Zwei Dinge irritieren

„Hart aber fair“: Empörte Reaktionen schon im Vorfeld - Kritik auch danach - „Endlich wieder ...“

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Bei „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg gab es harsche Kritik für die Themenwahl.

Jeden Montagabend diskutiert Frank Plasberg mit seinen Gästen über aktuelle politische Themen. Am Montagabend geht es natürlich um die Landtagswahl in Thüringen - doch es gibt harsche Kritik.

Update vom 29. Oktober: Schon vor der aktuellen „Hart aber fair“-Sendung mit Frank Plasberg in der ARD gab es Kritik am Thema der Talkrunde. Diskutiert wurde nämlich über die Frage „Der Osten wählt, der Westen schaut gequält: Sieht so die Einheit aus?“ Vielen Kommentatoren war die Ost-West-Trennung ein Leid.

Auch in der Sendung gab es genügend Potenzial für Kritik der Zuschauer. Ein User fasst seine Einschätzung wie folgt zusammen: „Bei #hartaberfair bleibt man dem Sendungsprinzip treu: Sonst wird dort ohne Muslime über Islam und ohne Flüchtlinge über Migration diskutiert, heute geht's ohne Thüringer um Thüringen.“

Andere Zuschauer ärgern sich über die in der Sendung klar im Titel etablierten Trennung von Ost und West. „Endlich wieder Ossi-Bashing“, heißt es in einem Kommentar. Der Politikwissenschaftler Andreas Püttmann schreibt: „Hart aber fair präsentierte heute den Ossi wieder primär als AfD-Wähler und den Westen als irgendwie dran schuld. Beides verzerrt die Realität: Mehr als 3/4 im Osten wählen nicht rechtsextrem und auch in MOE-Staaten (Anm. d. Red.: Mittel- und osteuropäische Länder) ohne Wiedervereinigung mit "Westen" gibts faschistoide Tendenzen.“

In einer weiteren Sendung von „Hart aber fair“ ging es stattdessen um die GroKo - und ob sie denn überhaupt noch handlungsfähig ist.

Osten versus Westen bei Frank Plasbergs „Hart aber fair“ - oder doch eher Links gegen Rechts?

Auch die Runde der Talkgäste konnte während des ARD-Abends nicht wirklich zu einer Antwort auf die Frage nach der Einheit kommen. Es diskutierte kein führender Politiker bei der Talkshow nach der Landtagswahl in Thüringen und mit der geborenen Erfurterin Clara Ehrenwerth war nur eine Person anwesend, die überhaupt Thüringen-Bezug hat. Ein CDU-Vertreter fehlte gänzlich.

Eine zentrale Position in der Sendung nimmt die Links-Rechts-Spaltung ein. Die Politikberaterin Antje Hermenau spricht über den Wunsch aus dem Osten, kritische Worte in Richtung Politik zu formulieren und Änderungen anzustreben. „Dummerweise hat die AfD das deutlich cleverer aufgegriffen als andere Parteien“, lautet ihr Fazit in Bezug auf die Partei.

Als Antje Hermenau von den Freien Wählern Sachsen die hohe Zustimmung der Ostbürger mit der AfD mit „Sorge“ und „Angst“ begründet und das „menschlich“ nennt, bringt Clara Ehrenwerth einen der wohl schärfsten Konter des Abends: „Nein, das ist rassistisch“, lautet ihre Reaktion.

„Hart aber fair“: Zuschauer schon vor der Sendung empört - „Schämt euch!“

Ursprungsmeldung vom 28. Oktober: Berlin - Nach der Landtagswahl in Thüringen mit den Rekordergebnissen von AfD und Linken fragt Moderator Frank Plasberg: „Der Osten wählt, der Westen schaut gequält: Sieht so die Einheit aus?“ Es soll dabei nicht allein um Thüringen gehen, schließlich wurden auch in Sachsen und Brandenburg jüngst die Landtage neu gewählt. Der Titel der Polittalk-Runde am Montagabend löste im Netz schon vor der Sendung empörte Reaktionen aus. Dabei gab es bereits am Wahlsonntag Ärger für die ARD aufgrund einer spontanen Umplanung des Programms.

Empörung über „Hart aber fair“: Stellt Frank Plasberg die falsche Frage? 

„Schämt euch!“, schrieb ein Twitter-User. Die Presse denke auch 30 Jahre nach dem Mauerfall noch in zwei Regionen und sei Schuld an der ideologischen Spaltung des Landes, so sein Vorwurf. „Könnt ihr mit dem Ost/West mal aufhören!“, fordert eine andere Stimme im Netz.

Ähnlich sieht es ein anderer Twitter-Nutzer: „Nur weil man nicht gleich wählt, heißt es nicht, dass es keine Einheit gibt.“ Dem stimmt ein weiterer Kommentator im Netz zu: „Es ist nicht nur ein ostdeutsches Wahlergebnis. Auch wenn es schwerfällt, wir müssen akzeptieren, dass ein Drittel der Bevölkerung mit der Asylpolitik der Regierung nicht einverstanden ist.“ 

"Hart aber fair" - Frank Plasberg moderiert die Talksendung im Ersten.

Trotz Wahlbeben in Thüringen: Kein hochrangiger Politiker bei „Hart aber fair“ (ARD)

Tatsächlich verwundert ein ganz anderer Aspekt bei der „Hart aber fair“-Sendung einen Tag nach der Thüringer Landtagswahl noch mehr: Es ist kein hochrangiger Politiker eingeladen. Obwohl in der CDU ein Machtkampf um AKK ausgebrochen ist (Lesen Sie dazu einen Kommentar auf Merkur.de*) und Spitzenkandidat Mike Mohring sich in der Frage des Umgangs mit Wahlsieger Ramelow gegen den Bundesvorstand zu behaupten versucht, ist beispielsweise kein Vertreter der Union am Tisch. 

Stattdessen jedoch der Politikwissenschaftler Herfried Münkler sowie die Journalisten Hajo Schumacher und Joerg Helge Wagner. Dazu zwei recht unbekannte Regionalpolitiker: Antje Hermenau von den Freien Wählern Sachsen und Dirk Neubauer, SPD-Bürgermeister einer sächsischen Kleinstadt. Aus Thüringen redet am Tisch niemand mit. 

Video: Linke siegt klar in Thüringen - Grüne und FDP im Landtag

Lesen Sie auch: TV-Reporter begleiten Björn Höcke - sein Wachmann sorgt für Ekel-Szene vor der Kamera. In einer anderen Folge von „Hart aber fair“ im ARD diskutieren die Gäste über Krankenhäuser in Deutschland.

„Hart aber Fair“: Zwischen Machtdemonstration, teurer PR-Show und Ausdruck von Diskriminierung: Was bringt die staatliche Offensive gegen hauptsächlich arabische Clans wirklich?   

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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