Terror: Warnung vor Anschlag Ende November

Berlin - Erhöhte Terrorgefahr: Die Bundesregierung hat Hinweise darauf, dass es noch in diesem Monat in Deutschland einen Anschlag geben soll.

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Aus Sorge vor einem islamistischen Terroranschlag noch vor Weihnachten gelten in ganz Deutschland ab sofort härtere Sicherheitsvorkehrungen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warnte am Mittwoch in Berlin vor einem Anschlag Ende November. Damit nannte der Minister erstmals einen konkreten Termin. Zum Schutz der Bevölkerung wird nun auf Flughäfen, Bahnhöfen und auch an den Grenzen strenger kontrolliert. Experten fürchten, dass auch Weihnachtsmärkte Ziel eines Anschlags sein könnten.

Terror: Massive Kontrollen in ganz Deutschland

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Der Innenminister, der bei Terror-Warnungen bislang eher eine zurückhaltende Linie verfolgt hatte, sprach nun von einer “neuen Lage“. Es gebe jetzt “konkrete Ermittlungsansätzen“, die auf einen Anschlag hinwiesen. Ausdrücklich nannte er dabei die Terrororganisation Al-Kaida. De Maizière appellierte aber auch an die Bevölkerung, nicht in Hysterie zu verfallen. “Es gibt Grund zur Sorge, aber keinen Grund zur Hysterie.“

Zum genaueren Termin oder zu Zielen eines möglichen Anschlags äußerte sich der Minister nicht. Die Hinweise kamen nach seinen Worten von einem “ausländischen Partner“ - damit ist in der Regel ein Geheimdienst gemeint. Auch das Bundeskriminalamt habe aber konkrete Informationen zu Anschlagsplanungen. Ein Sprecher des Innenministeriums ergänzte später, die Lage sei “durchaus ernst“. Im Unterschied zu Ländern wie Frankreich oder Großbritannien gibt es in Deutschland aber keine Terror-Warnstufen.

Die schlimmsten Anschläge seit dem 11. September

Die schlimmsten Terroranschläge seit dem 11. September

Nach Informationen des Berliner “Tagesspiegels“ (Donnerstag) bekamen die deutschen Behörden Hinweise aus den USA, dass zwei bis vier Al-Kaida-Terroristen Anschläge in Deutschland und Großbritannien vorbereiten. Als Datum für deren geplante Ankunft in Deutschland hätten die US-Behörden den 22. November genannt, berichtet das Blatt aus Sicherheitskreisen.

In den vergangenen Wochen hatten sich bereits Hinweise verdichtet, dass Islamisten aus Deutschland nach einer Terror-Ausbildung im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet wieder auf der Heimreise sind. Eine andere Spur führt nach den gescheiterten Luftfracht-Anschlägen Ende Oktober in den Jemen. Auf Flughäfen und Bahnhöfen wird nun auch das Personal verstärkt. De Maizière sagte, einige der neuen Maßnahmen seien “sichtbar“, andere nicht.

Der Bundesregierung liegen nach einem Bericht von “Focus Online“ Hinweise von ausländischen Geheimdiensten vor, wonach ein mit Schengen-Visa ausgestattetes Terrorkommando am 22. November in Deutschland eintrifft. Dabei soll es sich um zwei Inder und zwei Pakistaner handeln, die in pakistanischen Terrorlagern ausgebildet worden seien. Aber auch ein Deutsch-Marokkaner und ein Deutsch-Syrer könnten dem mutmaßlichen Kommando angehören. Laut “Focus Online“ sind die Staatsschützer besonders beunruhigt, weil die Terroristen auf der arabischen Halbinsel mit Schengen-Visa ausgestattet worden sein sollen.

Neue Bilder vom 11. September 2001

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Der Minister verglich die aktuelle Gefährdungslage mit der Situation vor der Bundestagswahl im Herbst vergangenen Jahres. Bereits damals hatte es Befürchtungen gegeben, dass Deutschland zum Ziel eines Anschlags von Al-Kaida oder anderen Terrorgruppen werden könnte. Die höheren Sicherheitsvorkehrungen gelten nach Angaben des Ministers bundesweit und ohne zeitliche Begrenzung. De Maizière schloss auch nicht aus, dass es innerhalb des sogenannten Schengen-Raums im Einzelfall an den Grenzen wieder Personenkontrollen gibt.

Der CDU-Politiker versicherte, die Sicherheitsbehörden seien auf die gestiegene Gefahr “gut vorbereitet“. “Wir zeigen Stärke, lassen uns aber nicht einschüchtern“, versicherte de Maizière. “Wir lassen uns durch den internationalen Terrorismus weder in unseren Lebensgewohnheiten noch in unserer freiheitlichen Lebenskultur einschränken.“ Zugleich verwies er auf die internationale Zusammenarbeit beim Anti-Terror-Kampf. “Wir sind aufs Engste mit unseren Nachbarn und Partnern im Gespräch.“

Das Münchner Olympia-Attentat von 1972

Abu Daud und das Olympia-Attentat von  1972

Als Drahtzieher der geplanten Anschläge wird nach “Tagesspiegel“- Informationen Mohammed Ilyas Kashmiri genannt, eine der führenden Figuren der Al-Kaida. Der Pakistaner wird auch für den Anschlag auf das Touristenlokal “German Bakery“ in der indischen Stadt Pune verantwortlich gemacht, bei dem im Februar dieses Jahres 17 Menschen starben. Kashmiri soll die Terroristen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet rekrutiert haben.

Nach der Verschärfung der Terrorgefahr für Deutschland hat die Bundesregierung vor Hysterie gewarnt. Es wäre ein “großer Fehler“, sich durch die zugespitze Lage in seinen Freiheiten beschränken zu lassen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. “Dann gäben wir ja den Terroristen einen billigen Sieg.“

Seibert betonte, dass sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Terminplanung nicht durch die Terrorwarnungen beeinflussen lasse. Merkel werde keine Reisen oder andere Planungen verändern oder streichen.

Mehr als 100 gefährliche Islamisten

Von mehr als 100 Islamisten in Deutschland geht nach Einschätzung der Polizeigewerkschaft eine Gefahr für Anschläge aus. Diese Islamisten seien in ausländischen Terrorcamps ausgebildet worden, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, den “Kieler Nachrichten“ (Donnerstag). “Wir sprechen bei diesem Gefährderkreis über mehr als hundert Personen.“ Die Polizei werde alles tun, um sie überwachen. Wendt warnte aber: “Man darf sich nicht der Illusion hingeben, wir könnten jeden potenziellen Täter rund um die Uhr überwachen.“

Von Christoph Sator und Michael Fischer/dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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