Hamburgs Kultursenatorin von Welck geht auch

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Beide zurückgetreten: Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust und seine Kultursenatorin Karin von Welck.

Hamburg - Kultursenatorin Karin von Welck (63) hatte sich Großes vorgenommen. Die parteilose Senatorin und Bürgermeister Ole von Beust (CDU) wollten ein Zeichen in der Hansestadt setzen. Nun treten beide zurück.

Das Prestigeobjekt Elbphilharmonie in der Hafencity soll eines der zehn besten Konzerthäuser der Welt und das Aushängeschild für Hamburg werden. Doch die öffentlichen Kosten für das 37 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Leuchtturmprojekt hatten sich zuletzt auf 323 Millionen Euro fast verdreifacht, die Eröffnung zögert sich immer weiter hinaus. Der Streit zwischen der Stadt und dem Baukonzern Hochtief beschäftigt mittlerweile die Gerichte. Auch wegen der Etatprobleme bei den Hamburger Museen geriet die Senatorin, die nun zum 25. August ihr Amt niederlegen wird, immer weiter unter Druck. Die Brandschutzklappen der Hamburger Kunsthalle sorgten dabei bundesweit für Schlagzeilen: Angeblich sollte das renommierte Museum wegen der defekten Klappen geschlossen werden - später stellte sich jedoch heraus, dass der wahre Grund für die Teilschließung nicht die Technik, sondern das Geld ist.

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Hamburger Bürgermeister von Beust tritt zurück

Dabei ist die Kunsthalle seit Jahren unterfinanziert und erhält viel weniger Geld als andere vergleichbare Häuser. Doch statt sich für eine spürbare Etaterhöhung einzusetzen, bestand von Welck darauf, mit dem vorhandenen Geld auszukommen. Gegen diese rigorose Sparpolitik - verordnet von Bürgermeister Ole von Beust - hatte sich zuletzt immer mehr Widerstand formiert. Die Freunde der Kunsthalle und zahlreiche Bürger protestierten mit Briefen an den Bürgermeister und bildeten eine Menschenkette um die Kunsthalle. Außerdem äußerten Kulturschaffende wie der Maler Daniel Richter öffentlich Kritik an der Kultursenatorin, warfen ihr “Machtgier und Inkompetenz“ vor und bezeichneten die Hamburger Kulturpolitik als ein Desaster. Dabei hatte für von Welck alles so gut begonnen: Als die Rheinländerin 2004 das Amt von ihrer Vorgängerin Dana Horáková (parteilos) übernahm, waren alle Kulturschaffenden froh über den neuen Wind in der Kulturbehörde.

Endlich hatten sie wieder eine kompetente Ansprechpartnerin, die sich um ihre Belange kümmerte. Die Senatorin hatte ein ausgesprochen gutes Händchen für Mäzene, sammelte Millionen für die Elbphilharmonie - aber für die kleinen Kultureinrichtungen blieb immer weniger Geld übrig. Spätestens, als von Welck 2008 auch noch das Ressort für Sport und Medien übernehmen musste, wurde immer offensichtlicher, dass ihre Behörde nicht nur mit den Problemen bei der Elbphilharmonie überfordert war.

dpa

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