Guttenberg plant Probezeit für Soldaten

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Kommt jetzt die Probezeit für Soldaten der Bundeswehr?

Berlin - Im Zuge der Bundeswehr-Reform sollen angehende Soldaten zunächst ein halbes Jahr lang unter Vorbehalt bei der Truppe anheuern können.

“Wir können uns eine Probezeit beim Bund vorstellen. Nach sechs Monaten kann dann jeder sagen, Soldatsein ist nichts für mich. Und umgekehrt kann die Bundeswehr entscheiden: Dieser junge Mann passt nicht zu uns“, sagte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg der “Bild am Sonntag“.

Die Maßnahme soll offenbar dazu dienen, dem befürchteten Mangel an Freiwilligen vorzubeugen, wenn die Wehrpflicht wie von Guttenberg geplant ausgesetzt werden würde. Zwischen 7.000 und 15.000 Freiwillige werden in Zukunft benötigt. “Wir brauchen auch in Zukunft junge Männer und Frauen, die kürzer dienen, das heißt zwischen zwölf und 23 Monaten. Denen werden wir ein hoch attraktives Angebot machen“, sagte Guttenberg der Zeitung.

Diese Zeit sei nicht eine “Gammelzeit“, sondern könne für Qualifikationen wie den Erwerb des Führerscheins genutzt werden. Guttenberg versprach außerdem eine “ordentliche Bezahlung, Anrechnung auf Rentenversicherung, Optionen auf Studienplätze und vieles mehr.“

Sommer gegen Aussetzung der Wehrpflicht

DGB-Chef Michael Sommer hat derweil die geplante Aussetzung der Wehrpflicht scharf kritisiert und vor einer Schwächung der Demokratie gewarnt. “Nach den Erfahrungen von zwei Weltkriegen brauchen wir eine Armee, die in der Gesellschaft verankert ist“, sagte er dem “Hamburger Abendblatt“ (Montagausgabe). Deutschland dürfe das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform und der Parlamentsarmee nicht aufgeben, forderte Sommer. Er sehe die Pläne von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit großer Sorge.

Sommer äußerte in dem Interview zudem die Befürchtung, “dass mit den Plänen Guttenbergs das Konzept einer parlamentarisch kontrollierten Armee in einer Demokratie teilweise beseitigt wird“. Bisher habe niemand die Frage beantwortet, was mit den Notstandsgesetzten geschehe, kritisierte Sommer. “Werden die auch abgeschafft?“ Aus seiner Sicht sei es mehr als fragwürdig, dass eine reine Berufsarmee für die Exekutierung der Notstandsgesetze zuständig sein solle.

Sommer warnte zugleich vor der Abschaffung des Zivildienstes. Er habe die Befürchtung, “dass die sozialen Einrichtungen nach der Abschaffung des Zivildienstes dazu übergehen, massiv Ein-Euro-Jobs einzusetzen und sich quasi gezwungen fühlen, dass Hartz IV-System zu missbrauchen“. Die Gewerkschaften hätten sich immer dagegen gewehrt, wenn der Zivildienst missbraucht worden sei, um reguläre Arbeitsstellen zu ersetzen, betonte Sommer.

apn

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