„Ein Mann der Werte und der Haltung“

CDU-Politiker Heiner Geißler ist tot

Der CDU-Politiker Heiner Geißler ist tot. Er galt als Querdenker, der auch in seiner eigenen Partei mitunter aneckte.

Berlin - Der frühere Bundesminister und CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren, wie sein Sohn Dominik der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuerst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ über Geißlers Tod berichtet.

Geißler kam am 3. März 1930 in Oberndorf am Neckar als Sohn eines Oberregierungsrates zur Welt. Vor seiner politischen Karriere war der Vater von drei Söhnen vorübergehend Mitglied des Jesuitenordens, dann Amtsrichter.

Er lag nicht immer auf Parteilinie, galt aber als einer ihrer prominentesten Vertreter: Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler. Nun ist der einstige Vertraute und spätere Gegner von Helmut Kohl gestorben - nur knapp drei Monate nach dem Altkanzler.

Unter Helmut Kohl war Geißler von 1967 bis 1977 Sozialminister in Rheinland-Pfalz, anschließend wurde er CDU-Generalsekretär. Nach Kohls Sieg bei der Bundestagswahl 1982 wurde Geißler Bundesfamilienminister. Der Sozialexperte arbeitete an einem neuen Image der CDU als moderne Programmpartei und führte unter anderem ein Erziehungsgeld ein.

Er galt als Querdenker, der auch in seiner eigenen Partei mitunter aneckte. Im langwierigen Streit der Union um den richtigen Umgang mit Flüchtlingen etwa verurteilte Geißler die Abschiebung von Afghanen in ihre Heimat noch im Dezember als Schnapsidee, weil das Land nicht sicher sei, er drohte der CSU mit einem Bruch der Union und sah in Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen ihres Flüchtlingskurses eine Kandidatin für den Friedensnobelpreis. „Nächstenliebe ist keine Gefühlsduselei und kein Gutmenschentum, sondern eine Pflicht, denen zu helfen, die in Not sind“, sagte Geißler 2015. 

Als Redner und Interview-Partner war der scharfzüngige Wahl-Pfälzer bis zuletzt begehrt - immer gut für unbequeme Positionen. „Anstatt Sinti und Roma vom Balkan, die bei uns Zuflucht suchen, in ihr Elend zurückzuschicken, sollte man vielleicht lieber Dschihadisten, Islamisten, Anhänger des Islamischen Staates, Salafisten und Hassprediger ausweisen. Die halten ja vom Grundgesetz gar nichts und wollen es durch die Scharia ersetzen“, sagte er im Februar 2015.

In Talkshows und Büchern setzte sich der profilierte Sozialpolitiker vehement für ein gerechteres Wirtschaftssystem ein. Die sich öffnende Schere zwischen Arm und Reich trieb ihn immer wieder um. „Wir brauchen eine neue Einheit der Wirtschafts- und Sozialpolitik“, hieß sein Mantra. Sonst führe die „totale Ökonomisierung“ der Gesellschaft zu einer „völligen Umkehrung der Werte“. Geißler hatte er auch viele Anhänger in linken Kreisen. 2007 trat er Attac bei. 2012 riet er CDU-Chefin zur Abkehr von der FDP und zu einer großen Koalition.

Seine letzte ganz große Mission hatte Geißler, als er im Alter von 80 Jahren 2010 den Konflikt um das Bahnprojekt Stuttgart 21 schlichtete.

Bis zuletzt äußerte er sich zu aktuellen politischen Themen. So kritisierte er etwa noch im März die rheinland-pfälzische CDU-Chefin und Bundes-Vize Julia Klöckner, weil diese Reformen an den Hartz-Gesetzen abgelehnt hatte.

Als „total demokratisch“ hatte Geißler 2012 den Tod bezeichnet. „Er packt den Josef Ackermann genauso wie den Arbeiter bei der Müllabfuhr“, sagte er einer Zeitung. Nun ist er dem Tod begegnet.

dpa/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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