Mit Trump geht sie hart ins Gericht

Hillary Clinton bekämpfte Depressionen nach der US-Wahl mit Weißwein

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Hillary Clinton versank nach der verlorenen US-Wahl nach eigenen Angaben wochenlang in Trauer.

In ihrem Buch "What Happened" ("Was passiert ist") übernimmt Hillary Clinton die Verantwortung für ihre Niederlage gegen den Quereinsteiger Trump und schildert ihren Schockzustand nach der Wahl.

Washington - Sie habe sich "leer" gefühlt und sei wochenlang in "Trauer" versunken, schreibt Clinton. Die Depression habe sie mit Hilfe ihrer Familie, einer alternativen Atemtechnik, die sie von ihrem Yoga-Lehrer gelernt habe, und mit Weißwein bekämpft, so die 69-Jährige. Es gebe aber keinen Tag seit der Wahl vom 8. November, an dem sie sich nicht frage: "Warum habe ich verloren?" Manchmal habe sie wegen der Grübelei über die Wahl Schwierigkeiten gehabt, sich auf andere Dinge zu konzentrieren.

Mittlerweile geht Clinton davon aus dass Präsident Donald Trump von russischer Wahlkampfhilfe profitiert hat. Es habe "mit Sicherheit" Kontakte von Trumps Wahlkampfteam zur russischen Regierung und "eine Form von Vereinbarung" gegeben, sagte Clinton in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung "USA Today". Am selben Tag erschien in den USA ihr neues Buch.

Als einen Faktor für ihre Niederlage nennt Clinton, dass Trump mit seinem rechtspopulistischen Wahlkampf die "rassisch und kulturell" verwurzelten Ängste weißer Wählergruppen ausgebeutet habe: "Viele Wähler fürchteten, dass farbige Menschen - vor allem die Schwarzen, die Mexikaner und die Muslime - ihre Lebensweise bedrohen."

Clinton bezeichnet Trump als "Lügner" und "Sexisten"

Mit Trump geht Clinton hart ins Gericht. Sie bezeichnet ihn als "Lügner" und "Sexisten" und beschreibt ihn als für das höchste Staatsamt unqualifiziert. Als Ursachen ihrer Niederlage nennt sie auch Frauenfeindlichkeit in Teilen der US-Gesellschaft und den weitverbreiteten Wunsch nach einem politischen Umbruch in Washington.

Die Demokratin schreibt sich zwar selbst die Hauptverantwortung für ihre Niederlage zu: "Ich hab's nicht geschafft. Und ich werde den Rest meines Lebens damit leben müssen." Doch greift sie neben Trump noch andere Protagonisten an, denen sie zumindest einen Teil der Schuld für ihr Fiasko zuweist.

Dazu gehört Senator Bernie Sanders, der Clinton im innerparteilichen Ringen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten hart als Vertreterin des politischen Establishments attackiert hatte. Clinton nennt auch den früheren Chef der Bundespolizei FBI, James Comey, der in der Schlussphase des Wahlkampfs die Untersuchung zum regelwidrigen Umgang der Ex-Außenministerin mit ihren E-Mails neu eröffnet und dann wieder geschlossen hatte.

Clinton will nicht noch einmal kandidieren

Clinton will nicht nochmals für das Präsidentenamt kandidieren, aber als öffentliche Figur präsent bleiben. Bis Dezember will sie ihr Buch bei 15 Auftritten in den USA vorstellen und signieren, der Auftakt sollte am Dienstag in New York gemacht werden. Viele Vertreter der Demokraten wünschen sich allerdings, dass Clinton die Bühne frei macht, um den Neustart der Partei zu erleichtern.

"Sie können das Radio ausmachen, wenn sie mich hören", kommentierte die 69-Jährige dies ironisch in einem Interview des Radiosenders NPR. Sie fügte hinzu: "Ich habe die Erfahrung und die Narben, die mir nicht nur das Recht geben, sondern mich dazu verpflichten, mich zu äußern."

AFP

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