein Jura-Studium in Bonn, das Höcke nach nur zwei Semestern abbrach. Er wechselte das Studienfach und studierte in Gießen Gymnasiallehramt, Geschichte und Sport. Rechtes Denken äußerte Höcke, auch so viel ist klar, nicht erst, seit er 2013 die AfD in Thüringen mitgründete. Die HNA* druckte 2006 einen Leserbrief Höckes - samt höchst fragwürdiger Thesen, wie Merkur.de* berichtete.

Wie sehen eigentlich die Wahlprogramme der Parteien bei der Landtagswahl 2019 in Thüringen aus? Das erfahren Sie in unserem Übersichtsartikel.

AfD-Mann: So lebt Björn Höcke mit Frau und Familie

Im Jahr 2017 veröffentlichte allerdings die Neue Zürcher Zeitung in ihrer Online-Ausgabe auch ein Interview, in dem Björn Höcke einen Einblick in sein Privatleben gab. Omnipräsent sind darin Anklänge an ein nahezu märchenhaft bis mythisch aufgeladenes Heimatbild - dessen Dreh- und Angelpunkt offenbar Höckes Heim in Bornhagen ist.

In der 350-Einwohner-Gemeinde kauften sich Björn Höcke und seine Frau ein 500 Jahre altes Pfarrhaus, in dem sie mit ihren vier Kindern leben: „Das müssen sie sich vorstellen wie ein kleines Bullerbü“, sagt der AfD-Politiker im Interview. Auch Ostpreußen habe er sich als ebendas vorgestellt: Als „Bullerbü“. Von seiner Kindheit erzählte Höcke laut NZZ als einem Idyll - auch das Wort vom „Mythos Wald“ fällt.

Allzu konfliktfrei scheint das Leben des AfD-Rechtsaußen auf dem thüringischen Dorf allerdings auch abseits von Interventionen des „Zentrums für politische Schönheit“ nicht zu sein. Laut einem Bericht von Focus Online standen zuletzt zwei bewaffnete Personenschützer unweit seines Anwesens. Und auch wenn Nachbarn von einem „freundlich grüßenden“ Höcke berichten - ein Anwohner äußerte sich auf der Online-Plattform zudem äußert ablehnend: „Er ist hier vor allem eines: unerwünscht. Zöge er fort, würden die Bornhagener sofort eine Kerze anzünden."

Hintergrund: Die Landtagswahl 2019 in Thüringen

Bei der Landtagswahl in Thüringen geht Höcke als Spitzenkandidat für seine Partei ins Rennen. Ein Blick auf die aktuellen Umfragewerte zur Landtagswahl in Thüringen verrät mehr über das aktuelle Wählerpotenzial der AfD. 

Alle weiteren Spitzenkandidaten der Landtagswahl in Thüringen haben wir für Sie zusammengestellt. Schwierigkeiten könnten den Köpfen der Parteien bei den Koalitionsverhandlungen drohen.

Auch interessant:

Ex-AfD-Mann packt aus: „AfD weist zunehmend nationalsozialistische Strukturen auf“

Björn Höcke war kürzlich von Demonstranten verunglimpft worden. Ein Gericht traf daraufhin eine überraschende Entscheidung.

AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke hat ein bereits fest geplantes Interview mit der „Thüringer Allgemeinen“ abgesagt. Die Zeitung druckte daraufhin eine teilweise weiße Seite.

Bei einem Auftritt am Tag der Deutschen Einheit nannte Björn Höcke die Bundesrepublik Deutschland „einen demokratisch verfassten Gesinnungsstaat“.

Innerhalb der CDU kracht es nach dem Vorstoß von Thüringens Partei-Chef Mike Mohring gehörig. Für das Ergebnis der Thüringen-Wahl  könnte die Debatte entscheidend werden.

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